Gasthof Engel bleibt vorerst geschlossen

Betreiber Klaus Berger gibt das Lokal auf – Inhaber Wolfgang Bunk sucht schon neuen Gastwirt übers Internet

Das älteste Gasthaus der Stadt hat keinen Wirt mehr. Klaus Berger, der seit 2014 der Mann hinter der Theke war, gibt auf. Wolfgang Bunk, der Eigentümer der Fachwerkimmobilie am Marktplatz, der die Familientradition gemeinsam mit seiner Frau in die Hände von Klaus Berger gelegt hatte, sucht nun wieder einen neuen Betreiber für die Murrhardter Gaststätte.

Von Yvonne Weirauch

MURRHARDT. Ein Ehepaar steht auf dem Marktplatz und blickt auf die Fassade des Gasthauses Engel. „Wir waren hier öfter essen, jetzt müssen wir lesen, dass die Gaststätte vorerst geschlossen bleibt.“ Betrübt schauen sie auf den kleinen Schaukasten am Eingang: „Wir haben unseren Gastrobetrieb eingestellt.“ Der Gasthof bleibe bis auf Weiteres geschlossen, ist dort geschrieben. Nur die Vermietung von Fremdenzimmern sei weiter möglich.

Ob das Ende abzusehen war? Schulterzucken. Einigen Murrhardtern ist nur aufgefallen, dass die Öffnungszeiten in den vergangenen Monaten sehr unterschiedlich waren: „Mal war offen und mal nicht“ – „Hin und wieder standen wir vor verschlossenen Türen, obwohl nach Angaben der angeschriebenen Öffnungszeiten geöffnet hätte sein müssen“ ist in der Stadt von Bürgern zu hören.

„Ja, es stimmt“, bestätigt Klaus Berger. Er könne einfach nicht mehr. Gesundheitliche Probleme seien es, die es einfach nicht mehr zulassen, den Gasthof zu führen. Die letzten Monate seien nicht einfach gewesen. Nachdem sein Koch, Erich Schleich, im vergangenen Jahr plötzlich verstarb, kümmerte sich Berger um alles alleine – Küche, Theke, Bedienen. Es wurde irgendwann zu viel. Mehr möchte er nicht zu dieser Situation sagen.

Als Berger vor drei Jahren den Engel übernahm, endete eine lange Familientradition der Familie Bunk – immerhin nach 460 Jahren. Als sich abzeichnete, dass keines der Bunk-Kinder für die Gastronomie brennt, haben sich die Eltern ganz langsam an den Gedanken loszulassen gewöhnt. Die Immobilie verkaufen wollten sie nicht. Das kommt auch jetzt nicht infrage.

Vor gut drei Wochen hat Wolfgang Bunk erfahren, dass Klaus Berger den Engel nicht mehr weiterführen wird. „Wir sind jetzt schon auf der Suche nach einem Nachfolger – übers Internet. Der Gasthof soll auf jeden Fall als solcher bleiben“, betont Bunk. Aber die Suche sei sicherlich nicht einfach. Der 73-Jährige spricht aus Erfahrung, denn das gestaltete sich schon damals schwierig.

Bevor Klaus Berger im März 2014 gemeinsam mit dem verstorbenen Koch Erich Schleich das Gasthaus übernahm, hatte das Ehepaar Bunk „immer mal wieder aufgehört und auch wieder nicht“. Trotz der damaligen Entscheidung, einen Nachfolger zu suchen, haben Bunk und seine Frau noch so manche Veranstaltung für Murrhardter und Gäste ausgerichtet.

Der Engel war von jeher ein Traditionshaus, feierte 2003 sein 450-jähriges Bestehen. Vor einigen Jahrhunderten haben sich in dem stattlichen Gebäude trinkfeste Mönche ihre Viertele hinter die Binde gekippt. Bis ins 16. Jahrhundert war der Engel in klösterlichem Besitz. Davon zeugt noch heute der Namenspatron. Im Jahr 1553 erwarben die Ahnen Wolfgang Bunks das Haus, das seit 1950 das golden glänzende Wirtshausschild mit dem göttlichen Boten ziert. Alte Murrhardter erzählen sich, dass das alte Engels-Emblem nach dem Zweiten Weltkrieg völlig verwittert gewesen sei. Ein Kunstschmied aus Oppenweiler habe den neuen Engel für die damals enorme Summe von 1000 Mark gefertigt. Der durchschnittliche Bruttomonatslohn betrug 1950 knapp 250 Mark.

Für Bunk war der Engel immer Lebensmittelpunkt. Ein halbes Jahrhundert hat er im Haus am Marktplatz gewirkt. 1964 übernahm er die Teilhaberschaft, fünf Jahre später das komplette Geschäft von seinem Vater.

In den vergangenen Jahrhunderten war in dem Bau mal eine Bäckerei, mal eine Metzgerei, mal eine Weinhandlung untergebracht. Stets wurden allerdings zugleich Gäste bedient, die zum Essen kamen. Die Gastwirtschaft hat sich im Laufe der Jahrhunderte zum Restaurant gemausert.

Dass der Gasthof im Herzen Murrhardts weiterbestehen soll, steht für Wolfgang Bunk außer Frage. Er bedauert, dass Klaus Berger aufgibt, und hofft, bald einen Nachfolger für ihn zu finden. Eine Wunschbedingung dabei: Der neue Pächter sollte weiterhin schwäbische und regionale Küche anbieten.