Völlig entspannt im Hier und Jetzt

Über 20 Frauen und Männer schöpften Kraft mit Qigong auf dem Stiftshof

Der Himmel, die Erde, der Baum im Jahreslauf, die rekelnde Katze – alles passt zusammen. Ist der Mensch offen für die Natur, und strebt er an, im Einklang mit ihr zu leben, könnte ihm Qigong den Weg dazu ebnen. Über 20 Frauen und Männer ließen sich darauf am Samstag ein. Sandra Busch leitete sie an.

Hoch die Arme: Sandra Busch leitet an, und der Markgraf im Hintergrund wacht über allem.

Von Renate Häussermann

BACKNANG. Man kennt die Fotos, hat eine Gruppe vielleicht schon selbst in China gesehen: Qigong im Park. Menschen treffen sich zu Entspannungsübungen unter freiem Himmel. Ein Bild vollkommener Harmonie. Ganz so ist es am Samstagvormittag im Backnanger Stiftshof nicht. Noch nicht. Und doch geschieht etwas Besonderes: Über 20 Menschen treffen sich, um in ihrer Energie zu sein. Ein spürbares Kraftfeld baut sich auf. Keiner schaut auf den Anderen, ob er die Übungen richtig macht. Jeder ist für sich allein und doch behütet im Kreis der Gruppe.

„Der Stiftshof ist ein sehr geschützter Platz“, begründet Qigonglehrerin Sandra Busch die Wahl des Ortes. Sehr gut könnte sie sich auch den Schillerplatz vorstellen, doch dort ist es zu laut. Nebengeräusche machen zwar einem geübten Qigong-Praktizierenden nichts aus, doch die Schnupperkursler sind an diesem sonnigen Vormittag froh, dass es im Stiftshof schön ruhig ist. „Machen Sie nur das, was Ihnen guttut“, sagt die Lehrerin, die wenige Meter weiter eine Praxis für Entspannungstraining betreibt. Sandra Busch arbeitet an diesem Samstagvormittag im Auftrag der Deutschen Qigong-Gesellschaft, die seit drei Jahren die Aktion „Qigong im Park“ anbietet. Kostenlos und unverbindlich. Es werden drei Termine in Backnang auf dem Stiftshof angeboten.

Es ist eine entspannte Atmosphäre. Sandra Busch sorgt dafür, lässt die Frauen und Männer erst mal ankommen und durchatmen. Schließlich sollen ja Aufmerksamkeit und Achtsamkeit geschult werden. Die Bewegungen sind einfach und enden immer damit, dass die Hände auf dem Bauch liegen. In dieser Position spürt man dem nach, was die Bewegung gerade bewirkt hat. Tja, was ist es? Man beginnt, sich zu konzentrieren, in sich hineinzuhören. Und ohne dass man es bewusst forciert, verharrt man schon im ruhigen Einklang mit sich selbst. Völlig entspannt im Hier und Jetzt. Es ist ein erhebendes Gefühl, Kraft aus der Ruhe zu schöpfen.

Es ist viel von Himmel und Erde und Wasser die Rede. Die Sterne und der Mond spielen auch eine Rolle. Qigong benutzt viele Bilder aus der Natur. Sandra Busch nimmt ihre gelehrigen Schüler mit, einen Baum im Jahreslauf nachzuahmen. Ganz leicht heben sich die Arme, wenn die Blätter sprießen, kraftvoll wird die Ernte in Empfang genommen und schließlich lockert sich die Anspannung, wenn die Blätter locker zu Boden fallen. Qigong orientiert sich auch an den Bewegungen von Tieren. Doch die rekelnde Katze wird an diesem Samstag nicht nachgeahmt. Sämtliche Übungen werden im Stehen gemacht, fest verwurzelt mit der Erde.

„Qigong fördert und erhält Gesundheit und Wohlbefinden, beugt Krankheiten vor und stärkt das Immunsystem und damit die Selbstheilungskräfte, lindert Beschwerden, unterstützt Therapie und Rehabilitation, reguliert und harmonisiert Blut-, Lymph- und Energiefluss im Körper, wirkt regulierend auf das gesamte Nervensystem“ und und und. So die Beschreibung der Deutschen Qigong-Gesellschaft. Alles Humbug?

Allein die Erfahrung zählt. Am Ende der Stunde spenden die Teilnehmer ihrer Lehrerin herzlichen Applaus. Und manche würden am liebsten gleich noch einige weitere Übungen dranhängen. Gelegenheit dazu ist noch zwei Mal.