Einst nur ungern gesehen, heute Alltag

Serie: Zwei Generationen, ein Sport Während sich Elke Anders lange gedulden musste, ist Hannah Götzer von klein auf am Ball

„Mit 22 Jahren habe ich angefangen“, berichtet Elke Anders. „Seit ich 6 bin“, antwortet Hannah Götzer auf die Frage, wann sie mit dem Fußball begonnen hat. Was für die 14-Jährige von der TSG Backnang normal ist, war für Elke Anders in ihrer Jugendzeit nicht möglich. Mädchen kickten in den 70ern und 80ern in der Regel nicht im Verein.

Nicht nur stark im Tischtennis: Elke Anders, die erst spät mit Fußball beginnen durfte, während die junge Hannah Götzer von klein an kickt. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Elke Anders kennen die Sportexperten in der Region vor allem als Tischtennisspielerin. Mit zwölf begann sie als Jugendliche im Heimatort Großaspach und landete über die Station Lippoldsweiler beim SV Burgstall. Mit den Burgstettenerinnen spielte sie gar Zweite Bundesliga und steht heute noch mit fast 50 in der Oberliga an der Platte. Lange Zeit war ihre Schwester Christa ihre Wegbegleiterin. Im Tischtennis – und im Fußball. Denn neben der Punktehatz mit der kleinen Kugel ging die Aspacherin mit der großen regelmäßig auf Torejagd. Erst mit dem TSV Lippoldsweiler in der Verbandsliga, dann beim TSV Ludwigsburg in der Oberliga. Selbst zu Einsätzen in der WFV-Auswahl reichte es bei der Fußball-Spätberufenen. Auch weil sie wohl immer topfit war, standen neben dem zweimaligen Tischtennistraining doch jede Woche auch zwei Trainingseinheiten auf dem Fußballfeld auf dem Plan. Nicht selten eilte Elke Anders an Wochenenden vom Sportplatz direkt in die Turnhalle – oder umgekehrt. „Mit 45 habe ich die Kickstiefel an den Nagel gehängt.“

Davon ist Hannah Götzer weit entfernt. Sie ist mit ihren 14 Jahren gerade erst dabei, mal auszuloten, wie weit sie es bringen kann. Bis in die WFV-Auswahl in ihrem Jahrgang hat es die C-Jugend-Spielerin bereits geschafft. Sie, die interessiert zuhört, als Elke Anders sagt: „Gekickt habe ich von klein auf.“ Halt allerdings immer nur mit Schwester Christa, Bruder Harry und den Jungs aus der Nachbarschaft in den Aspacher Gassen. „Meine Mutter hatte was dagegen“, erklärt sie, weshalb sie nicht in einen Verein durfte. Fußball für Mädchen war vor 30 oder 40 Jahren noch verpönt.

Da hat es Hannah Götzer heute deutlich leichter. Als sie mit sechs Jahren wie ihr Bruder Jonathan kicken wollte, da hatten die Eltern kein Problem damit, das Mädel bei den Bambinis der TSG mitmachen zu lassen. Selbst heute noch spielt sie parallel zu den Einsätzen in den erfolgreichen Mädchenteams in den Etzwiesen auch regelmäßig in einer der C-Jugend-Mannschaften. Widerstände gegen Fußball spielende Mädchen kennt die Tausgymnasiastin nicht. „Ich finde schon gut, welche Möglichkeiten wir heutzutage haben“, gesteht die 14-Jährige, als sie den Worten von Anders lauscht und hört, wie einst selbst in der Oberliga auf Aschenplätzen gekickt wurde.

Doch trotz all der Widrigkeiten hat es Elke Anders nicht nur im Tischtennis, sondern auch mit der Kickerei weit gebracht. Ein Wunder ist das für die Aspacherin nicht: „Wer in einer Sportart mit dem Ball gut umgehen kann, der schafft das auch in anderen“, erzählt sie und sagt: „Wir hatten damals ja eigentlich immer irgendeinen Ball in der Hand.“

Das ist bei Hannah Götzer nicht groß anders. Wobei es bei der jungen Backnangerin in erster Linie der Fußball ist. Zu arg viel mehr bleibt angesichts des Trainings bei der TSG, an Stützpunkten oder bei Lehrgängen des WFV keine große Zeit. Zumal das Talent auch in der Schule zeitlich stark eingespannt ist.

Dass nicht nur ein Schuss Gemütlichkeit und auch Geselligkeit im heutigen Sport auf der Strecke geblieben ist, weiß Elke Anders. Sie hatte einst meist nur Stress, ihre unterschiedlichen Sportinteressen unter einen Hut zu bringen und sagt: „Es war einfach schön, die Kameradschaft, das Zusammensitzen.“ Heute sei halt vieles hektischer, dafür die Zeit fürs Miteinander weniger. Das vielleicht auch, weil es oft einfacher geworden ist, sich seine Wünsche zu erfüllen. Zum Beispiel als junges Mädchen, das den Fußball liebt, im Verein kicken zu können.

  Im Rahmen dieser Serie bittet unsere Zeitung Vertreter verschiedener Generationen aus einer Sportart zum Erfahrungsaustausch darüber, was sich geändert hat und was gleich geblieben ist.