Einblick ins sportliche Treiben inklusive

Gewinner des Architektenwettbewerbs für Walterichturnhallen-Neubau in Murrhardt steht fest – Fellbacher Büro macht das Rennen

Nach einer Vorauswahl haben sich beim Wettbewerb für den Neubau der Murrhardter Walterichturnhalle zehn Architekturbüros an die Arbeit gemacht und Mitte Januar ihre Entwürfe vorgelegt. Nun steht der Gewinner fest: Die Konzeption und Planung der Fellbacher Architekten D’Inka, Scheible, Hoffmann hat die Jury überzeugt. „Ein in sich stimmiger Entwurf“, sagt Professor Hans-Dieter Kaiser, Vorsitzender der Jury.

Die neue, geplante Turnhalle an der Walterichschule soll von der Sportfläche her etwa doppelt so groß werden wie die bisherige, das Werkstattgebäude (links) erhalten bleiben. Wenn der Neubau steht, kann die Halle aus den 1950er-Jahren, die sich aufgrund von zu vielen gravierenden Mängeln nicht mehr sanieren lässt, abgerissen werden.

Von Christine Schick

MURRHARDT. Als Gabriele D’Inka und Albrecht Scheible sich in der Murrhardter Festhalle einfinden, wo noch alle Pläne und Modelle präsent sind, wissen sie erst ein paar Stunden, dass der Entwurf ihres Architekturbüros das Rennen gemacht hat. Der Anruf von Professor Hans-Dieter Kaiser hat sie in den Morgenstunden erreicht. Die Fellbacher Architekten D’Inka, Scheible, Hoffmann sind zwar nicht ganz unerfahren, was Wettbewerbe anbelangt und haben bereits zahlreiche Preise gewonnen, aber Gabriele D’Inka und Albrecht Scheible freuen sich natürlich über ihren Erfolg, auch angesichts einiger bekannter Mitwettbewerber. Geplant haben die Fellbacher beispielsweise die Sporthallen in Aspach (wir berichteten), Urbach und Plüderhausen. Bürgermeister Armin Mößner lässt keinen Zweifel daran, dass die Entscheidung, einen Architektenwettbewerb auszuloben, für ihn richtig war. „Wir hatten am Mittwoch wirklich die Qual der Wahl.“ Der Luxus, sich für einen von zehn guten Entwürfen durchzuringen, sei harte Arbeit gewesen. Die Jury, zu der sechs Architekten, Bürgermeister Mößner, jeweils ein Vertreter der vier Gemeinderatsfraktionen sowie in beratender Funktion Vertreter von Schule, Turnverein (TVM) und Stadtbauamt gehörten, grenzte die infrage kommenden Entwürfe in zwei Runden immer mehr ein, sodass sich zum Schluss vier Modelle gegenüberstanden. Freilich völlig anonym und mit einer doppelt gesicherten Zahlencodierung, um eine objektive Beurteilung zu gewährleisten.

Wilfried Borchers, bei dem die Gesamtorganisation des Wettbewerbs lag, und Hans-Dieter Kaiser erläutern die Besonderheiten des Entwurfs der Fellbacher Architekten und welche Kriterien für die Entscheidung ausschlaggebend waren. Bestimmte Komponenten sind dabei unumstößlich und durch Normierungen festgelegt wie beispielsweise Feldgröße, Umkleideräume oder Duschen. Der Entwurf von D’Inka, Scheible, Hoffmann hat zu allererst damit überzeugt, wie sich der Bau ins gesamte Schul- und Stadtgartenensemble einfügt. „Die Halle öffnet sich nach Norden und zur Schule hin“, sagt Hans-Dieter Kaiser. Das heißt, dass Schulgemeinschaft und Flaneure, die im Stadtgarten unterwegs sind, das sportliche Treiben durch die Glasfassade ein Stück weit miterleben können. Dabei war es in der Jury durchaus eine Überlegung, damit bewusst offensiv umzugehen – im Sinne eines Aushängeschildes von Schul- und Vereinssport. Ein ganz praktischer Vorteil der Ausrichtung nach Norden ist, dass die Halle sich im Sommer nicht zu stark aufheizt und dadurch weniger in Sonnenschutz und Kühlung beziehungsweise Lüftung investiert werden muss. Auch die Gestaltung des Gebäudes selbst hat die Jury überzeugt: Neben der Tatsache, dass es sich um eine komplette Holzkonstruktion – Innen und Außen – handelt, verlaufen die großen Träger leicht schräg bis übers Dach, das „bewegt, kleinteilig strukturiert und begrünt ist“, so Wilfried Borcherts. Dies sei auch deshalb ein wichtiges Kriterium, da Spaziergänger, die von der erhöhten Walterichskirche nach unten schauen, das Hallendach durchaus im Blick haben. Borchers spricht in diesem Fall von einer gelungenen fünften Fassade. Im Innern wird das Gebäude über zwei Geschosse erschlossen: Im Nebentrakt sind Umkleiden (auf einer Galerieebene) und Geräteräume untergebracht, ein Gang im Obergeschoss ermöglicht gleichzeitig den Blick in die Halle, sodass er zudem als eine Art Zuschauergalerie genutzt werden kann. Der Eingang mit Sitzstufen und einem Foyerbereich wird als gelungen beschrieben. Weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass der Entwurf mit dem geringsten Flächenverbrauch und dem geringsten Volumen auskommt, was für die Außenanlagen entsprechend mehr Spielraum lässt und für die Bewirtschaftung (Strom, Heizkosten) positiv zu bewerten ist. Das Protokoll des Preisgerichts fasst die Beurteilung wie folgt zusammen: „Insgesamt eine sehr schöne Arbeit, die besonders von der städtebaulichen Einfügung und der sorgfältigen Gestaltung lebt.“ Als Gewinner erhält das Büro nun 10000 Euro, jeweils 5000 Euro bekommen die Architekten Seyfried Psiuk sowie die Architekten Dauner, Rommel, Schalk, die sich den zweiten Platz teilen, wodurch der dritte Rang wegfällt.

Wie es jetzt weitergeht? Auch wenn der Gemeinderat am Mittwochabend bereits die Möglichkeit hatte, sich alle Präsentationen anzusehen, muss das Stadtparlament noch generell darüber entscheiden, ob die Fellbacher die Halle nun auch konkret werden planen können. Aus finanzieller Sicht wird dies für die chronisch klamme Walterichstadt kein ganz einfaches Unterfangen. Zwar wurden bei der Auslobung Baukosten von 1,8 Millionen Euro veranschlagt, im Wettbewerbsprozess hat sich aber bereits abgezeichnet, dass dies zu knapp bemessen sein dürfte. „Die Spanne bei den Entwürfen reichte von 1,9 bis 2,6 Millionen Euro,“ erläutert Wilfried Borchers. Das Mittelfeld liege bei rund 2,3 Millionen Euro, bei denen sich auch die Fellbacher Architekten in etwa verankern.