Demnächst kann’s ans Einchecken gehen

Beim Murrhardter Bezirksbienenzüchterverein haben sich Workshopteilnehmer an den Bau eines Wildbienenhotels gemacht

Wildbienenhotels gibt es zwar heute schon zu kaufen, aber man kann sie auch selber machen. Wie das geht und worauf man dabei – mit Blick auf den guten Anklang bei der Kundschaft – achten sollte, konnte man vor Kurzem beim Bezirksbienenzüchterverein Murrhardt lernen. Während des Workshops in der Walterichschulwerkstatt entstanden eine ganze Reihe schicker Wildbienenhotels.

Die Inneneinrichtung hat begonnen: Das junge Team macht sich daran, die Lücken zwischen den größeren Elementen – Dachziegel mit Hohlräumen und Astblöcke mit vielen Bohrlöchern – mit unterschiedlich großen Schilfrohren und -röhrchen auszufüllen. Foto: J. Fiedler

Von Ute Gruber

MURRHARDT. Man nehme: aus Holz eine Rückwand, zwei oben angeschrägte Seitenteile, einen Boden und eine wasserfest beschichtete, größere Platte für das Pultdach; dazu eine Handvoll Holzschrauben, Holzleim, ein paar Nägel, ein Drahtgitter und jede Menge Röhrchen – seien es Schilfabschnitte, perforierte Holzstücke oder Hohlziegel. Ein Akku-Schrauber, Drahtschere, Hammer und Heißklebepistole erleichtern die Arbeit.

Im Werkraum der am Wochenende stillen Walterichschule hat Achim Wagner für den Workshop alles vorbereitet: Die Bauteile sind schon zurechtgesägt und teils sogar vorgebohrt, Werkzeug liegt bereit, und die Arbeitsschritte hat der langjährige Werklehrer der Herzog-Christoph-Schule sauber an die Tafel geschrieben. „Zuerst bauen wir den Rahmen. Bevor wir die Teile zusammenschrauben, kommt auf die Kontaktstelle eine Raupe Ponal“, sagt er. Keine Insektenlarve, sondern eine Wurst aus Holzleim ist gemeint.

Achim Wagner hat Erfahrung: Über 30 Jahre hat er mit seinen Schülern sachgerecht Vogelhäuschen, Nisthilfen, Fledermauskästen und allerlei Gartendeko gebaut, die sie dann auf besonderen Märkten verkauften. „Die handwerklichen Fertigkeiten sind für die Schüler wichtig als Berufsvorbereitung.“

Heute legen elf Kinder in Begleitung von Eltern und Großeltern freiwillig los: Es wird geschmirgelt, geleimt, geschraubt. Profi Achim Wagner, der auch Schreiner gelernt hat, hilft, wo’s klemmt: „Mein Holz hat sich verzogen!“ – „Dann nehmen wir die Schraubzwinge dazu.“ Es folgt der Lieblingsteil für die Frauen: die Inneneinrichtung. Diese besteht aus Röhren aller Arten und Größen (für verschieden große Insektenarten) und darf fantasievoll zusammengestellt werden: Schilfrohre, sogenannte Strangfalzbiber (Dachziegel mit Hohlräumen) und Astblöcke mit vielen Bohrlöchern. Die Öffnungen, immer nach vorne, werden mit der Heißklebepistole im fertigen Rahmen fixiert. Tannenzapfen finden dabei wider Erwarten keine Verwendung: „Damit fangen die Bienen nichts an. Das wäre nur Deko“, erklärt der inzwischen pensionierte Lehrer, der vor einiger Zeit einen Imkerkurs gemacht hat und jetzt Jungimker ist, wie er augenzwinkernd erklärt. Die meisten Wildbienenarten – wie die häufige rote Mauerbiene – sind Solitärbienen, das heißt, sie schlagen sich alleine durchs Leben. Arbeitsteilige Staaten wie die Honigbiene bilden sie nicht. Jedes Weibchen legt seine Eier in Hohlräume im Boden beziehungsweise im Holz, in Mauern oder Pflanzenstängeln.

Das Bienenhotel ist vor allem

auch Bienen-Kinderkrippe

Für Letztere wird das Bienenhotel gebaut, für welches somit der Begriff Bienen-Kinderkrippe eigentlich angemessener wäre. In ein passendes Rohr ihrer Größe legt die Bienenmama ein Ei, dazu etwas Pollen als Proviant (ohne Vesperdose), danach wird eine Trennwand gebaut (damit es keinen Streit gibt), dann folgt das nächste Ei, Futter, Trennwand und so weiter – bis das Röhrchen voll ist. Ist das Futter aufgebraucht und die Larve ausgewachsen, verpuppt sie sich und schlüpft aus.

Haben die alleinerziehenden Bienenmütter einen guten Brutplatz entdeckt, bilden sie dort eine Brutgemeinschaft: „Wenn die einmal drin waren, kommen die immer wieder“, versichert Vereinsvorstand Rudolf Hofmann, und seine Frau Roswitha erzählt, wie gut Bienen und Hummeln ihre Nisthilfe im Garten angenommen hätten, erkennbar an den vielen verschlossenen Röhren. Hotel ausgebucht.

Imker Walter Rau hat zwei Nachbarsjungen akquiriert, Nino (9) und Sandro (10) macht das Basteln großen Spaß. Sandro bedient den Bohrturm professionell: „Soll ich Ihnen die Löcher auch gleich absenken?“ Natürlich, gern. Damit man an den Spax (oder korrekt: Kreuzschlitzholzschrauben) nicht hängen bleibt. Nicht zu vergessen das große Loch auf der Rückseite, für den Nagel zum Aufhängen an der Wand. Der erfahrene Imker Rau hat im eigenen Garten schon länger eine große Nisthilfe für Wildbienen, „viermal so groß wie die hier!“. Bildet denn dieses Grandhotel für Wildbienen nicht eine Konkurrenz zu den eigenen Honigbienenvölkern? „Ach was, wir haben so eine reiche Tracht, das reicht locker für alle“, erwidert der Naturfreund.

Auch Felix (7) ist immer dabei, wenn es etwas zu schaffen gibt, und baut mit seinem Papa ein schönes Insektendomizil. Familie Schulte ist seit Kurzem auch unter die Imker gegangen: „Nur der Honigverbrauch ist bei uns noch nicht gestiegen“, moniert der Vater, „die Jungs bevorzugen immer noch den von den braunen Bienen...“ Sprich: Nutella.

Unter Anleitung ihrer Oma entfernen Milan und Zoe die Fäden der Heißklebepistole, die wie Spinnweben vor den Schilfröhrchen hängen. Damit sich die Insekten darin nicht verfangen können. Dann wird last, but absolut not least mit Nägeln und Zange der lebenswichtige Drahtgitterkorb davorgepfriemelt. Nur so ist die Brut vor Vogelfraß geschützt: Mit Maschen von zwei Zentimetern enger als ein Meisenkopf und einem Abstand von vier Zentimetern vor der Front länger als der Meisenschnabel. „Sonst freut man sich, dass im Herbst alles voll, und schaut dumm, wenn im Frühjahr alles leergeräumt ist.“ Ein paar Meisenknödel hätten’s auch getan.

Nach knapp drei Stunden hat jeder seine Wildbienenresidenz fertig. Nun muss nur noch ein sonniges Plätzchen gefunden werden, Richtung Süden oder Osten, dazu vielleicht ein Beet mit Wiesenblumen, und die Buchungsanfragen können kommen.