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Bürgermobil trotzt Corona

Das Projekt, für Senioren und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen Fahrten beispielsweise zum Einkaufen anzubieten, ist im Juli 2020 während der Pandemie gestartet. Fahrer und BE-Stelle ermöglichen jeden Montag Touren mit jeweils einem Gast.

Fahrer Eugen Claß ist auf Montagstour. Für Monika von Recum, die er mit dem Bürgermobil abholt, hält er eine Einstiegshilfe bereit. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Fahrer Eugen Claß ist auf Montagstour. Für Monika von Recum, die er mit dem Bürgermobil abholt, hält er eine Einstiegshilfe bereit. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. In der Planungsphase des Bürgerbusses sahen die Bedingungen noch deutlich anders aus. Als das Projekt dann im Frühjahr 2020 starten sollte, machte Corona dem Vorhaben zunächst einen satten Strich durch die Rechnung. Doch da die ehrenamtlichen Fahrer und der Bus der evangelischen Kirchengemeinde Murrhardt für den Einsatz einmal die Woche im wahrsten Wortsinne bereitstanden, prüfte man mit der sich entspannenden Lage im Sommer, ob das Angebot nicht unter den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen anlaufen konnte.

Nach einer Testphase startete das Angebot des Bürgermobils dann ab Juli 2020 und das Fahrerteam und Birgit Wolf, Leiterin der Stelle Bürgerschaftliches Engagement (BE), sammelten erste Erfahrungen. Senioren und Menschen, die den öffentlichen Nahverkehr nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht nutzen können, über kein Fahrzeug verfügen oder nicht in der Lage sind zu fahren, haben seither die Möglichkeit, immer montags eine Hin- und Rückfahrt zu vereinbaren. Vor dem Hintergrund der Coronalage entschloss man sich, sie für jeweils nur eine Person anzubieten. Die Zeitfenster: 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Einerseits ist das Angebot durch die Situation beschränkt, andererseits gibt es mittlerweile trotzdem einen kleinen, feinen Kundenstamm, der es schätzt und nutzt, so eine erste Zwischenbilanz. „Wir haben sechs feste Kunden, die mit dem Bürgerbus fahren“, sagt Birgit Wolf. Längerfristig wolle man mehr Fahrgäste gewinnen, aber ein Anfang ist gemacht. Die Entscheidung, die Touren nicht auf die Kernstadt zu beschränken, hat sich als gut erwiesen, denn das Fahrerteam ist neben dieser auch in der Weststadt und den Teilorten Fornsbach und Siebenknie unterwegs. Bisher bilden klassische Einkaufsfahrten den Schwerpunkt. „Das muss man entsprechend bündeln und sich die Tour vorher überlegen“, sagt Ulrich Burr. Anfangs sei es dann auch mal vorgekommen, dass er Umwege gemacht habe. Doch mittlerweile sei das kein Thema mehr, wenn es hieße, die geschickteste Tour beispielsweise mit den Stationen Apotheke, Supermarkt und Post zu fahren.

Das kann Franz Metzger bestätigen. Natürlich sei eine grobe Planung wichtig, aber bisher könne man auch noch flexibel reagieren, wenn jemand dann doch noch mit dem Wunsch einer weiteren Station vor dem Start aufwarte. Zum aktuellen Fahrerteam gehören zurzeit außerdem noch Eugen Claß, Siegfried Jauß, Ulrich Glassl und Helmut König. Bedenken, sich in den nicht ganz einfachen Pandemiezeiten zu engagieren, gab es für sie nicht. „Wir sind quasi mit Corona gestartet, kennen gar keine anderen Bedingungen“, stellt Ulrich Burr fest. Aber die Tatsache, dass im Bus pro Fahrt nur eine Person mitgenommen wird, Maskenpflicht gilt und der Abstand gewährleistet ist, darüber hinaus Desinfektionsmittel und Tücher zur Verfügung stehen sowie nach der Tour die berührten Stellen gereinigt werden, schätzt der ehemalige Bürgermeister Murrhardts als gute Voraussetzungen ein.

Das Team motiviert vor allem, dass sich die Fahrgäste dankbar für den Service zeigen. „Der Lohn ist ein freundliches Lächeln“, sagt Eugen Claß. Er fand das Angebot für Menschen in Murrhardt vor allem in Bezug auf die Mobilität bedeutend. Wer nicht selbst die Möglichkeit hat, von A nach B zu kommen, solle unbedingt unterstützt werden, wozu auch Ältere gehörten. Also stieß Eugen Claß zum Team. Auch wenn er im Berufsleben steht, kann er sich mit Gleitzeit in der Regel einen Montag im Monat freischaufeln. Für Franz Metzger war mit Eintritt in den Ruhestand klar, dass er sich sozial engagieren wird. „Ich wollte mit Menschen Kontakt haben“, sagt er. Vom Bürgerbusprojekt hatte er bereits gehört und einen Einsatz ein- bis zweimal im Monat konnte er sich gut vorstellen. Als der Start konkreter wurde, war er dabei und findet: „Das ist genau das Richtige.“

Die Engagierten finden das Projekt wertvoll und schätzen die ehrenamtliche Mitarbeit.

Auch für Siegfried Jauß ging es darum, sich in Sachen Ehrenamt umzutun. Da er als Engagierter bei der Freiwilligen Feuerwehr Murrhardt aus dem aktiven Dienst ausscheiden musste, hieß es, ein neues Wirkungsfeld zu finden. Ulrich Glassl, für den mit der Rente ein neuer Lebensabschnitt begann, stieß ebenfalls zum Team. Ulrich Burr nimmt sich gerne Zeit für einen Fahrdienst im Monat. „Ich finde den Bürgerbus eine gute Idee. Es ist prima, dass sich Stadt, Kirche, Bürgerstiftung und Ehrenamtliche zusammentun, um Fahrten im Städtle anzubieten“, sagte er. Barbara Stadler hat über das Quartiersprojekt (wir berichteten), das mittlerweile abgeschlossen ist, zu den Engagierten rund um den Bürgerbus gefunden. Sie unterstützt bei organisatorischen Dingen und hat sich um einen Förderantrag gekümmert, der bewilligt ist. So wurde der Bürgerbus ins Programm „Beteiligungstaler. Projektefonds zur Förderung von Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung“ der Initiative Allianz für Beteiligung aufgenommen, das mit Mitteln des Staatsministeriums Baden-Württemberg unterstützt wird.

Birgit Wolf ist die Ansprechpartnerin für alle Fragen rund ums Bürgermobil und nimmt auch die Anmeldungen entgegen. Um planen zu können, müssen die Fahrgäste in der Woche zuvor bis Donnerstag um 12 Uhr Bescheid gegeben haben. „Da aufgrund der Kontaktbeschränkungen nur ein Gast pro Tour mitfährt, können im Moment im Schnitt weniger Personen an einem Montag mitgenommen werden“, sagt sie. Grundsätzlich freue man sich aber auch über weitere Interessenten. Da die Kirchengemeinde das Fahrzeug an den übrigen Tagen ebenfalls benötigt, musste sich das Projektteam auf einen Tag festlegen, und die Wahl fiel auf den Montag. Ursprünglich war geplant, auch Fahrten zum Arzt anzubieten, solange diese nicht von der Krankenkasse abgegolten werden können. Dies werde bisher aber nicht wahrgenommen, erläutert Birgit Wolf. Natürlich müsse die Wartezeit kalkulierbar sein, damit die Touren darauf abgestimmt werden können, generell wolle man dies aber gerne ermöglichen. Neben Läden – zurzeit entsprechend eingeschränkt – sind weitere Anlaufstellen für Besuche die Post, Apotheken, die Tafel sowie der Friedhof.

Auch wenn die Bürgerstiftung das erste Jahr hilft, indem sie die Fixkosten zur Busnutzung (Versicherung, Abmangel) übernimmt, ist das Team dankbar für Spenden – ein Kässchen dafür findet sich im Bus. „Wir wollen ein niederschwelliges, unkompliziertes Angebot machen und möchten langfristig noch mehr Interessierte ansprechen“, sagt Birgit Wolf.

Anmeldung für Fahrgäste

Das Bürgermobil fährt immer montags von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr. Die Anmeldung ist in der Vorwoche bis Donnerstag um 12 Uhr bei Birgit Wolf, Telefon 07192/935816, möglich. Die Leiterin der Stelle Bürgerschaftliches Engagement in Murrhardt informiert unter dieser Nummer auch generell über das Projekt und die Rahmenbedingungen.

Da der Bürgerbus während der Coronapandemie gestartet ist, galten von Anfang an die zentralen Punkte wie Hygienemaßnahmen (Maske/Desinfektion) oder AHA-Regeln. Um den Abstand einzuhalten, besteht auch immer nur die Fahrmöglichkeit für eine Person sowie den Fahrer. Zusammenkünfte zweier Personen aus zwei unterschiedlichen Haushalten sind im Moment erlaubt, deshalb kann auch der Bürgerbus seine Touren fortsetzen.

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Erstellt:
20. Januar 2021, 06:00 Uhr

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