„Dieses Jahr mussten wir erstmals Kunden absagen“

Weltladen stellt Kollektion fair gehandelter Alpaka-Kleidung vor – Bolivianische Stricker nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand

Sind überzeugt von der Qualität und dem Design der neuen Kollektion: Kundinnen im Murrhardter Weltladen, wo noch bis Samstag die erste Hausmesse mit Amauta-Ware stattfindet.Foto: J. Fiedler

MURRHARDT (not). Derzeit wird die neue Alpakakollektion der bolivianischen Firma Amauta im Murrhardter Weltladen ausgestellt. Das ist eine Premiere. Bei der Eröffnung der Hausmesse, die noch bis Samstag, 16. November dauert, berichtete Gabi Ludwig vom Backnanger Weltladen über das Privatunternehmen mit sozialem Charakter, das Jacken, Pullover, Röcke, Kleider und Accessoires produziert. Die Firma, ein Leuchtturm auf dem Gebiet fair gehandelter Kleidung, existiert seit 25 Jahren. Schon 1997 gab es erste Kontakte mit Backnang, seit 2007 ist der Backnanger Weltladen gar exklusiver Vertriebspartner für ganz Europa. Ludwig, die sich schon vor Ort über die Produktionsbedingungen erkundigt hatte, berichtete den Gästen viel Allgemeines über Land und Leute und die Verhältnisse und viel Spezielles über Amauta und die Herstellung und Verarbeitung der Alpakawolle.

Die Philosophie von Amauta lautet: „Mit unseren Händen bauen wir unser Schicksal.“ Und so haben die Menschen in dem bitterarmen Land ihr Schicksal selbst in die Hände genommen und nicht nur für den Eigenbedarf gestrickt, sondern auch für den Export. 1997 standen bei Amauta 25 Menschen in Lohn und Brot. Aber sie waren nur einige Monate im Jahr mit Arbeit versorgt. Heute sind es über 100 Mitarbeiter. Und Ludwig erklärte: „Dieses Jahr haben wir erstmals Kunden absagen müssen, weil wir mit der Produktion nicht nachkommen.“

In Bolivien erhalten Lehrer oder Polizisten den Mindestlohn von 150 bis 200 US-Dollar. Dieses Einkommen ist zu klein, um ein Leben in Würde führen zu können. Bei Amauta beträgt das Einkommen der Stricker zwischen 500 und 800 US-Dollar im Monat.

Die Kunden im Laden überzeugten sich davon, dass inzwischen auch Qualität und Design keinen Vergleich mehr zu scheuen brauchen.