Vom ernsten Leben und heiteren Tun

Eberhard Bohn und Frishta Ibrahimzada bestreiten einen Erzählabend in der Kirchenkirnberger Mühle – Blue Moon macht Musik

Von klugen und nicht so klugen Menschen handelte der Erzählabend mit Mühlenbauer und Mundartdichter Eberhard Bohn in der Glattenzainbachmühle, zu dem die Murrhardter Demokraten/Alternative Liste eingeladen hatten. Zusammen mit Frishta Ibrahimzada aus Afghanistan und der Gruppe Blue Moon bereitete Bohn den Zuhörern einen vergnüglichen und zugleich nachdenklich stimmenden Abend.

Haben ihren Spaß (von rechts): Eberhard Bohn und Frishta Ibrahimzada in gemütlicher Runde mit dem Publikum in der Glattenzainbachmühle in Kirchenkirnberg. Foto: A. Becher

Von Petra Neumann

KIRCHENKIRNBERG. Das gewitterschwangere Wetter bescherte der Kirchenkirnberger Mühle eine verwunschene Stimmung. Ein Hauch des Märchens „Das kalte Herz“ lag über dem Wald und der Glattenzainbach plätscherte aufgeregt vor sich hin. In eine jüngere Vergangenheit, nämlich in die Zeit von Swing und Bossa nova, entführte das Trio Blue Moon mit Jürgen Oehl, Angela Körner und Ralf Mauthe die Anwesenden mit Titeln wie „Blue Moon“, „Sentimental Journey“ und „Paper Moon“.

Dann war Eberhard Bohn an der Reihe. Aus seinem Buch „Lauter Dummheiten“ gab er einige Begebenheiten zum Besten, die er zum Teil selbst erlebt hat, und solche, die ihm zugetragen wurden. Zum Beispiel wie ein knitzer Viehhändler den Bürgermeister samt Gemeinderat nicht nur über den Tisch, sondern auch über den Sportplatz gezogen hat. Er behauptete nämlich, dass er und sein Freund Wilhelm so stark wären, die gesamte Amtsmannschaft zu besiegen. Freund Wilhelm war aber niemand anderes als ein ausgewachsener Ochse und ziemlich stark. Damit nicht genug, war auch das Seil angeritzt worden, sodass es riss und die Honoratioren übereinanderpurzelten. Das End von der Geschicht: Traue keinem Viehhändler nicht.

Auch der Herr Gottseibeiuns spielte eine Rolle bei den Anekdoten. „Der Teufel im Brunnen“ handelt von einem Opa, der seinen Enkel fromm erziehen wollte und viele Geschichten aus der Bibel erzählte. Da begab es sich, dass der Nachbar einen Brunnen grub und natürlich einen Schutzhelm trug. Beim Blick in das Loch und auf den roten Helm, fragte der Enkel, ob das nun der Teufel sei.

Frishta Ibrahimzada aus Afghanistan hatte ganz anderes zu berichten. Sie schilderte die Flucht aus ihrer Heimat. Sie kommt ursprünglich aus Kundus und war dort lange Lehrerin, bevor sie Jura studierte. Noch bevor sie ihr Examen machen konnte, hatten die Taliban im Jahr 2015 die Stadt eingenommen und wurden zur massiven Bedrohung für die Familie. Ein Bruder konnte sich in letzter Sekunde aus den Händen seiner Entführer und damit vor dem sicheren Tod befreien, berichtet sie. Frishta Ibrahimzada selbst entging ebenfalls mit knapper Not einem Anschlag. „Zwei Monate dauerte die Flucht nach Deutschland“, erläuterte sie, und anfangs sei es zu schrecklich gewesen, all dies zu erzählen. Zuerst hätten sie mit den Familienangehörigen in Oberneustetten in beengten Verhältnissen gelebt, seien aber vor Kurzem nach Murrhardt gezogen.

Als Brücke zwischen beiden Welten diente ein afghanisches Mühlenmärchen, das von der Klugheit der Frauen erzählt. Als der Mann mit einem schweren Getreidesack zu Hause eintraf, befahl er seinem Weib, den Inhalt mit der Handmühle fein zu mahlen. Als sich die Frau weigerte, und meinte, er könne den Weizen doch in der Mühle mahlen lassen, ging der Mann zum Kadi und gewann vor Gericht. Doch Fatima war klug. Noch während der Urteilsverkündung lüftete sie kurz ihren Schleier und der Richter war von ihrer Schönheit überwältigt. Flüsternd lud sie ihn zu sich ein. Als der Ehemann fort war, eilte der Richter zu Fatima, doch unvorhergesehen kehrte deren Mann frühzeitig zurück. Schnell steckte Fatima ihren heimlichen Besuch in Frauenkleider und hieß ihn, das Korn zu mahlen. Selbstverständlich hatte sie just an diesem Abend ihrem Mann viel zu erzählen.

Der verschleierte Herr in Frauenkleidern war schließlich ganz erschöpft und froh, als er endlich aus der schmachvollen Situation heil herauskam. Erneut brachte der Mann einen Sack mit Getreide und verklagte sein störrisches Weib ein zweites Mal, aber – oh Wunder – das Urteil lautete jetzt ganz anders, weil der Kadi eingesehen hatte, wie hart die Arbeit mit der Handmühle ist.