Gerhard Schmid gibt Stab an Stefan Tensing weiter

UL-Stadtrat hört nach 18 Jahren im Murrhardter Gemeinderat auf – Kollegen und Bürgermeister bedauern sein Ausscheiden

Abschied und Neuanfang: UL-Stadtrat Gerhard Schmid (rechts) war am Donnerstagabend das letzte Mal im Murrhardter Gemeinderat in der Alten Post, für ihn in die Fraktion nachgerückt ist nun Stefan Tensing (links). Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Schon allein die nackten Zahlen machen klar, dass Gerhard Schmid in Bezug aufs kommunale Geschehen eine Menge miterlebt und mitgestaltet hat: Als UL-Stadtrat saß er von 1999 bis 2017 im Gemeinderat und hat mit drei Bürgermeistern sowie drei Beigeordneten während seines Ehrenamts zusammengearbeitet. Das Bedauern über sein Ausscheiden, für das gesundheitliche Gründe ausschlaggebend sind, war im Gemeinderat deutlich zu spüren.

Nachdem das Stadtparlament ihn per Beschluss aus dem Amt entlassen hatte, stellte Bürgermeister Armin Mößner fest, dass Gerhard Schmid sich während seiner Zeit als Stadtrat ein großes kommunalpolitisches Wissen erarbeitet und in die Beratungen eingebracht habe, das dem Gremium nun fehlen werde. In den Sitzungen habe er ihn stets konstruktiv und sachlich erlebt. Die Themenpalette, die der UL-Stadtrat begleitet hat, war breit, manche Aufgaben zogen sich über Jahre und sind teils immer noch in Arbeit: Bau des Ärztehauses, Gestaltung und Sanierung Soehnle-Areal/Postgasse, Kindergarten Dorfgärten, Stromkonzession, Bau des Feuerwehrhauses, Feuerwehrbedarfsplan, Sanierung der Walterichschule und der Kläranlage sowie Baugebiet Raidthalde nannte Armin Mößner als Beispiele. Gerhard Schmid war zudem von 2007 bis 2009 Fraktionschef der Unabhängigen Liste und wirkte im Ausschuss des Zweckverbands Bauhof, Kulturbeirat, Technischen Ausschuss sowie bei der Ortsjugendkonferenz mit.

Aus den Abschiedsworten der Fraktionsvorsitzenden sprach viel Wertschätzung für die Arbeit und die Person Gerhard Schmids. „Ich habe dich immer hilfsbereit und loyal erlebt, deine verbindliche und menschliche Art wird fehlen“, sagte Andreas Winkle (CDU-FWV).

Edgar Schäf (SPD) stellte fest, dass man über die Jahre so viele Entscheidungen im Gemeinderat habe treffen müssen. Die Stärke Gerhard Schmids sei dabei gewesen, den anderen Fraktionen gegenüber immer ausgewogen und bedacht zu begegnen. „Dein Rat und deine Tat werden uns fehlen.“

„Ich schließe mich den Lobeshymnen an, weil sie einfach stimmen“, meinte Gerd Linke (MD/AL), der daran erinnerte, dass sich Gerhard Schmid zudem im Kirchengemeinderat engagiert hat.

Wolfgang Hess (UL) hob ebenfalls auf Schmids profundes Wissen über Murrhardt ab, das auch auf seiner beruflichen Tätigkeit basiere. „Es gibt sicher kaum ein Haus in Murrhardt, in das du noch kein Säckle Kohlen hereingetragen oder dem du noch kein Öl geliefert hast.“ Der Fraktion habe er als ruhender Pohl vor allem in Zeiten, in denen bei Diskussionen die Wellen emotional hochgeschlagen seien, einen wichtigen Dienst erwiesen – mit der nüchternen Feststellung, dass man bestimmte Dinge auch anders sehen könne. „Wir werden dich sehr vermissen.“ Schließlich wandte sich auch Gerhard Schmid selbst noch an die langjährigen Weggefährten und die Verwaltung. „Ich war Stadtrat mit Herzblut, das Wohl der Bürger war mir immer ein großes Anliegen“, sagte er und dankte den Kollegen und dem Rathausteam für das konstruktive Miteinander. „Ganz besonders möchte ich mich bei meiner Frau für ihr Verständnis bedanken“, sei das Amt doch mit viel Zeitaufwand verbunden.

Schmid, der zahlreiche Abschiedsgeschenke bekam, hielt für seinen Nachfolger Stefan Tensing eine noch nicht ins Amt gesetzte, neue Krawatte in Stadtwappenfarben bereit. Tensing, der als Kandidat mit der höchsten Stimmenanzahl nach Gerhard Schmid bei den Kommunalwahlen 2014 nachrückt, wurde vom Gremium einstimmig gewählt und von Armin Mößner im Anschluss verpflichtet. Der Bürgermeister warb für das Amt und die Arbeit im Gemeinderat als kleinste demokratische Einheit, das engagierte Menschen brauche. Oft müsse man abwägen, was rechtlich und finanziell machbar sei, teils auch über Prioritätenlisten oder Rangfolgen entscheiden, was einem nicht immer Zuspruch, sondern auch Minuspunkte bei den Betroffenen einbringen könne.

Dieser Aufgabe wird sich nun Stefan Tensing stellen. Der 38-Jährige, der als Betriebswirt in einer Zweigstelle eines großen IT-Unternehmens in Gaildorf arbeitet, übernimmt per Beschluss auch die Positionen Schmids in den Ausschüssen und weiteren Gremien. In der Versammlung Zweckverband Bauhof und im Kulturbeirat vertritt er die UL, im Werksausschuss ist er Stellvertreter, ebenso beim Partnerschafts- sowie beim Kindergarten- und Schulausschuss, sollten die Fraktionskollegen einmal verhindert sein.