„Geh deinen Weg und lass die Leute reden“

Scheffelpreisträgerin Paula Strohbeck gibt ihrem Jahrgang Dante mit auf den Weg – Auszeichnungen für soziales Engagement

Unter dem Motto „Circus-Abigalli-Gala – die letzte Show“ zogen 56 elegante junge Damen und Herren einen launigbeschwingten Schlussstrich unter ihre Schulzeit. Mit Bravour meisterten sie die Prüfungen, und einige legten sich auch mächtig für ihre Mitschüler am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium ins Zeug.

Haben nun alle die allgemeine Hochschulreife in der Tasche und können sich darauf konzentrieren, wie es weitergehen soll: Die Abiturienten des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums. Foto: J. Fiedler

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Inspiriert von der Pro-7-Show „Circus Halligalli“ sorgten die Abiturienten für gute Laune bei der großen Gästeschar in der Festhalle. Ein Gag-Feuerwerk bot der Abifilm: Als die „Russen-Mafia“ ein wichtiges Bild klaut, flippen alle aus und Verrücktes passiert. Nur der Schulleiter bewahrt im klärenden Interview die Ruhe, wie seine zur „Merkel-Raute“ geformten Hände zeigen. Viel Beifall gab’s für die Pausenband, ein Chor mit Klavierbegleitung, für melodiöse Darbietungen bekannter Popsongs. Mit „Goldenen Umbertos“ für besondere Fähigkeiten und kleinen Geschenken dankten die Abiturienten ihren Lehrern.

Ein Füllhorn voller guter Wünsche und Ratschläge hielten die Redner für die jungen Erwachsenen bereit. „Jedes Fach eröffnet lediglich eine Teilperspektive, ist aber unerlässlich, um das Ganze in den Blick zu bekommen“, betonte Schulleiter Jan-Henning Zimmermann. Dies illustrierte er mit der Geschichte von fünf blinden Weisen, die ihrem König einen Elefanten beschreiben, wozu sie verschiedene Körperteile betasteten. Die Vielzahl der Fächer gebe den Schülern die notwendige Orientierung, um zu entscheiden, in welche Richtung sie sich spezialisieren wollen. Die alte amerikanische Redewendung „den Elefanten sehen“ umschreibe große Herausforderungen, die auch mit negativen Erfahrungen verbunden sein konnten. Darum wünschte Zimmermann den Abiturienten, dass sie auf ihren beruflichen und privaten Lebenswegen möglichst wenigen solcher Elefanten begegnen, ihre Ziele im Auge behalten, Durchhaltevermögen und Stärke beweisen, um diese Hindernisse zu überwinden.

Der Berufsalltag ist durchgetakteter als jeder Stundenplan

„Sie haben das harte Survival-Camp Schule durchgestanden, sich durchgebissen und zu einer Persönlichkeit entwickelt“ und das Abiturzeugnis als Eintrittskarte für das weitere Leben erworben, hob stellvertretender Bürgermeister Andreas Winkle hervor. Die nun erlangte Freiheit sollten sie „mit Verstand, Vernunft und dem Herz am rechten Fleck einsetzen“. Denn „der Berufsalltag heute ist durchgetakteter als jeder Stundenplan“, verdeutlichte der Stadtrat und selbstständige Unternehmer, der den verhinderten Bürgermeister Armin Mößner vertrat.

Mit einem augenzwinkernden Rückblick auf die Schulzeit punktete Scheffelpreisträgerin Paula Strohbeck, die als Jahrgangsbeste die Traumnote 1,0 erreichte und ein Mathematikstudium plant. Die Oberstufe gab den Schülern „endlich die Möglichkeit, ungeliebte Fächer loszuwerden“ und sich „auf die zu konzentrieren, die Spaß machten“ oder in denen sie „nicht so schlecht waren“. Einige Kurse unternahmen Exkursionen, und alle gingen auf Studienfahrten. Beim Abitur „saßen wir mehr oder weniger vorbereitet vor unseren Aufgaben“ und feierten anschließend gebührend. Ein Großteil der Abiturienten habe „das Ende der Schulzeit lang herbeigesehnt“ und werde „die neu gewonnene Freiheit freudig begrüßen“.

Auch sie brauche nicht mehr im Sommer die Hitze auf der sechsten Ebene ertragen oder im Winter im Dunkeln in die Schule kommen und gehen sowie sich über einen halben Punkt aufregen, der zur besseren Note fehlte, sagte Paula Strohbeck. Doch werde sie ihre Freunde vermissen, die „mit ein Grund waren, warum die Schule doch ganz erträglich war“. Auch die Lehrer „wollten uns das Leben nicht nur schwer machen, sie standen uns immer mit Rat und Tat zur Seite“. Ihren Mitschülern gab die Jahrgangsbeste Worte des Philosophen und Dichters Dante mit: „Geh deinen Weg und lass die Leute reden.“

Wertvolle Tipps hielt das Mütter-Trio Ute Gruber, Elke Stober und Karin Wurst bereit für die „Zähesten“, die sich „nach oben gekämpft“ haben: „Bewahrt euren Humor, er ist umso wichtiger, je ernster das Leben ist, die Neugierde auf das Leben, werdet nie zu erwachsen, glaubt an eure Träume und habt stets genug Zeit für die Dinge, die euch am Herzen liegen.“ Die Schule sei Lebens- und Schicksalsgemeinschaft sowie „Keimzelle unserer Demokratie“, betonte Freundeskreis-Vorsitzender Marc Millenet. Er zeichnete sechs Abiturienten mit dem Sozialpreis für starkes Engagement in der Schülermitverantwortung und in der Medienwerkstatt aus.

Die Zeugnisse und Schulauszeichnungen überreichten Schulleiter Jan-Henning Zimmermann und sein Stellvertreter Ernst Morlock, die Fachpreise die zuständigen Fachlehrer und Vertreter der verleihenden Institutionen und Organisationen. Der Jahrgangs-Gesamtschnitt beträgt 2,5, sieben Abiturienten waren besser als 2,0 und heimsten dafür Belobigungen und Preise ein.