Narren trollten sich in die Verbannung

Auszug der Henderwäldler aus dem Rathaus wurde beim Fasnetsverbrennen auf dem Marktplatz gefeiert

Es war eine Premiere: Beim Fasnetsverbrennen auf dem Marktplatz zogen sich die Narren in aller Öffentlichkeit aus dem Rathaus zurück. Allerdings nicht, ohne am Dienstagabend nochmal gemeinsam mit Murrhardtern und Gästen zu feiern.

Machten Laune und fetzige Guggenmusik: XS-Excess unter Leitung von Andreas Köder, die das abendliche Ereignis mit kräftigen Beats und guter Show begleiteten. Foto: J. Fiedler

MURRHARDT (cs). Noch steht der Nachtkrabb an der Reling der MS Walterich, sprich auf dem Balkon, und auch das Hexenturmweible, der Hotz, sowie etliche Wasserfratzen und Feuerbarthl bevölkern das Rathaus. Doch sie müssen sich auf ihre Verbannung aus den städtischen Regierungsgefilden vorbereiten. Auf dem Marktplatz schlägt das brennende Holz im Feuerkorb Funken und die musikalischen Einheizer des Abends treffen ein: Die Guggenmusik-Gruppe XS-Excess aus Backnang.

Während sich der eine oder andere am Glühwein wärmt, tauchen Nachtwächter Christian Schweizer und Bürgermeister Dr. Gerhard Strobel auf, der sich ebenfalls in Schale geworfen hat. Er tritt in Holzfällermontur an. Der Nachtwächter kündigt das Ende der närrischen Zeit an, und der Rathauschef macht sich daran, dem Narrenbaum mit der Motorsäge zu Leibe zu rücken. Als er fällt, müssen sich die Narren aus dem Rathaus trollen. Zunächst entledigen sich der Nachtkrabb, das Hexenturmweible und der Hotz ihrer Gewänder, betten sie in eine Holzkiste der Henderwäldler und verlassen in schwarzen Kutten samt Truhe den Platz. Dann ziehen unter Tränen mit gezückten Taschentüchern und begleitet von einem Trauermarsch, den XS-Excess anstimmt, die restlichen närrischen Mannen von dannen. Strobel fühlt sich fast schon im Stich gelassen von den Faschingsgesellen, die sich nun für 51 Wochen zurückziehen. Doch gibt er zu bedenken, dass es „im Rathaus auch sonst meist närrisch zugeht“ und erhält seinen Schlüssel zurück, den er beim Rathaussturm abgenommen bekam.

Jetzt erobern die Guggenmusiker die Rathaustreppe und zeigen, welche Klangfülle ihr Ensemble entfalten kann. Mit Tempo und treibendem Beat bescheren die Frauen und Männer in grimmig schönen Gothic-Kostümen dem Publikum launige Stücke. XS-Excess-Chef bittet eine Wasserfrätzin zum Tanz, andere Henderwäldler bilden eine Chorusline und winken im Takt, während sich die Kinder im Freistil üben. Mit einem temperamentvollen musikalischen Ausklang wird die närrische Zeit in der Walterichstadt beendet.