Chance für Stadt und private Eigentümer

Nur mäßiges Interesse an Auftakt-Informationsveranstaltung zum Sanierungsgebiet „Bahnhof/östlich Klosterhof“

„Es gibt einiges zu tun, darum wird die Stadt das Neuordnungskonzept in Absprache mit den Eigentümern gestalten. Wo wir Entwicklungspotenzial sehen, kommen wir auf Sie zu und hoffen auf Ihre Mitwirkungsbereitschaft, damit die Stadtsanierung ein Erfolg wird“, sagte Bürgermeister Armin Mößner zu.

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Mit dem bewilligten Förderrahmen von fast 1,2 Millionen Euro und einem Landeszuschuss von 700000 Euro „kann man noch keine großen Sprünge machen“, räumt er bei der Auftakt-Informationsveranstaltung zum Sanierungsgebiet „Bahnhof/östlich Klosterhof“ ein. Doch hoffe die Stadtverwaltung, dass dadurch Bewegung entstehe. „Die Sanierungstöpfe sind gut gefüllt“, auch seien Aufstockungsanträge möglich, um weitere Fördermittel zu bekommen, gibt sich Mößner optimistisch. Indes hat sich nur eine kleine Gruppe Interessierter im kleinen Saal der Festhalle eingefunden.

Die Bausubstanz aufzuwerten sei das Ziel des Sanierungsprojekts, betont der Rathauschef. Dazu seien auch einige städtische Maßnahmen geplant: Priorität haben die Betonsanierung des Parkhauses Grabenstraße und die Gestaltung des Murrufers an der Postgasse. Weiter soll die Murrgasse einen neuen Belag erhalten und ausgebaut werden. Auch den Parallelweg zur Seegasse „wollen wir ordentlich herstellen, damit er ein gutes Bild abgibt“, kündigt Mößner an.

Für die Stadt ist die Betonsanierung

des Parkhauses ein wichtiges Thema

Kompakt erläutert Städteplanerin Ulrike Datan von der Steg Stadtentwicklung GmbH die wichtigsten Daten und Fakten zum 3,36 Hektar umfassenden Sanierungsgebiet. Es besteht aus vier Inseln im Stadtgebiet: dem Bereich um die Bahnhofstraße und Murrgasse, dem Areal des Parkhauses und angrenzende Gebäude in der Grabenstraße, drittes Gebiet ist die See-, Brunnen- und Helfergasse sowie der Extrabereich, das Gebäude des ehemaligen Gasthofs Hirsch.

Das Land gewährt 700000 Euro Zuschuss, das entspricht 60 Prozent des Förderrahmens von rund 1,16 Millionen Euro, die Stadt muss 40 Prozent berappen, das sind etwa 466700 Euro. Der Sanierungszeitraum läuft bis 30. April 2026. „Wir hoffen auf breite Mitwirkung der privaten Eigentümer“, betont Datan. „Sollte der finanzielle Rahmen nicht reichen, kann man sich um Aufstockungen bewerben, auch Verlängerungen des Zeitraums sind machbar“, blickt die Städteplanerin zuversichtlich voraus.

Das Neuordnungskonzept diene dazu, Missstände durch Sanierungsmaßnahmen zu beseitigen oder abzuschwächen, sei aber flexibel und biete verschiedene Möglichkeiten. Im Bereich Bahnhofstraße „gilt es, den Bestand gründerzeitlicher Gebäude zu erhalten durch Sanierung und Modernisierung, um dort zeitgemäß wohnen zu können“. Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude müsse saniert werden, wozu Untersuchungen und Konzepte erforderlich seien. In der schlecht erschlossenen Murrgasse sei der öffentliche Raum wieder herzustellen.

Das ans Parkhaus Grabenstraße angrenzende Grundstück sei „städtebaulich interessant“ und könnte gegebenenfalls in die Kopplungsfunktion zwischen Innenstadt und Murrarkaden eingebunden werden. Die Sanierung des ortsbildprägenden und denkmalgeschützten Gebäudes des ehemaligen Gasthofs Hirsch sollte denkmalschutzrechtlich erfolgen. Die kleinteilige Bebauung und Parzellierung der See-, Brunnen- und Helfergasse sei bei der Sanierung der Gebäude zu erhalten. Datan weist auch auf mehrere Zonen in den Wohngebieten hin: dort seien städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen und Nachverdichtung möglich.

Steg-Projektleiterin Marion Bürkle informiert die privaten Eigentümer der Gebäude, die im Sanierungsgebiet stehen, über die Fördermöglichkeiten und die dafür erforderlichen Voraussetzungen. „Nutzen Sie diese Chance, Geld geschenkt zu bekommen, als besonderen Anreiz“, motiviert sie diese, aktiv zu werden. Zugleich weist sie auf die erhöhten steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten über zwölf Jahre hin, macht aber auch deutlich, dass je nach Förderung etwa 80 Prozent der Sanierungskosten selbst bezahlt werden müssten. Die geplanten Maßnahmen müssen den Sanierungszielen entsprechen: „Eine ganzheitliche Erneuerung des Gebäudes ist anzustreben“, Schwerpunkt ist dabei die energetische Sanierung (siehe Infokasten).

Diese Vorhaben könne man entsprechend den individuellen finanziellen Möglichkeiten auch über einige Jahre strecken. „Wichtig ist der Abschluss einer schriftlichen Vereinbarung des Eigentümers mit der Stadt vor der Auftragsvergabe und dem Beginn der Arbeiten“, betont Bürkle. Nicht gefördert werden Maßnahmen, die nicht vereinbart oder nicht vertragskonform erfolgen, reine Instandhaltungen, aber auch Vorhaben, die weit über den wirtschaftlichen Standard hinausgehen, sowie die Schaffung von Garagen und Stellplätzen, stellt die Projektleiterin klar.

Wichtig sei, dass die Eigentümer, die ihre Gebäude sanieren und modernisieren wollen, sich möglichst frühzeitig, sprich innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre, bei der Stadt und der Steg melden und ihre Vorhaben in einem überschaubaren Zeitraum verwirklichen, verdeutlichen der Bürgermeister und die Projektleiterin in der folgenden kurzen Fragerunde. Ansprechpartner sind Lars Kaltenleitner und Simone Sauer vom Stadtbauamt sowie Marion Bürkle von der Steg. „Die Stadt ist nicht bestrebt, Sanierungs-Ausgleichsbeiträge zu erheben“, beschwichtigt Mößner einige besorgte Eigentümer, die bei einer früheren Stadtsanierung vor etlichen Jahren schon einmal zur Kasse gebeten wurden.