Frau vor Vergewaltigung bewahrt

Initiative Sicherer Landkreis: Mutige Bürger als Retter – Taxifahrerin schützt Seniorin vor 40000-Euro-Betrug

Sie haben hingeschaut, statt weggesehen und beherzt gehandelt: Tanja Hahn und Marcel Hagmann sind zwei von zwölf Bürgern, welche die Initiative Sicherer Landkreis für außerordentlichen Einsatz ausgezeichnet hat. Ohne ihre Hilfe wäre eine Frau Opfer einer Vergewaltigung geworden und eine ältere Dame hätte ihre gesamten Ersparnisse verloren.

Die Geehrten und Vertreter der Initiative Sicherer Landkreis, von links: Klaus Auer (ISL), Ivonne Schiele, Roland Dittmer, Claudia Maurer-Bantel (ISL), Petra Hänger, Michael Winkler, Tanja Hahn, Erich Apperger (ISL), Marcel Hagmann, Sebastian Fischer, Felix Maier, Yunus Yilmaz, Rolf Mai und Eva Geiger. Nicht im Bild ist Markus Schmollinger, der bei der Ehrung nicht dabei sein konnte. Foto: A. Palmizi

Von Andrea Wüstholz

WAIBLINGEN. Vor gut einem Jahr, Anfang Januar 2016, wurde für eine 57-Jährige in Winnenden ein Albtraum zur Realität. Sie ging nachts allein zu Fuß zu ihrem Auto, das auf dem Wunnebad-Parkplatz beim SV Winnenden geparkt war. Ein Mann griff sie an und warf sie zu Boden. Die Frau schrie panisch um Hilfe. Zu dieser Zeit trat Marcel Hagmann aus dem Wunnebad. Er hörte die Schreie, ließ seine Tasche fallen und rannte los. Als der Täter das bemerkte, ließ er von der Frau ab und flüchtete. „Ich hab noch geschaut, in welche Richtung er rennt, bin dann aber bei der Frau geblieben“, erzählt Marcel Hagmann. Er rief die Polizei und leistete der Frau Beistand, so gut es ihm möglich war. „Das war Beschützerinstinkt“, sagt der 31-Jährige heute.

Hagmann arbeitet nebenberuflich bei einem Sicherheitsdienst. Er hatte keine Angst, berichtet er. Als er die Frau panisch schreien hörte, dachte er nicht weiter nach, versuchte nur, möglichst schnell zu orten, woher die Stimme kam. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand hier nicht geholfen hätte.“ Als sich der Vorfall kürzlich jährte, erinnerte sich der Wüstenroter noch einmal besonders intensiv an den Vorfall. Voll Mitgefühl denkt er noch heute an die Frau und daran, wie sie wohl mit dieser Tat umgeht.

Das Opfer hatte bei dem Überfall schwere Verletzungen erlitten, vom seelischen Leid ganz zu schweigen. Drei Monate lang war die Krankenschwester krankgeschrieben. Ihr Peiniger, ein damals 27-jähriger Deutscher aus dem Rems-Murr-Kreis, ist kurz nach der Tat im Januar 2016 in Brandenburg festgenommen worden. Ein Gericht hat ihn zu drei Jahren Haft verurteilt.

Der Mann war wegen einer ähnlichen Straftat schon einmal verurteilt worden, das war im Jahr 2013. Bis August 2014 saß er in Haft. Er hatte versucht, eine 14-Jährige zu vergewaltigen. Nur wenige Tage vor der Tat in Winnenden überfiel der Mann eine Frau in Mainhardt. Sie konnte flüchten.

Nicht um einen körperlichen Angriff, sondern schlicht um sehr viel Geld ging es bei einem anderen Fall, in dem Tanja Hahn aus Winnenden eine rettende Rolle gespielt hat. Die 27-jährige Taxifahrerin erhielt im September vergangenen Jahres den Auftrag, eine ältere Dame nach Winterbach zu einer Bank zu fahren. Am selben Tag hatte die Dame schon einmal ein Taxi geordert, ebenfalls wegen eines Bankbesuchs. Im Gespräch mit der Dame erfuhr Tanja Hahn, dass die Frau einen größeren Geldbetrag hatte abheben wollen, bei der ersten Bank das Geld aber nicht erhalten habe.

Alles habe seine Richtigkeit, versicherte die 81-Jährige ein ums andere Mal, erzählt Tanja Hahn. Die Seniorin hatte offenbar zuvor von der Schwiegermutter ihres Enkels einen Anruf erhalten, nur dass es sich eben nicht wirklich um die Schwiegermutter handelte, was die Seniorin aber nicht glauben wollte.

Die angebliche Schwiegermutter hatte die Seniorin offensichtlich dazu gebracht, zu einem dringlichen erlogenen Wohnungskauf völlig überstürzt die stolze Summe von 40000 Euro in bar beizusteuern. Im Taxi erzählte die arglose ältere Dame von mehreren Anrufen, „und das kam mir dann schon komisch vor“, berichtet Tanja Hahn. Als die Frau in der Bank war, rief sie ihren Chef an und schilderte den Fall. Er riet, die Frau gezielt auf die Sache anzusprechen und sie auf die Gefahr eines Betrugs hinzuweisen. „Wir haben das menschlich gesehen“, sagt Tanja Hahn.

Sie sprach erneut mit der Frau, doch diese ließ sich nicht abbringen vom festen Glauben, alles habe seine Richtigkeit. Sobald die Frau mit all dem Geld in der Tasche zu Hause war, rief die Taxizentrale vorsorglich die Polizei. Beamte überwachten die Wohnung, doch die Betrügerin tauchte nicht auf. Offenbar war es zu einem weiteren Telefonat gekommen, im Zuge dessen die Gauner Verdacht geschöpft hatten.

Später erschien die Seniorin zusammen mit ihrer Tochter in der Taxizentrale „und hat sich 1000-mal bedankt. Sie war echt glücklich“. Um Haaresbreite hätte die alte Dame auf einen Schlag ihre gesamten Ersparnisse verloren.