Bauern und zugleich Krieger des Königs

Carl-Schweizer-Museum zeigt Grabbeigaben fränkischer Adliger aus Murrhardts Teilort Hausen – Präsentation und Vortrag am 21. Mai

Nach fast 140 Jahren kehren kostbare fränkische Metallarbeiten aus dem frühen Mittelalter, die 1878/79 bei den Bauarbeiten an der Murrbahn in drei Gräbern in direkter Nähe zum Teilort Hausen entdeckt wurden, in ihre Heimat zurück.

Schmuckstücke (von links): Eine Scheibenfibel sowie die Zierscheibe eines Amuletts fanden sich bei Bauarbeiten für die Murrbahn. Fotos: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Das Carl-Schweizer-Museum zeigt nun in seiner stadt- und klostergeschichtlichen Abteilung einige Schmuckstücke und Waffen als Dauerleihgaben des Landesmuseums Württemberg und der Stadt Murrhardt. „Diese Funde sind für die Murrhardter Stadtgeschichte von großer Bedeutung. Die wertvollen Beigaben aus drei Gräbern, in denen eine Frau und zwei Männer bestattet waren, stammen aus der Zeit um etwa 680 und deuten auf eine adelige Familie aus dem Rheingebiet hin“, berichtet Museumsleiter Christian Schweizer. Seinem persönlichen Engagement und der guten Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ist es zu verdanken, dass das Carl-Schweizer-Museum sie jetzt als Dauerleihgabe präsentieren kann.

Am prächtigsten sind zwei Funde aus dem Frauengrab. Eine runde Scheibenfibel aus Eisen mit einem Durchmesser von etwa sechs Zentimetern wurde gefertigt als Tauschierarbeit mit Silber- und Goldeinlagen. Das Tauschieren war eine aufwendige Kunstschmiedetechnik: „Dabei gravierte man in die Scheibe Ziermuster, in die man zuvor erwärmte Silber- und Golddrähte flach einhämmerte“, erklärt Schweizer. Solche Schmuckstücke kenne man bisher nur aus Gräbern merowingischer Adeliger in der Region um Mainz und Worms.

Etwas größer ist eine Zierscheibe aus Bronze mit einem Durchmesser von 8,5 Zentimetern aus einem Amulett-Gehänge. Sie zeigt in der Mitte eines achtstrahligen Sternes einen Kreis, in dessen Zentrum ein griechisches Kreuz mit gleich langen Armen eingestellt ist. „Seit alten Zeiten ist der achtstrahlige Stern das Siegel Gottes, des Herrschers oder des Königs“, erläutert Dr. Rolf Schweizer. Solche Schmuckstücke seien nur für wohlhabendere Damen angefertigt worden. Die meisten bisher gefundenen, seltenen Scheibenfibeln stammten aus dem Raum Mainz, wobei die Archäologen eine einzige in der Stadt tätige Werkstatt vermuteten.

Außerhalb des Rhein-Main-Gebiets seien solche Stücke kaum bekannt, darum nimmt der Heimatgeschichte-Experte an, dass die gefundenen Stücke durch Heirat oder als besonderes Geschenk ins Murrtal gelangt sein könnten. Alle Scheibenfibeln ließen sich in die Mitte oder zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts datieren. „Sie waren auf Stoff- oder Ledertaschen aufgenäht und wurden bei besonderen Anlässen gut sichtbar in Lendenhöhe getragen“, erzählt Rolf Schweizer.

In den Männergräbern fand man drei Kurzschwerter (Saxe) und die Speerspitze eines Panzerreiters aus Eisen. Daraus schließen Rolf und Christian Schweizer, dass das Murrtal einen Abschnitt in der neuen militärisch-politischen Grenzzone bildete, die nach dem Sieg der Franken über die Alamannen in der Schlacht bei Zülpich (Tolbiacum) 496 geschaffen wurde. Dafür hätten die Franken die Überreste des römischen Kastells wieder als befestigten Stützpunkt hergestellt und mit Wachpersonal besetzt. „Die dort angesiedelten Dienstleute waren Bauern, aber zugleich Krieger des Königs. Nach alter germanischer Sitte trugen sie ihre Waffen auch noch im Tod bei sich.“ Über die genauen Umstände der Entdeckung dieser Grabbeigaben wisse man jedoch leider kaum etwas, bedauert der Heimatgeschichte-Experte.

Es existiere nur eine kurze Notiz, die berichtet, dass man beim Eisenbahnbau 1878/79 am Fuß des Linderst-Hanges nahe des Aussiedlerorts Hausen Grabstätten fand, weitere Details dazu seien jedoch nicht überliefert. Darum sei auch nicht bekannt, ob die Grabbeigaben vollständig erhalten blieben. Zwar seien keine Skelettteile erhalten, doch könnte es sich bei den drei Bestatteten um einen Vater, einen Sohn und dessen Ehefrau gehandelt haben, vermuten Rolf und Christian Schweizer.

Der Museumsleiter nimmt an, dass die Bahnbauarbeiter Stadtbaumeister Christian Hämmerle oder Mitglieder der damals in der Region tätigen Limeskommission über die Funde informierten. Diese brachten sie nach Stuttgart in die damalige Königlich-Württembergische Altertümersammlung, wo sie vor dem Zweiten Weltkrieg ausgestellt waren. „Eine Zeit lang glaubte man, sie seien im Krieg verloren gegangen, entdeckte sie aber in den 1950er-Jahren im Magazin wieder“, berichtet Schweizer.