Hilfe bei der Zeit des Abschiednehmens

Kinderhospizdienst Sternentraum stellte seine Arbeit und die ZDF-Dokumentation „Mira – mein Stern“ vor

MURRHARDT (pan). Der Kinderhospizdienst Sternentraum 2000 hatte zu einem Film- und Informationsabend – und einem nicht gerade leichten Thema – eingeladen: Im Kommunalen Kino wurde der ZDF-Film „Mira – mein Stern“ gezeigt. Er erzählt von der todkranken Mira, die an Mukopolysaccharidose, einer seltenen Genkrankheit leidet. Ihr fehlt ein Enzym, sodass im Laufe der Jahre alle ihre Körperzellen vergiftet werden, was einen kontinuierlichen Abbau der geistigen und physischen Fähigkeiten zur Folge hat. Filmemacherin Ingrid Pollatschek hat die allein erziehende Mutter Sally Wenger und ihre beiden Kinder bis zum Tode Miras im Kinderhospiz in Hamburg begleitet. Auf der einen Seite zeigen die Szenen die fortschreitende Krankheit Miras, auf der anderen die Entwicklung des kleinen Bruders Luka. Es wird deutlich, welch schwere Zeit die Mutter durchmacht und wie sie gleichzeitig an ihren Aufgaben wächst. „Ich kann mir nicht einmal wünschen, dass es vorbei ist, denn dies bedeutet ja den Tod Miras“, sagt sie an einer Stelle im Interview. Als die sterbenskranke Tochter dann zehn Tage nach ihrem vierzehnten Geburtstag entschläft, macht das jahrelange Wissen um den bevorstehenden Tod den Abschied nicht leichter. Aber auch dieser Einschnitt ist kein Stillstand, Sally lernt später ihren neuen Lebenspartner kennen und gründet mit ihm eine neue Familie.

Die beiden hauptamtlichen Hospizbegleiterinnen Ute Eilers und Kirsten Allgayer beantworteten nach der Vorstellung Fragen der Zuschauer. Mittlerweile gibt es neun Kinderhospize in der Bundesrepublik, die durch Spenden entstanden. Im Rems-Murr-Kreis gibt es momentan zwanzig ehrenamtliche Hospizbegleiter sowie zehn in Ausbildung. Einhundert Stunden Schulung sind Voraussetzung für diese verantwortungsvolle Aufgabe, zu der auch die Begleitung todkranker Patienten gehört. Diese benötigen jemanden, mit dem sie ihre Situation besprechen und verarbeiten können. Oftmals versuchen die Angehörigen noch Hoffnung zu vermitteln, obgleich die jungen Patienten innerlich genau wissen, dass es sie nicht gibt. Je nach Krankheitsverlauf kann die Betreuung über mehrere Jahre dauern, wobei eine intensive Beziehung entsteht, sodass der Tod des Patienten auch für den Helfer ein unmittelbarer Einschnitt sein kann. Doch es kommt ebenso vor, dass Kinder- und Jugendliche in der Familie Hilfe bei der Bewältigung ihrer Trauerarbeit benötigen, wenn ein Elternteil oder ein Geschwisterchen stirbt. Auch diese begleitet der Kinderhospizdienst. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Zeit des Abschiednehmens. Der Tod wird nicht verdrängt, sondern begreifbar gemacht, sodass er besser von den Hinterbliebenen verarbeitet werden kann. Am Abend wird auch die Form des Abschiednehmens nach dem Tod thematisiert und die Frage nach der Möglichkeit zur Aufbahrung in den eigenen vier Wänden gestellt. Früher wäre das ganz selbstverständlich gewesen, meinte eine Zuschauerin und wie tröstlich doch die Totenwache und die Gebete gewesen seien. Die Regelung ist je nach Bundesland unterschiedlich, in Baden-Württemberg sind drei Tage erlaubt. Ebenso wird ein weiteres Feld von Sternentraum angeschnitten: Die Erfüllung von lang ersehnten Wünschen – nach Möglichkeit.

Weitere Infos:www.sternentraum.net.