Selbstsicherheit schützt vor Drogen

Schulsozialarbeit setzt Projekt zur Suchtprophylaxe fort– Nahe an der Lebenswelt der Jugend

Auch Suchtprävention gehört mittlerweile zu den Aufgaben der Schulsozialarbeit. In der Walterichschule und Herzog-Christoph-Schule befassen sich Lehrer und Schulsozialarbeiter gemeinsam mit ihren Schülern mit dem Thema. Der nächste Schritt wird sein, im kommenden Schuljahr Selbstsicherheit als möglichen Schutz in die Diskussion zu bringen.

MURRHARDT. (cs) In dem Film, den Kurt Hoberg von der Schulsozialarbeit in der 8. und 9. Klasse der Herzog-Christoph-Schule gezeigt hat, kommen Jugendliche selbst zu Wort. Sie sind es, die vom Filmriss, vom Fahren in angetrunkenem Zustand erzählen und davon, dass sie zu oft zur Falsche greifen. „Alkohol. Vom Genussmittel bis zum Komasaufen“ von der Fellbacher Initiative zur Alkoholprävention ist ein direkter, deutlicher Film und dennoch nicht belehrend. Letzteres ist Hobergs Kollegin Margit Körner besonders wichtig: „Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger ankommen“. Zu ihrem Idealbild gehört ebenso ein bewusstes, selbstbestimmtes Genießen.

Kein einfacher Spagat, denn Kurt Hoberg erinnert daran, wie selbstverständlich beispielsweise Alkohol überall in der Gesellschaft dazugehört. „Man sieht immer öfters, dass junge Leute mit der Bierflasche unterwegs sind, auch wenn sie vielleicht ein bisschen provozieren wollen“, sagt Hoberg und ergänzt, dass man mittlerweile ja auch schon für die Rettung des Urwaldes trinken könne und schüttelt den Kopf. Die Omnipräsenz von Werbung und deren Einfluss beschränkt sich allerdings nicht nur auf Alkohol. Auch, was das Schlank- und Durchtrainiert-Sein anbelangt, scheint der Druck auf Jugendliche zu wachsen. Um all dies zu thematisieren und mit den jungen Leuten zu besprechen, haben sich Lehrer und Schulsozialarbeit zusammengetan, und gemeinsam ein Präventionsprojekt angepackt. Dazu sind die Initiatoren zunächst auf Horizont, eine niederschwellige Beratungsstelle der Jugend- und Drogenhilfe (Caritas) in Backnang, zugegangen.

Zum einen wurde im Unterricht in der siebten Klasse das geschlechtsspezifische Suchtpräventionsprogramm „Mädchen-Sucht-Junge“ integriert, das Horizont empfiehlt. Zum anderen waren die jungen Leute bei der Beratungsstelle in Backnang selbst zu Gast. Es fand ein lebendiges Gespräch über Drogen wie Alkohol, Zigaretten sowie Essstörungen statt und die Jugendlichen hatten die Möglichkeit, über eigene Erfahrungen oder Vorkommnisse im Bekanntenkreis zu sprechen. „Die Idee dabei ist, den jungen Leuten zu zeigen, dass es Probleme geben, aber auch, dass jemand da ist, der ihnen helfen kann“, sagt Kurt Hoberg. „Die Hemmschwelle sollte durch den Besuch vermindert werden, wie wir hoffen.“ Auch beim Programm „Mädchen-Sucht-Junge“ geht es um einen bewussteren Umgang mit den Themen Alkohol, Essstörungen sowie illegale Drogen. Das bedeutet, auch mögliche Gefahren zu kennen. Und die befinden sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Eine spricht ein Arzt, der im Film „Alkohol. Vom Genussmittel bis zum Komasaufen“ interviewt wird, sehr direkt aus: Er fordert die Jugendlichen auf, sich einmal zu überlegen, was es bedeutet, sich an den Wochenenden so zuzusaufen, dass die einem schlicht weg fehlen. Für seinen Geschmack zu viel verlorene Zeit unterm Strich, eine verloren Jugend.

Auch wenn sich Lehrer, Schulsozialarbeiter und Schüler nun schon intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben, ist die Meinung einhellig: „Wir brauchen noch mehr Zeit, um das Thema weiter zu vertiefen“, sagt Margit Körner. Und zwar um die klassisch präventiven Aspekte. Im kommenden Schuljahr wird es darum gehen, zu überlegen, was eigentlich vor einem Abrutschen und exzessiven Verhalten schützen kann.

Margit Körner hat da schon eine Idee: Selbstwert, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein sind ihrer Ansicht nach wichtige Ansatzpunkte. Dem Team schwebt ein dreitägiges Projekt vor, das in den Unterricht integriert werden soll. „Und es ist wichtig, dass es nah an den Lebenswelten der Mädchen und Jungen ist“, hat sich Körner vorgenommen.