Mittagstisch fürs Gymnasium an drei Tagen

Gemeinderat beschließt Ausweitung des Angebots – Diskussion spiegelt die Unsicherheit wider, ob es angenommen wird

Der Wunsch, am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium Murrhardt einen Mittagstisch für die Schüler anzubieten, besteht seit Langem. Zwar liefert das Seniorenhaus Hohenstein an einem Tag ein Essen, nun wird das Angebot aber auf Montag, Dienstag und Donnerstag ausgedehnt, sodass die Schüler zumindest immer dann Mittagessen können, wenn sie Nachmittagsunterricht haben.

Einen Mensaneubau am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium kann die Stadt Murrhardt finanziell nicht stemmen. Nun hat der Gemeinderat aber den Weg für ein Mittagessen an drei Tagen frei gemacht. Das Essen wird im Beddoglötzle ausgegeben. Foto: Fotolia/Africa Studio

Von Christine Schick

MURRHARDT. Sowohl Eltern haben sich eine Ausweitung des Essensangebots gewünscht als auch Schüler, die das Thema bereits beim Jugendforum vor einem Jahr angesprochen hatten. Auf Initiative des Elternbeirats wurde 2009 ein Anfang gemacht und ein damals noch vom Haus Hohenstein gelieferter Mittagstisch an einem Wochentag im Beddoglötzle (Nebengebäude) von den Eltern ausgegeben. Dies ging später in die Hände der Stadtverwaltung über, weil es sich als schwierig erwies, diese ehrenamtliche Tätigkeit aufrechtzuerhalten. „Wir möchten das Angebot jetzt auf insgesamt drei Tage erweitern“, sagte Bürgermeister Armin Mößner in der Gemeinderatssitzung und erläuterte die Rahmenbedingungen.

Das Angebot eines Schulessens

als weicher Standortfaktor

Wie bisher soll das Beddoglötzle, in der auch die Schülermitverantwortung ihre Räume hat, als eine Art kleine Alternativ-Mensa genutzt werden. Zwar besteht für die Gymnasiasten das Angebot, den Mittagstisch im nahe gelegenen Seniorenhaus Hohenstein zu nutzen, was die Schüler aber nicht angenommen haben. Gleichsam hat die Stadtverwaltung mit dem Pflegeheimbetreiber gesprochen. Das Haus hat die Möglichkeit, den nun anvisierten Mittagstisch an drei Tagen samt Ausstattung, sprich Geschirr und Besteck, zu liefern und sich dabei auch um die komplette Logistik zu kümmern, also Ausgabe und Wiedermitnahme des Geschirrs und Bestecks zur Reinigung. Den Montag, Dienstag und Donnerstag auszuwählen, ist der Tatsache geschuldet, dass an diesen drei Tagen Nachmittagsunterricht stattfindet. So soll eine Art Grundversorgung gewährleistet sein.

Später in der Diskussion argumentierte Mößner auch noch mal ganz explizit, dass dies besonders für die Schüler wichtig sei, die von außerhalb kommen und nicht die Möglichkeit haben, zu Hause zu essen, und letztlich auch einen weichen Standortfaktor ähnlich wie eine Kernzeitenbetreuung für die Schule darstelle. Insofern sei das Angebot auch eines, bei dem die Wirtschaftlichkeit kein alleiniges Entscheidungskriterium sein könne.

Unter dem Strich ergeben sich Kosten von 8550 Euro pro Jahr, aktuell liegen die städtischen Personalkosten für die eintägige Essensausgabe bei 3120 Euro pro Jahr. Die Kooperationsvereinbarung mit dem Seniorenhaus Hohenstein soll jährlich kündbar sein und zum kommenden Schuljahr 2018/19 anlaufen.

Die Beratung im Gremium drehte sich vor allem um die Frage, wie und ob das Mittagessen von den Schülern angenommen wird. Martin Stierand (MD/AL) berichtete, dass sich die Nachfrage auch beim aktuellen Angebot nach seinen Erkundigungen teils in Grenzen halte. Es sei schon vorgekommen, dass sich nur rund zehn Personen beim Mittagstisch eingefunden hätten, manchmal sei die Nachfrage aber auch besser. Auch wenn die Fraktion hinter dem Angebot stünde, halte er es für wichtig, die Inanspruchnahme im Blick zu behalten beziehungsweise nach einem halben Jahr zu überprüfen. Dies schätzte er aufgrund der Logistik (Märkchen müssen einen Tag zuvor gekauft werden) als relativ einfach ein. Mit zum Erfolg beitragen könnte, wenn Eltern und Lehrer den Jugendlichen den Mittagstisch im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft machten. Grundsätzlich richtig findet er, dass die Stadtverwaltung auch den „Gleichklang mit anderen Schulen“ im Blick hat, was in der Vorlage herauszulesen sei.

„Es ist eine sinnvolle Sache, den Mittagstisch an den drei Nachmittagsschultagen anzubieten“, sagte Susanne Barreuther (CDU-FWV). Natürlich sei die Frage, wie er angenommen werde. Als positive Rahmenbedingung komme hinzu, dass der Förderverein der Schule das Essen subventioniere. Sie befürwortet, an einer Ausgabe im Beddoglötzle festzuhalten, die langfristig von Elternseite einfach nicht habe gestemmt werden können. „Sie fühlen sich dort auf dem Schulgelände einfach wohl.“ Was die Überprüfung der Annahme anbelangt, stellte sie die Frage, ob solch eine Kontrolle auch in anderen Schulen erfolge.

„Wir stehen dem Vorhaben positiv gegenüber. Wenn allerdings nur zehn Personen das Angebot annehmen würden, wäre der Kostenaufwand doch relativ hoch“, sagte Markus Blank. Letztlich geht der UL-Stadtrat davon aus, dass vor allem die Qualität des Essens darüber entscheidet, ob die Schüler es annehmen oder sich doch wieder eine Pizza oder einen Döner in der Stadt besorgen. Blank bat auch um eine Einschätzung, ob die Räumlichkeiten generell geeignet und entsprechende Voraussetzungen bei der Hygiene gewährleistet seien.

Für Edgar Schäf (SPD) war eine zumindest annähernde Gleichbehandlung der Schulen ein wichtiges Argument für die Umsetzung des Angebots (an der Walterichschule gibt es an fünf, in der Fornsbacher Grundschule an vier Tagen einen Mittagstisch) genauso wie die Situation für die auswärtigen Schüler beispielsweise aus Sulzbach oder Spiegelberg. Da die älteren Jugendlichen zumindest ein Stück weit selbst mitentscheiden, wie ihre Mahlzeiten aussehen, stehe und falle der Erfolg mit dem Essensangebot.

Bürgermeister Mößner machte deutlich, dass nach seinem Wissen die Nachfrage beim Mittagstisch nicht derart niedrig ausfalle, wie Stierand es vernommen habe. Mit der Ausweitung steige zudem die Attraktivität. Natürlich gebe es keinen Zwang, das Angebot anzunehmen, trotzdem sei er vom Bedarf überzeugt. Ebenso die Rahmenbedingungen im Beddoglötzle, in dem an Tischen und einer Eckbank gegessen werden kann, und die entsprechend professionelle Betreuung des Anbieters seien in Ordnung.

Schließlich fiel das Votum denn auch einstimmig aus. So kann der dreitägige Mittagstisch im Herbst starten.