Einzelfallhilfe, Klassenrat, Konfliktkultur

Schulsozialarbeiter legen Gemeinderat Berichte über Tätigkeitsschwerpunkte vor – Angebote am Gymnasium gut angenommen

Das eingespielte Schulsozialarbeiterteam in Murrhardt stärkt und unterstützt Kinder und Jugendliche mit vielfältigen Präventions- und Trainingsangeboten dabei, Probleme und Konflikte besser in den Griff zu bekommen und bei Gefahren gewappnet zu sein.

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. In zweijährigem Turnus tragen Margit Körner, Kurt Hoberg und Tobias Brändle ihre Jahresberichte persönlich im Gemeinderat vor. Heuer dokumentierten sie in schriftlicher Form ihre Aktivitäten im Schuljahr 2016/17. Diese erfolgen an der Walterichschule (Gemeinschaftsschule), der Herzog-Christoph-Schule (sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum), der Hörschbachschule (Grundschule) und dem Heinrich-von-Zügel-Gymnasium in enger Abstimmung mit den Schulleitungen und Lehrkräften.

Tobias Brändle ist seit 2016 an drei Bildungseinrichtungen tätig, dessen Arbeit als neuer Kollege etwas ausführlicher dargestellt werden soll: am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium zu 50 Prozent, an der Hörschbach- und der Walterichschule zu je 25 Prozent. Am Gymnasium hat Brändle seit September 2017 einen eigenen Raum für vertrauliche Gespräche und Bürotätigkeiten. Sein Arbeitsschwerpunkt: zeitintensive und komplexe Einzelfallhilfen, die vorwiegend Schüler der Klassen fünf bis acht in Anspruch nahmen.

Bei schwierigen Situationen mit einzelnen oder mehreren Schülern sowie bei Problemen in Klassen hat der Schulsozialarbeiter laut Bericht Lehrkräfte pädagogisch begleitet. Eltern stand er in Schul- und Lebensfragen beratend zur Seite und stärkte deren Erziehungskompetenzen. Er intervenierte in einzelnen Klassen bei Problemen im Unterricht wie Respektlosigkeit oder bei Auseinandersetzungen. Mit moderierten Gesprächsrunden und erlebnispädagogischen Übungen gelang es ihm, das Klassenklima zu verbessern, die Konfliktkultur zu verändern und die Kommunikationsfähigkeit zu erweitern, wie der Bericht erläutert. Er ermöglichte den Schülern, ihre eigenen Grenzen zu erfahren, stärkte ihre Selbst- und Fremdwahrnehmungen sowie die Entwicklung angemessener Umgangsformen.

Zum Angebot gehörte auch ein Präventionstag für Zehntklässler zum Thema „Diskriminierung und Pluralität in der Gesellschaft“, mit dem Ziel, soziale Werte wie Respekt, Gleichberechtigung und Toleranz zu vermitteln.

In den Klassen fünf und sechs sensibilisierte Brändle die Schüler für (Cyber-) Mobbing und den sicheren Umgang mit dem Internet, um das soziale Miteinander zu fördern. Weiteres Feld ist die Zusammenarbeit mit der Schülermitverantwortung (SMV). Im laufenden Schuljahr wird die Kooperation mit dem Gymnasium erweitert durch gemeinsame Projekte in der Prävention, Berufsorientierung, Wertevermittlung und Begleitung im Entwicklungsprozess.

Auch an den Grundschulen informierte Tobias Brändle über (Cyber-)Mobbing, den sicheren Umgang mit elektronischen Medien und dem Internet. An der Hörschbachschule gehört es zu den Aufgaben, die Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, gewaltfreie Konfliktlösungen und Werte zu vermitteln. Beim Klassenrat (dritte Klassen) besprachen die Grundschüler gemeinsam mit Brändle verschiedene Streitigkeiten und Konflikte und handelten Lösungen aus, was zu einer merklich besseren Klassengemeinschaft beitrug, so der Bericht.

Informationen zu (Cyber-)Mobbing und zum sicheren Umgang mit Medien und Internet gehören dazu

In den vierten Klassen bot der Schulsozialarbeiter einen Kurs für soziales Kompetenztraining mit dem Ziel an, über positive Selbst- und Fremdwahrnehmungen das Selbstbewusstsein der Schüler zu fördern. Bei Konflikten intervenierte er, um das Klassenklima zu verbessern: Dazu vermittelte er sozialverträgliche und gewaltfreie Verhaltensweisen in moderierten Gesprächsrunden und praktischen Übungen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Klassenrat trug zu einer besseren Atmosphäre in den zweiten und fünften Klassen der Walterichschule bei. Schüler wirkten bei der Programmgestaltung im Kurs zu erlebnispädagogischen Kooperationsspielen mit, um die Gemeinschaft und soziale Kompetenzen zu fördern.

Da Tobias Brändle an drei Schulen tätig ist, ergeben sich wertvolle Synergieeffekte: Schüler, die von den Grund- auf weiterführende Schulen wechseln, kennen ihn schon. So kann er seine Angebote ausweiten und intensivieren.

Margit Körner und Kurt Hoberg stemmen an der Walterichschule ein breit gefächertes Angebot zur Sucht-, Gewalt- und Mobbing-Prävention, das noch erweitert wird. Dabei kooperieren sie vor Ort mit dem Jugendzentrum, der Jugendhilfeeinrichtung Arche der Paulinenpflege und dem Projekt Brückenschlag sowie regional mit der Kreisjugendarbeit, Pro Familia, Caritas und Polizei. Neu war ein sexualpädagogisches Projekt „Kinder stark machen“ zur Prävention von Gewalt und sexuellem Missbrauch für Viertklässler.

Auch bei der Orientierung in Berufsfeldern wirken die Schulsozialarbeiter mit, um Jugendliche auf dem Weg in die Berufs- und Arbeitswelt zu unterstützen. An der Herzog-Christoph-Schule bieten sie unter anderem soziales Kompetenztraining an, Präventionsarbeit und Berufsorientierung in Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Waiblingen.

Hartmann Widmaier (MD/AL) zeigte sich erfreut, dass Tobias Brändles Angebot am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium so gut angenommen wird. „Die Entscheidung, dort Schulsozialarbeit einzurichten, war durchaus wichtig und hat sich bewährt“, fand der MD/AL-Stadtrat.