Produktionshalle ist Schutt und Asche

Gutachter untersucht Anfang kommender Woche den Brandort – Geschäftsführer geht „zu 99 Prozent von technischem Defekt“ aus

Trister könnte das Bild nicht aussehen: Ein grauer, wolkenverhangener Himmel über der Eisenschmiedmühle. Verkohlte Holzbalken und dicke Späne liegen kreuz und quer auf dem großen Areal verteilt, von der Feuerhitze verbogene Metallplatten überragen noch kleine Betonpfeiler und schwarzer Schlamm bedeckt den Boden. Einen Tag nach dem Großbrand bei der Junginger Naturholzwerk GmbH ist nur noch Schutt und Asche von der Produktionshalle übrig geblieben.

Ein Bild der Zerstörung: Nach dem verheerenden Großbrand sind von der Produktionshalle des Sägewerks nur noch verbranntes Holz und zerschmolzene Gabelstapler übrig geblieben. Ein Sachverständiger des Landeskriminalamts wird Anfang kommender Woche die Ermittlungen zur Brandursache aufnehmen. Foto: A. Becher

Von Yvonne Weirauch

MURRHARDT. Am Morgen danach liegt eine knisternde Stille und eine rauchige Dunstwolke über dem Sägewerk. Gegen 8 Uhr sind immer noch wenige Feuerwehrmänner mit einem Wasserschlauch beschäftigt und löschen die letzten aufflackernden Glutnester. „Wir waren die ganze Nacht vor Ort, weil immer wieder kleine Flammen aufgelodert sind“, sagt Stefan Krehan, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Murrhardt. Die Müdigkeit ist ihm und seinen Kollegen ins Gesicht geschrieben. Kleine, weiße Rauchwölkchen steigen hier und da immer noch aus den verkohlten Holzteilen empor. „Das ist normal. Diese enorme Hitze ist hier überall noch vorhanden“, so Krehan. Trotz des Regens in der Nacht und am Morgen mussten die Löscharbeiten fortgeführt werden. Auch die Straßensperrung der L1149 wird vorerst beibehalten.

Am Morgen reinigt ein Fahrzeug den Straßenrand. Drei Feuerlöscher liegen noch angelehnt an einem zusammengerollten Wasserschlauch. Zwei völlig ausgebrannte und zum Teil zerschmolzene Gabelstapler stehen direkt neben einer verbrannten Holzpalette. Der Geruch von verbranntem Gehölz, angekohltem Metall und zerschmolzenem Material ist immer noch beißend und brennt in den Augen. Bei dem Großbrand war am Mittwoch die komplette Produktionshalle des Sägewerks Eisenschmiedmühle Opfer der Flammen geworden (wir berichteten). Die Schadenshöhe ist laut Polizei noch nicht bezifferbar, dürfte aber in die Millionen gehen. Es gilt nun zu klären, wie es zu dem verheerenden Feuer kam.

„Ein Gutachter wird allerdings erst Anfang kommender Woche nach der Brandursache forschen“, sagt Polizeipressesprecher Holger Bienert. Im Moment habe der Sachverständige des Landeskriminalamts noch mehrere andere Fälle zu bearbeiten. Wird es aber Tage nach dem Feuer nicht umso schwieriger, Hinweise auf die Entstehung des Brands zu finden? Nach dem vielen Löschwasser und dem Regen wird man laut Polizei von einer eindeutigen Spurenlage sowieso Abstand nehmen müssen. Je nach Grad der Zerstörung sei es unheimlich schwierig, Erkenntnisse zu gewinnen und: Wo ein Feuer und viel Wasser gewütet hat, ist wenig übrig, was einen Hinweis auf die Entstehung des Brandes geben kann.

Im hinteren Bereich des Areals, das vom Feuer glücklicherweise verschont blieb, sind Mitarbeiter am Vormittag damit beschäftigt, große Holzpaletten zu verschieben und zu stapeln. Irgendwie muss die Arbeit weitergehen, trotz dieser beklemmenden und bedrückenden Situation.

Stefan Krehan: „Auf dem Gelände besteht keine Gefahr mehr“

Die Feuerwehr hat ihre Arbeit beendet. Stefan Krehan: „Wir werden nur noch die Filter aus der Murr entfernen, die wir für die Maßnahmen angebracht hatten und dann können wir nichts mehr tun. Auf dem Gelände besteht keine Gefahr mehr.“ Was die Ursache für den Brand gewesen sein könnte, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Genaueres kann die Polizei erst mitteilen, wenn der Gutachter seine Erkenntnis getroffen hat. Hans-Martin Junginger, einer der Geschäftsführer des Unternehmens, äußert seinen Verdacht klar: „Ich gehe davon aus, dass es zu 99 Prozent ein technischer Defekt war.“ Junginger, der mit seinem Bruder die Firma leitet, hat die Löscharbeiten am Mittwoch verfolgt und musste schockiert beobachten, wie die Halle niederbrennt. In Worte könne man das alles nicht fassen. Junginger wundert sich allerdings, welche Gerüchte sich im Internet verbreiten: „Es ist von Toten die Rede“, sagt er betroffen. Laut Polizeiangaben sollen vier Menschen bei dem Brand verletzt worden sein – zwei Mitarbeiter des Betriebes und zwei Feuerwehrleute. Junginger schüttelt mit dem Kopf: „Das irritiert mich. Ein Mitarbeiter ist verletzt, ja. Aber ich weiß nicht, wer der zweite sein soll.“ Und die zwei Feuerwehrmänner? – „Denen ist es unter ihrer Schutzmaske etwas zu heiß geworden, sodass ihnen der Kreislauf zu schaffen gemacht hat. Und der eine Feuerwehrmann hat sich den Fuß verknackst.“ Auf nochmalige Nachfrage bestätigt die Polizei die vier Verletzten: zwei Feuerwehrmänner und zwei Firmenmitarbeiter. Bienert: „Einer der Mitarbeiter hat Verbrennungen erlitten und ein anderer hatte einen leichten Schwächeanfall, als er geholfen hat, das Feuer zu löschen.“

Das Ausmaß des Brandes ist für Hans-Martin Junginger in Zahlen noch nicht zu erfassen. Dass der Schaden in die Millionen geht, ist klar. „Aber ich kann noch überhaupt nichts sagen.“ Die Firma Junginger Naturholzwerk, die vor allem für Bauunternehmen wie beispielsweise Hammer Abbund in Fichtenberg oder Fertighaus Weiss in Oberrot produziert, hat insgesamt 55 Mitarbeiter, 25 davon sind in der Eisenschmiedmühle bei Fornsbach beschäftigt, wo das Familienunternehmen seit 1896 seinen Stammsitz hat. 2013 übernahm die Firma, die nun bereits in der vierten Generation betrieben wird, das Sägewerk in Gaildorf-Unterrot. Man müsse nun schauen, inwieweit der Produktionsausfall dort ausgeglichen werden könne, sagt Junginger.