Auf Details und Nuancen kommt es an

Zwölf Kapellen und Blasorchester präsentieren überzeugende Darbietungen beim Wertungsspiel in Murrhardt

Ganz im Zeichen der Blasmusik steht das Wochenende in der Walterichstadt. Ensembles von 12 Musikvereinen, darunter 6 aus dem Kreis, beteiligen sich am 15. Wertungsspiel des Blasmusik-Kreisverbands. Alle Kapellen oder Blasorchester haben je ein Pflicht- und ein Selbstwahlstück vorzutragen, die eine hochkarätige Jury fachkundig beurteilt.

Das Blasorchester des Musikvereins Vaihingen/Enz heimst beim Wertungsspiel in der Murrhardter Festhalle das bestmögliche Prädikat „mit hervorragendem Erfolg teilgenommen“ ein. Fotos: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Vorsitzender Rainer Kellmayer ist Musikschulleiter in Denkendorf und Juror bei „Jugend musiziert“, Professor Dr. Bernd Biffar ist im Blasmusikverband Baden-Württemberg verantwortlich für Wertungsspiele, und Berthold Leicht ist erfahrener Dirigent und Wertungsrichter. Zwei Blasorchester meistern mit Bravour besondere Herausforderungen. Der 76 Musiker große Klangkörper des Musikvereins Vaihingen/Enz, den Dominik Koch dirigiert, lässt seine Vorträge von der Jury offen bewerten.

Dazu feilen die Blasorchester-Mitglieder, meist ambitionierte Amateure und einige studierte Musiker, vor dem Wertungsspiel in einer intensiven Probe in der Stadthalle nochmals an schwierig zu spielenden Stellen und Übergängen, exakten Einsätzen und feinen Nuancen, auf die es ankommt. Dirigent Koch stellt sehr hohe Anforderungen an die Musiker und motiviert sie mit einer gut ausbalancierten Mischung aus Kritik und Lob dazu, zur Bestform aufzulaufen.

„Auch das geordnete Auftreten des Orchesters gehört dazu für einen guten Gesamteindruck“, betont er. Voller Engagement und Musizierfreude interpretieren die Musiker „Between the Two Rivers“ von Philip Sparke als Selbstwahlstück. Der Titel bezieht sich auf die holländische Stadt Aals, die zwischen zwei Flüssen liegt und das moderne sinfonische Werk in Auftrag gab. Es umfasst eine prächtige, klangmalerische Eröffnung und vier verschiedenartige Variationen über den berühmten Luther-Choral „Ein‘ feste Burg“ als Thema.

Im Pflichtstück „Evocazioni“ (Aufschreie) von Paul Huber, einer technisch höchst schwierigen, spektakulären und dramatischen Klangfantasie, erzeugen düstere Disharmonien und aggressiv wirkende Geräusche eine unheimliche, bedrohliche Atmosphäre. „Darin werden Dämonen beschworen, Höllenfeuer und Qualen illustriert“, erläutert Klarinettistin Daniela Strauß. In starkem Kontrast dazu stehen einige kurze, ruhige Abschnitte mit kunstvollen Soli und Dialogen zwischen verschiedenen Instrumenten als großen Hörgenüssen.

Die offene Wertung ist ein attraktiver Höhepunkt für zahlreiche Zuhörer. Die Juroren sitzen auf einem Podium mitten im Saal der Festhalle, schreiben die Punktzahlen mit Kreide auf kleine Tafeln und halten diese hoch. Zusätzlich projiziert ein Beamer den digitalen Bewertungsbogen auf eine Leinwand. Iris Striegel, Geschäftsführerin des Kreis-Blasmusikverbands, fügt am Computer die Punktzahlen ein, nimmt die Auswertungen vor und dokumentiert die Ergebnisse.

Jede Darbietung wird in 10 verschiedenen Kriterien bewertet, darunter Intonation, Klangqualität, Rhythmik, Dynamik, Tempo, Interpretation, Stückauswahl im Verhältnis zur Spielfähigkeit sowie Künstlerischer Gesamteindruck. Aufs Publikum machen der mächtige Klangkörper und die mitreißenden Interpretationen großen Eindruck. Unter jubelndem Applaus vergeben die Juroren bei der offenen Wertung abwechselnd die Höchstpunktzahlen 9 und 10. So heimst das Blasorchester des Musikvereins Vaihingen/Enz das bestmögliche Prädikat „mit hervorragendem Erfolg teilgenommen“ ein. Zwar sei nicht alles hundertprozentig perfekt gelungen, doch „die intensive Vorbereitung und das Wertungsspiel hat uns vorangebracht“, findet Strauß. Insgesamt zufrieden zeigt sich auch Dirigent Koch darüber, dass die Musiker die sehr anspruchsvollen Werke so klangschön präsentiert haben.

50-köpfiges Ensemble meistert Aufgabe des Stundenchors

Das über 50-köpfige Ensemble des Musikvereins Ebersbach/Fils meistert unter der Regie von Alexander Gärtner voller Spielfreude die schwierige Aufgabe des Stundenchors: Dabei studieren die Musiker ein unveröffentlichtes Werk innerhalb einer Stunde ein und tragen es anschließend beim Wertungsspiel vor. „Die waren wirklich fit, das hat super geklappt“, freut sich deren Betreuerin, Klarinettistin Nadja Leupert, vom Organisationsteam des gastgebenden Musikvereins Stadtkapelle Murrhardt.

„Früher war der Stundenchor bei Wertungsspielen von Ensembles ab der Oberstufe üblich. Auch wir haben das vor etlichen Jahren mehrmals erfolgreich geschafft, als Gregor Steer noch unser Musikalischer Leiter war“, erinnert sich der langjährige Tenorhornist Rainer Wurst. Laut Stefan Eitel, Vorsitzender des Bereichs Musik der Stadtkapelle, „ist alles perfekt abgelaufen“. Rund 40 Vereinsmitglieder kümmern sich um die Gäste, bewirten sie, packen tatkräftig mit an bei Bestuhlung und Aufbau auf der Bühne und helfen bei kleinen Missgeschicken. So sei beispielsweise einem Musiker die Trompete zu Boden gefallen, worauf Teammitglieder ihm rasch den Raum mit den Ersatzinstrumenten öffneten, erzählt Eitel.

Die Jury zieht eine positive Gesamtbilanz des Wertungsspiels, das Blasmusik-Kreisverband und Musikverein Stadtkapelle sehr gut organisierten. „Das Leistungsspektrum war breit, doch alle Teilnehmer hatten sich gut vorbereitet, traten mit sehr konzentriertem und engagiertem Spiel auf und profitierten davon“, betont Juryvorsitzender Rainer Kellmayer.

Sehr erfreulich sei, dass die ganze Bandbreite der Blasmusik vertreten war: Neben Konzert- auch Traditions- und Unterhaltungsmusik. Guten Zuspruch finden auch die von der Jury angebotenen Dirigenten-Beratungsgespräche: „Wir würdigen alle Darbietungen konstruktiv und geben wichtige Tipps und Anregungen, was die Ensembles noch verbessern können, um so zu deren Weiterentwicklung beizutragen“, so Kellmayer.