In der „Formel1 des Radfahrens“ aktiv

Für die 18-jährige Weissacherin Anne Haisch beginnt am 5. Mai in Kranjska Gora die neue Saison im European-Downhill-Cup

Für Anne Haisch ist das Downhill-Fahren die Königsdisziplin im Radsport. Bergauf war es der Weissacherin mit dem Drahtesel schon in der Jugend zu langweilig. „Bergab hat mehr Spaß gemacht“, sagt die 18-Jährige über ihre Anfänge. Bis in den European-Downhill-Cup der Frauenelite hat die Schülerin ihr sportlicher Weg geführt. In die Saison startet Haisch am 5. Mai im slowenischen Kranjska Gora.

Überwindet und umkurvt auf ihren rasanten Bergabfahrten alle natürlichen Hindernisse, die auf der Strecke lauern: Anne Haisch.Foto: A. Becher

Von Michael Clauss

Mut und Überwindung alleine reichen bei Weitem nicht aus, um Downhill als Wettkampfsport zu betreiben. Für Anne Haisch aus Weissach im Tal ist es eine echte Leidenschaft, mit dem aufgerüsteten Sportgerät auf abgesperrten Strecken ins Tal hinabzurasen und die natürlichen Hindernisse zu überwinden oder zu umkurven.

Das deutete sich bereits bei ihren Fahrrad-Anfängen mit ihrer sportlich aktiven Familie an. „Das Berg-Hochfahren fand ich langweilig“, blickt die junge Frau zurück, in die andere Richtung habe es ihr schon damals deutlich mehr Freude bereitet. Zumindest in dieser Hinsicht dürften die bergauf zumeist schwer schnaufenden Hobby-Radler mit der Sportlerin aus dem Täle noch auf einer Wellenlinie liegen. Sie hat sich aber vor drei Jahren mit Schutzausrüstung und einem speziellen Fahrrad in den Downhill-Sport gewagt und schnell mit Wettkämpfen begonnen. Im vergangenen Jahr hat Anne Haisch mit ihrem fünften Platz in der Gesamtwertung des iXS- Rookies-Cup des Radsportweltverbandes UCI aufhorchen lassen. Dabei wäre sogar der Gesamtsieg möglich gewesen, hätte sie nicht ein schwerer Sturz mit Rückenverletzungen zu einer langen Pause gezwungen. Das Risiko fährt eben immer mit.

In dieser Saison startet die Weissacherin in der höchsten Kategorie des European-Downhill-Cups, der Elite Women. Los geht es am 5. Mai im Wintersportort Kranjska Gora im Nordwesten Sloweniens. Weitere Schauplätze: Willingen (19. Mai), Schladming (16. Juni), Spicak (21. Juli) und Leogang (15. September). Top-15-Platzierungen sind ihr Ziel, denn damit kann Haisch wertvolle Punkte für eine mögliche Weltcup-Nominierung sammeln. Zudem will sie sich bei den deutschen Meisterschaften im September bei der Elite beweisen.

Ihren großen sportlichen Zielen ordnet die 18-jährige beinahe alles unter, wichtig ist ihr aber auch das Abitur: „Ich versuche die Schule anständig auf die Reihe zu bekommen.“ Alles unter einen Hut zu kriegen, ist bei sechs Trainingseinheiten in der Woche allerdings nicht einfach. Erst recht nicht, weil es in den heimischen Wäldern im Weissacher Tal keine Strecken für die Wettkampfvorbereitung gibt. Weil „Bad Wildbad die härteste Trainingsstrecke in Deutschland hat“, pendelt Anne Haisch regelmäßig in den Nordschwarzwald.

Downhill als reines Bergabfahren zu bezeichnen, würde dem spektakulären Sport aber nicht gerecht. Wenn es mit über 70 Stundenkilometern auf abgesperrten und mit natürlichen Hindernissen wie Steinen, Wurzeln und Bäumen gespickten Strecken ins Tal hinab geht, ist mehr gefordert als nur Draufsitzen. Es geht für Haisch bei jeder Fahrt darum, den Balanceakt zwischen hoher Geschwindigkeit und Sturzgefahr hinzubekommen. Natürlich gewinnt die schnellste Fahrerin, doch ein Bruchteil einer Sekunde an Unaufmerksamkeit reicht bereits, um die Kontrolle über das Rad zu verlieren – was Haisch schon schmerzlich zu spüren bekam. Die Technik des Rads ist auf Extrembelastungen ausgelegt, verzeiht Fahrfehler aber ebenso wenig wie das normale Freizeit-Fahrrad. Die Schutzausrüstung soll beim Sturz Schlimmeres verhindern. Dem Körper wird bei der mehrere Minuten dauernden Fahrt viel abverlangt.

„Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit, Koordination, Balance, Schnelligkeit.“ Haisch zählt wie aus der Pistole geschossen auf, welche körperlichen Fähigkeiten nötig sind, um nicht nur zügig, sondern auch gesund das Ziel zu erreichen. „Der komplette Körper muss fit und der Kopf schnell sein“ – so beschreibt die Weissacherin den Wechsel zwischen Schlägen und Stößen sowie Sprüngen und Beschleunigungspassagen. Ein Puls von über 180 Schlägen pro Minute ist deshalb auch keine Seltenheit. Mit diesem Hintergrundwissen leuchtet dann auch dem Laien ein, warum Anne Haisch mehrmals in der Woche Fitnesstraining auf dem Programm stehen hat.

Für die ehrgeizige Weissacherin ist ihr Lieblingssport deshalb „die Königsdisziplin des Radfahrens – die Formel 1“.