Sulzbach-Murrhardt entert Landesliga

Aufstiegsgeschichten: Viermal schrammte die Handball-Männermannschaft am Aufstieg vorbei – Anlauf Nummer fünf erfolgreich

Korken knallen, Bierregen, laute Musik aus den Boxen, ab diesem Moment ist kurz alles egal: Die Männer der HSG Sulzbach-Murrhardt haben das geschafft, worauf sie fünf Jahre lang gehofft haben – den Aufstieg in die Handball-Landesliga. Als Meister der Bezirksliga geht’s jetzt erst mal nach Spanien.

Feierten nach ihrem letzten Heimspiel bis zum nächsten Tag und feiern nun im sonnigen Spanien weiter. Foto: A. Becher

Von Sarah Schwellinger

Viermal hintereinander wollte es nicht klappen, viermal hintereinander landeten die Männer auf Platz zwei und drei. In den Aufstiegsspielen 2016 war der Traum zum Greifen nah, umso härter war der Fall zurück auf den Boden der Tatsachen. Doch nun ist es Zeit für Bierduschen, Jubelschreie, Siegerposen: Tschüss Bezirksliga, die Mannschaften der Landesliga haben mit der HSG Sulzbach-Murrhardt einen neuen Gegner in ihrer Klasse zu begrüßen.

Am 28. April war es dann endlich so weit. Das letzte Heimspiel gegen die Gäste aus Oberstenfeld. Die Führung war schnell auf 7:0-Tore ausgebaut, bis zum Abpfiff änderte sich an der Führung nichts, mit dem 23:18-Sieg war die Meisterschaft sicher. Das Spiel musste die HSG gewinnen, sonst hätte die Spielgemeinschaft nur noch auf eine Niederlage des punktgleichen SV Kornwestheim II hoffen können. Doch die Männer nahmen ihr Glück selbst in die Hand und machten mit einem deutlichen Heimsieg den Sack zu: Meister der Bezirksliga, Landesliga-Aufsteiger lauten die Titel.

Harte Arbeit macht

sich nun bezahlt

„Ich wusste, dass wir das packen“, sagt HSG-Trainer Alexander Belz ein paar Tage nach der entscheidenden Partie, „das habe ich den Spielern aber nicht gezeigt.“ Sie sollten kein Duell zu locker nehmen, schon gar nicht dieses. Seit drei Jahren verteidigen sie ihre Heimspielbilanz mit aller Kraft, bereits seit 35 Heimspielen wurden sie zu Hause nicht mehr geschlagen – ein zusätzlicher Energieschub, wie der Trainer sagt.

Nach vier vergeblichen Anläufen hat es nun im fünften geklappt. Die Männermannschaft der HSG hat bewiesen, dass sie nun so weit sind. Der Weg dahin war nicht einfach, ein Jahr harte Arbeit liegt hinter dem Team. Grundlagen standen auf dem Programm, etliche Abwehr- und Angriffsysteme, Taktiken, Koordination wurde geübt. „Sie haben richtig gut trainiert, die Trainingsbeteiligung war durchgängig sehr hoch.“ Der Trainer findet lobende Worte, dabei bleibt er äußerst kritisch und ehrgeizig: „Trotzdem haben wir acht Punkte abgegeben.“ Das seien schlechtere Zeiten, die es hin und wieder gibt, Fehler, die mal passieren, aber es sei wichtig, aus diesen zu lernen und nicht mehr zu wiederholen. Denn auf dem Feld müssen die Jungs selber klarkommen: „Ich verlange von jedem Spieler Selbstständigkeit.“

Denn Ziel war es, dass jeder verschiedene Abwehr- und Angriffsvarianten beherrscht. Die wiederum müssen sie auf dem Feld selbst umsetzen können.

Mehr als nur die Grundlagen zu üben, bis sie im Schlaf sitzen, ist Belz die Einstellung. Respekt vor dem Gegner, kein Spiel auf die leichte Schulter nehmen, volle Konzentration bis zur letzten Sekunde, Ziele nicht aus den Augen verlieren. Das Ziel war von Anfang an der Aufstieg und der soll es auch für die Zukunft sein: „Mein Ziel ist immer nur der Aufstieg“, mit der jetzigen Mannschaft kann sich Belz den Durchmarsch in die Württembergliga durchaus vorstellen: „Die sind scharf, die haben Blut geleckt.“

Jetzt heißt es erst mal sich in der Landesliga behaupten, vorne mitspielen. Doch dafür sind seine Jungs bereit, ist sich der Trainer sicher. „Die wissen, was sie können.“ Konzentration, Ausdauer und Co. sind da, um sich mit den Landesliga-Mannschaften messen zu können. Doch ein Konkurrent, gegen den es Belz gerne aufgenommen hätte, hat das Feld in die nächst höhere Liga verlassen: Als ehemaliger Spieler des TV Oppenweiler juckt es ihn in den Fingern, gegen den Rivalen aus dem Murrtal anzutreten. „Die müssen wir irgendwie wieder kriegen“, Aufsteigen lautet da die Devise.

Doch das könnte sich schwieriger gestalten, als gedacht, denn die Männermannschaft der HSG Sulzbach-Murrhardt hat zwei Abgänge zu verzeichnen, die prägende Spieler der vergangenen Saison waren. Zum einen verlässt Johannes Hofmann die HSG. Der Torwart muss aus beruflichen Gründen sportlich kürzertreten. Und Philipp Nentwich beendet seine Handballkarriere und will künftig mehr Zeit für seine Familie haben.

Ob sie ein Jahr auf Fabian Weller verzichten müssen, ist noch nicht klar. Diese riesigen Verluste sind selbst für den sonst so ehrgeizigen Trainer ein bisschen Grund zur Sorge, einen Neuzugang kann er jedoch verkünden: Julian Nothdurft vom Bezirksligisten TSF Welzheim. Die Verhandlungen und auch die Suche nach neuen Spielern läuft.

Für die HSG-Männer geht es jetzt erst mal auf Urlaub – unter der Sonne Spaniens feiert es sich gleich noch mal besser. Der Trainer hat für die kommenden vier Wochen nur eine Sache verboten: „Die Spieler haben Ballverbot. Kein Handball, Fußball, Tischtennis oder sonst etwas.“