Handeln, statt wegschauen

Courage gezeigt und Einbrecher verjagt – Frau verhindert einen Selbstmord

WAIBLINGEN (awu). Die Initiative Sicherer Landkreis Rems-Murr ehrt jedes Jahr Bürger „für ihre tatkräftige Mithilfe und ihren sehr persönlichen Einsatz bei der Rettung von Menschenleben oder Aufklärung von Straftaten“. Doch nie zuvor in der 20-jährigen Vereinsgeschichte wurde so vielen Bürgern diese Ehre zuteil. Die Geschichten der zwölf Geehrten – darunter vier Frauen und acht Männer – klingen ganz unterschiedlich:

Eva Geiger aus Oppenweiler war im Januar vergangenen Jahres frühmorgens als Zeitungsausträgerin in Backnang-Strümpfelbach unterwegs, als ihr in einem Haus verdächtige Geräusche auffielen. Der Schein trügte nicht: Tatsächlich war ein Einbrecher am Werk, der versucht hatte, Kleidungsstücke von der Garderobe durch den Briefkastenschlitz zu angeln. Die Zeitungsausträgerin vereitelte den Einbruch; der 30-jährige Litauer ist bereits verurteilt.

Reizgas ins Gesicht gesprüht

Ein anderer Einbrecher konnte im April 2016 in Fellbach flüchten, obwohl Felix Maier ihn zunächst verfolgt und gestellt hatte. Felix Maier hatte beobachtet, wie der Mann ins Nachbarhaus eingebrochen war. Der Täter sprühte seinem Verfolger Reizgas ins Gesicht und entkam trotz Fahndung der Polizei.

Verletzungen im Gesicht hat sich Markus Schmollinger bei einem mutigen Einsatz im August in Schorndorf zugezogen. Er hatte sich einem algerischen Asylbewerber in den Weg gestellt, der in einem Straßenlokal von einem Tisch einen Geldbeutel, ein Handy und eine Brille gestohlen hatte.

Der Bestohlene verfolgte den Dieb, was Markus Schmollinger bemerkte. Er stellte sich dem Täter in den Weg; es kam gar zu einem Kampf. Zusammen mit einem weiteren Passanten überwältigte Markus Schmollinger den Mann. Der Algerier ist laut Polizei bereits mehrfach wegen Diebstahls- und Gewaltdelikten aufgefallen. Es liegt gegen ihn ein Antrag auf Erlass eines Haftbefehls wegen Fluchtgefahr vor.

Gleichgültig zugeschaut

Längst nicht jeder schreitet ein, wenn jemand in Not ist. Ivonne Schiele aus Schorndorf hätte Helfer gut gebrauchen können, als im November in Schorndorf eine Gruppe Jugendlicher auf einen türkischen Jugendlichen einschlug und ihn noch mit Tritten gegen Kopf und Körper traktierte, als er schon am Boden lag. Ivonne Schieles Beobachtung nach sahen mehrere Eltern gleichgültig zu. Die Erwachsenen hielten sich ganz in der Nähe auf, weil sie ihre Kinder von der nahe gelegenen Schule abholen wollten.

Offenbar schritt niemand ein – außer Ivonne Schiele. Sie eilte dem türkischen Jugendlichen zu Hilfe und brachte ihn zu sich nach Hause. Die Schläger gingen auch die Helferin an, doch konnte sie sich unverletzt aus der Situation retten. Der Jugendliche wurde später im Krankenhaus ambulant behandelt.

Selbstmord verhindert

Petra Hänger hat keine Straftat verhindert – aber ein Leben gerettet. Am ersten Weihnachtsfeiertag beobachtete sie, wie ein Mann am Eisenbahnviadukt bei der Laufenmühle in Welzheim übers Geländer stieg und offenbar springen wollte. Die Aalenerin trat vorsichtig näher und verwickelte den Mann in ein Gespräch. Sie ging offenbar höchst umsichtig und einfühlsam vor, denn der Mann stieg im Verlauf des Gesprächs wieder hinter das Geländer zurück und gab sein Vorhaben auf.

Die Polizei nahm den Mann in Gewahrsam. Bei ihm zu Hause wurde später ein Abschiedsbrief gefunden.