„Welttheater und Zukunftsvisionen“

Kinder der Riebesam-Stiftung Murrhardt zeigen ihre Bilder im Café Klosterhof – Ausstellung läuft bis zum 22. April

46 farbenfrohe, teils zum Schmunzeln anregende, teils auch zeitkritische Bilder von über 30 Kindern zwischen fünf und elf Jahren, in denen sich Fantasie und Realität widerspiegeln und miteinander vermischen, schmücken die Wände im Saal des Cafés am Klosterhof.

Yanneck Metzger hat sich mit dem Thema illegale Müllentsorgung beschäftigt. Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT.„Wir präsentieren einen Querschnitt durch verschiedene Themen, Motive und Techniken von Blei- und Buntstift bis zur Gouache“, erläutert Barbara Schroeder von Buttlar. Die Bildhauerin und Kunstlehrerin der Riebesam-Stiftung ist auch Initiatorin der Ausstellung, die Café-Inhaberin Christina Pirkl als ein „Pilotprojekt mit Kinderkunst in alten Mauern“ bezeichnet. Die Vernissage lockt so viele Besucher an, dass die Sitzplätze nicht ausreichen.

Das gesellschaftskritische Buntstiftbild „Die heutige Zeit“ von Luca Marie Spies zeigt ein junges Mädchen mit Smartphone allein im Zimmer. Es sei aus einer eigenen Idee entstanden und von Erfahrungen im Freundeskreis inspiriert worden, erklärt die Elfjährige. „Etliche Kinder und Jugendliche sind nur noch zu Hause mit ihrem Smartphone beschäftigt“, stellt sie fest. „Stattdessen sollten sie öfter mal raus gehen und gemeinsam mit anderen etwas unternehmen.“

Auch Yanneck Metzger hat ein zeitkritisches Buntstiftbild gemalt, das die illegale Müllentsorgung anprangert. Es zeigt ein feuerrotes Müllfahrzeug, das allerlei möglicherweise auch giftige Abfälle irgendwo auf einer Industrie-Müllhalde abkippt. Die Idee dazu sei ihm gekommen, weil er als Mitglied der Jugendfeuerwehr schon mehrfach bei der Markungsputzete mit angepackt habe, erzählt der Zehnjährige.

Fantasievoll verarbeitet hat David José Pereira die Anregung der Kunstlehrerin, sich mit dem Thema Kochen zu beschäftigten. Sein Pastell zeigt eine Frau am Herd, aus deren Kochtopf furchterregende Monster steigen. Beim Kochen kann es schon mal heftig blubbern und dampfen, was nicht immer ganz ungefährlich ist und vielleicht auch Angst macht. Daraus sei seine Idee entstanden, das Kochgeschehen in Form von Monstern darzustellen, erklärt der Achtjährige.

In ihrem Kunstunterricht gebe sie den Kindern den nötigen Freiraum, „um mit Freude, Fantasie und Kreativität in ihren Bildern ein kleines Welttheater und Zukunftsvisionen zu gestalten“, bringt Barbara Schroeder von Buttlar die Arbeit und deren faszinierende Ergebnisse treffend auf den Punkt. In ausdrucksstarken, dynamisch und ideenreich komponierten Bildern stellen die jungen Kreativen ihre Träume, Emotionen und Gedanken dar. „Die Kinder fühlen sich als schöpferische Individuen, die mit intensiver Gestaltungskraft ihren eigenen Vorstellungen Raum geben“, verdeutlicht von Buttlar. „Kinder brauchen zuerst elementare Kenntnisse, dann können sie kreativ gestalten“, betont die Kunstlehrerin. Dies erläutert sie am Beispiel eines bezaubernden Frauenporträts, das jedoch keine konkrete Person darstellt, sondern das die zehnjährige Madita Kugler quasi als Übung in Gouache-Technik gemalt hat. Bevor ihre Schüler ein (Selbst-)Porträt malen, erkläre sie ihnen, wie die Details des Gesichtes, also Augen, Nase und Mund, aussehen und wo genau sie sich befinden, auch wie der Kopf und die Gesichtsfläche einzuteilen sind, berichtet die Künstlerin.

Für große Heiterkeit sorgt die kurzfristig entstandene Performance „Spanische Fantasie“, die Barbara Schroeder von Buttlar für die Vernissage kreiert und einstudiert hat. Mit sichtlichem Vergnügen, treffender Mimik und Gestik präsentiert Agon Bejic, Gitarrenschüler der Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land, eine raffiniert versteckte Parodie von US-Präsident Donald Trump. Er übersetzt dessen Sprüche, die wenig Substanz haben, ins Musikalische, indem er ein paar spanische Gitarrenklänge klimpert, die er in breitem Schwäbisch als hochkarätigen Musikgenuss ankündigt. Schließlich macht Felicia Pirkl, Tochter der Gastgeberin Christina Pirkl, ihm mit ein paar fetzigen Riffs auf der E-Gitarre klar, dass Rockmusik die bessere Wahl ist.

Die Ausstellung ist bis zum 22. April während den üblichen Öffnungszeiten des Cafés am Klosterhof zu sehen: montags, dienstags, donnerstags, freitags und samstags von 9 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 13 bis 18 Uhr.