Nach der Stallarbeit beginnt der Markttag

Ein Besuch auf dem letzten Murrhardter Wochenmarkt im Jahr – Zu Silvester sind Raclette und Fondue immer noch angesagt

Für die Marktbeschicker beginnt der Tag in den frühen Morgenstunden. David Burkhardt vom Wacholderhof beispielsweise war schon im Stall, bevor er seine Siebensachen für den Wochenmarkt in seinen Sprinter lädt und wie die Kollegen auf dem Marktplatz seinen Stand aufbaut. Die Kunden trudeln derweil sogar etwas später ein, weil der eine oder andere nun in den Ferien ausschläft und sich erst dann zum letzten Einkauf in diesem Jahr ins Stadtzentrum aufmacht.

Peperoni in der Zange: Alwine Schreiber.

Von Christine Schick

MURRHARDT. Es ist kurz nach 8 Uhr. Auf dem Murrhardter Marktplatz geht es noch relativ ruhig zu. Es weht ein kühles Lüftchen und die ersten Kunden, die sich an den Ständen des Wochenmarktes einfinden, machen sich nach ihren Einkäufen schnell wieder auf zu wärmeren Orten – oder zur Arbeit. Ulrike Lang beispielsweise hat ihre Runde bereits gemacht, bevor sie selbst ihre Kunden in der Drogerie empfängt.

Auch David Burkhardt vom Wacholderhof ist schon eine Weile auf und hat einiges erledigt. Bevor er seine Waren für den Wochenmarkt auflädt, war er schon im Stall und hat die Tiere versorgt. Außerdem hat es in Steinberg am Morgen geschneit, weshalb er ein bisschen später loskam. Momentan kümmert er sich wieder um die Landwirtschaft und den Verkauf der Bioland-Produkte, da das Ehepaar Pohl aufgehört hat. Eine Kundin stellt ein leeres Glas auf die Theke, in das sie sich frischen Quark füllen lässt – das spart Verpackungsmaterial. Hinzukommen ein Töpfchen Sahne und ein Stück Käse, dann fischt sie mit klammen Fingern die Münzen aus der Börse. Zwar sind die Tage um Weihnachten und Silvester nicht die umsatzstärksten wie vielleicht im Einzelhandel, doch für Burkhardt gilt es, auch die „ruhigeren Tage“ mitzunehmen. In Murrhardt und Backnang hat er seine Stammkunden, die er sich zurzeit auch in Ludwigsburg erarbeiten möchte – wo er seit einigen Monaten ebenfalls präsent ist. Nebenan verkauft Ulrike Scheffler Obst und Gemüse für den Wacholderhof. Eine Kundin holt sich frische Pilze und Staudensellerie für ein Raclette, das es an Silvester geben wird. „Grünkohl finde ich ein gutes Neujahrsessen“, sagt Ulrike Scheffler und lobt ihre Murrhardter Kunden, „die sich vom Wetter nicht abschrecken lassen“.

Ihre Kollegin Susanne Jäger, die am Stand von Gruber - Obst & Gemüse aus Erdmannhausen verkauft, meint: „Wir haben hier treue Kunden.“ Sie weiß, dass in den Ferien der eine oder andere ausschlafen kann und sich der Markt etwas später füllt. Was die Leute jetzt kaufen? Im Kommen sind ältere Gemüsesorten wie beispielsweise Steckrübe, Schwarzwurzel, Spitzkraut, Grünkohl oder auch Pastinaken. Das, was es einst bei Großmuttern gab, „entdecken die Leute jetzt wieder“. Wer sich für die Wintertage wappnen will, nimmt sich einen Schwung Ingwer für einen heißen Tee mit. „Das wärmt von innen und stärkt die Abwehrkräfte“, sagt sie. Und wenn es nicht klappt, die Erkältung schon da ist, gibt es dann noch schwarzen Rettich, aus dem sich ein schleimlösender Hustensaft machen lässt – wenn das keine saisonbezogene Beratung ist.

Mittlerweile sind Heike Schaaf und ihr Team am Stand von Johannes und Matthias Schaaf aus Aspach dabei, ihre erste kleine Kundenschar zu umsorgen. Ackersalat geht bei ihnen zu Silvester gut weg. Sie sind wie einige der Kollegen bei jedem Wetter mit ihrem Stand auf vielen weiteren Märkten in der Umgebung vertreten. Dann heißt es, mit ein paar zusätzlichen Planen sich und die Ware vor Wind, Kälte und Schnee zu schützen.

Auch wenn es nicht gerade muckelig warm ist, lässt Rosa Geiger ihre Kühlanlage immer noch laufen. „Geflügel ist heikel“, sagt sie und zeigt auf ihre Auslage unter den Glasscheiben mit Puten, Hähnchen und Perlhühnern. Der Ellwanger Stand Bleyer hat aber auch Lamm, Stallhasen sowie Eier im Angebot. Fürs Silvester-Fondue holen sich die Kunden vor allem Hähnchen und Pute, sagt sieBei Alwine Schreiber am Wüstenroter Feinkoststand (Schreiber & Erfort) riecht es verführerisch nach Gewürzen und aromatischen Ölen. Sie hat einiges zu tun, um ihre Kunden nach und nach zu versorgen, die sich mit Oliven, Weinblättern, Schafskäse und gefüllten Paprika eindecken. Zwei riesige Gläser sind mit Peperoni gefüllt, daneben stehen Kürbiskernöl und Honig. Eine Kundin bekommt noch ein Probiererle mit: „Oliven aus Ägypten, die schmecken nach Zitrone“, sagt Alwine Schreiber. Für sie läuft das Geschäft gut – an den Feiertagen nimmt man sich gern ein paar Schnabulierereien mit nach Hause.

Wer es herzhaft mag, ist bei Regine Schwieder richtig. Zum Sortiment von Victor & Konstantin Pál (Welzheim) gehören vor allem ungarische Wurstspezialitäten – Husaren, Csabaer oder Debrecziner. „Will man zu Silvester nicht kochen, kann man sich etwas Scharfes fürs Fondue oder Buffet mitnehmen“, sagt sie.

Eberhard Becks besondere Spezialität sind selbstgemachte Maultaschen mit klassischer Füllung bis hin zu Lachs und Wild. Der Sulzbacher ist einer der treuesten Beschicker. Seit 23 Jahren ist er auf dem Murrhardter Wochenmarkt. Er hält neben vielen anderen Sorten den Käse fürs traditionelle Racletteessen bereit. Dabei gibt es nicht nur einen, er empfiehlt, ruhig einmal einen Bergkäse mit leckeren Kräutern zu probieren. Ingerose Schwarz lässt sich eine satte Portion herüberreichen. Sie macht die unschlagbaren Vorzüge des Klassikers klar: Niemand muss stundenlang in der Küche stehen, und so gibt es jede Menge Zeit für Gespräche. „Ich finde, es ist einfach ein geselliges Essen“, sagt sie.