Wenn das Herz ins Stolpern gerät

Kardiologe Andreas Jeron spricht in Murrhardt über die Ursachen von Rhythmusstörungen

„Rund 900000 Menschen in Deutschland leben momentan mit einem Herzschrittmacher.“ Andreas Jeron, Chefarzt der Kardiologe an den Rems-Murr- Kliniken Winnenden

Von Petra Neumann

MURRHARDT.Herzrhythmusstörungen, sogenannte Arrhythmien, gehören mittlerweile zu den Volkskrankheiten. Nicht immer müssen sie Anlass zur Sorge sein, denn auch ein gesundes Herz gerät hin und wieder aus dem Takt, aber es gibt auch Störungen, die den Patienten in akute Lebensgefahr bringen können.

Professor Dr. Andreas Jeron, Chefarzt der Kardiologie in den Rems-Murr-Kliniken Winnenden, gab in der Festhalle auf Einladung des Krankenpflegevereins und der Volkshochschule Murrhardt einen Überblick zum Thema.

Das Schlagen des Herzens, das in vier Kammern (zwei Vorhöfe und zwei Hauptkammern) unterteilt ist, ermöglicht ein Erregungsleitungssystem. Der Sinusknoten im rechten Vorhof bekommt einen elektrischen Impuls und leitet diesen an den Artrioventikularknoten (AV-Knoten) weiter, der die Funktion eines Türstehers hat, erläuterte Jeron. Er gibt nur die guten Impulse weiter und zwar zum His-Bündel und zu den Purkinje-Fasern, die sich in der Scheidewand zwischen Vor- und Hauptkammern befinden. Als Rhythmusstörungen bezeichnet man Unregelmäßigkeiten des Herzschlags. Eine zu schnelle Herzfrequenz ist eine tachykarde Störung, eine zu langsame eine bradykarde. Bei einer Bradykardie wird ein Herzschrittmacher eingesetzt, wobei es verschiedene Modelle gibt, die über Jahre ihren Dienst tun. 900000 Menschen in Deutschland leben momentan mit solch einem Gerät. Allerdings wird es nicht leichtfertig eingesetzt, vorliegen müssen eine Indikation und Beschwerden.

Unter dem Vorhofflattern versteht man eine strukturelle Herzerkrankung, die durch kreisende Erregungen im rechten Vorhof entsteht. Nicht jeder Reiz wird weitergeleitet, trotzdem kommt es zum Herzrasen, das Herz schlägt dann bis zu 150-mal in der Minute. Die Verödung einer schmalen Muskelbrücke im Herzen mittels Katheder schafft in 95 Prozent aller Fälle Abhilfe, sagte Andreas Jeron.

Ebenso kann die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie geheilt werden. Es führen zwei elektrische Leitungsbahnen vom AV-Knoten weg, eine für langsame Impulse (Slow Pathway), die andere für schnelle (Fast Pathway). Wird die Erregung durch ein Stolpern des Herzens nicht korrekt weitergeleitet, läuft sie wie in einem Kreislauf zurück. Durch die Verödung der Slow-Pathway-Bahn stellt sich der normale Herzrhythmus wieder ein.

Für das Vorhofflimmern gibt es zwei Auslöser, zum einen die Triggerarrhythmien, wobei man unter Trigger Schlüsselreize versteht, die auch von Triggerzellen ausgelöst werden können, zum anderen eine Vielzahl von kreisenden Erregungen in den Vorhöfen. Die Ursachen können Krankheiten sein wie Bluthochdruck, Herzklappenfehler, Herzschwäche, eine genetische Disposition, aber auch Übergewicht, Diabetes und starker Alkoholkonsum. Es wird vermutet, dass die Zellen dadurch in Stress geraten und ihre Eigenschaften verändern. Vorhofflimmern kann zu Gerinnseln und damit zu Schlaganfällen führen. Als Therapie werden blutverdünnende Mittel verabreicht, weil sie das kleinere Übel darstellen. Momentan gibt es europaweit sechs Millionen Betroffene, da das Risiko einer Erkrankung mit zunehmendem Alter steigt. Bei den Triggerzellen kann man auch eine punktuelle Verödung setzen, doch sind die Risiken vergleichsweise hoch.