Die Hoffnung ruht auf dem Tourismus

Kirchengemeinderat Harald Pfeiffer besucht Missionsstation der Partnerregion in Ecuador – Trekking- und Vulkantour in Südperu

Im Anschluss an eine Trekking- und Vulkantour in Peru besuchte Kirchengemeinderat Harald Pfeiffer die Missionsstation Manglaralto an der Pazifikküste Südwest-Ecuadors, die die katholische Kirchengemeinde St. Maria seit elf Jahren mit Spenden unterstützt. In einem Vortrag im Gemeindezentrum berichtete er von seiner Reise und seinen Eindrücken.

„Unsere Spenden tragen dazu bei, die Situation der Menschen dort zu verbessern.“ Harald Pfeiffer, Kirchengemeinderat und Tierarzt in Murrhardt

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Die Missionsstation mit der 1989 gegründeten Stiftung Santa Maria del Fiat wächst und entwickelt sich weiter. Sie umfasst unter anderem das Santuario, eine Wallfahrtskirche als spirituelles Zentrum auf einer Klippe direkt über dem Pazifik, eine Finca, also einen großen landwirtschaftlichen Betrieb, sowie ein ambulantes Gesundheits- und ein Schulzentrum. Zahlreiche Projekte, verschiedene Sozialprogramme und Selbsthilfegruppen, wie Krankenpflege und Apotheke, Hausbau, Nahrungsmittelproduktion, Erziehung und Ausbildung, dienen dazu, die meist armen Einwohner der Pfarrei und der Region zu unterstützen.

Harald Pfeiffer zeigte, wie man dort die jüngste Weihnachtsaktion der Kirchengemeinde St. Maria in Form einer selbst konstruierten Überdachung von Treppen umsetzte, die bisher wegen feuchtem Nebel nass und rutschig waren. „Unsere Spenden tragen dazu bei, die Situation der Menschen dort zu verbessern“, betonte Pfeiffer, der auch Kirchengemeinderat der katholischen Kirchengemeinde St. Maria ist. Zurzeit werde ein Jugendzentrum mit Abenteuerspielplatz aufgebaut, und im Schulzentrum erhalten über 1500 Schüler eine Ausbildung, die ihnen einen international anerkannten Abschluss ermöglicht.

Ein großes Zukunftsprojekt ist der Aufbau einer Tourismusinfrastruktur, um ein attraktives Ausflugsziel für Einwohner der nahe gelegenen Großstadt Guayaquil zu gestalten. Zu den Anbauflächen der Finca zählt nun auch eine Kakaoplantage, sodass dort bereits eigene Schokolade hergestellt werden kann. Zurzeit werde eine neue Pflanzung aus Moringabäumen angelegt, um verschiedene Kosmetik- und Gesundheitsartikel zu produzieren.

Seit 27 Jahren arbeitet Krankenschwester Monika Steffel aus Ellwangen auf der Missionsstation, wo sie als Hauptverantwortliche das ambulante Gesundheitszentrum leitet. Momentan ist sie in Deutschland und besuchte Harald Pfeiffers Vortrag. Im Gespräch mit unserer Zeitung skizzierte sie kurz die aktuelle Situation: „Das Gesundheitszentrum dient der medizinischen Versorgung der Bevölkerung der Region.“ Darunter seien Fischer und Bauern, die Nutzpflanzen mit kurzen Wachstumszyklen anbauen, sowie Kleinhandwerker, die jedoch häufig nur Gelegenheitsjobs bekämen. „Darum ist das Einkommen viel zu gering, um die Familien zu ernähren“, sagte Monika Steffel. Zwar würden die Mindestlöhne regelmäßig erhöht, zugleich stiegen aber auch die Preise. Die Folge: „Viele Familien leben in schwierigen sozialen Situationen.“ Zudem beobachtet die Krankenschwester eine besorgniserregende Entwicklung: „Immer mehr Kinder bekommen Diabetes Typ I, doch ist die genaue Ursache noch nicht bekannt.“ Eine wichtige Aufgabe des Teams der Gesundheitsstation sei es nun, die betroffenen Familien bei der Therapie und Diät zu unterstützen. Auch die Zahl der Typ-II-Diabetiker steige, eine Folge der ungesunden, zu fetten und kohlenhydratreichen Ernährung.

Eine Fülle überwältigender und stimmungsvoller Impressionen, darunter auch Panoramaaufnahmen mit einer Drohne, präsentierte Harald Pfeiffer zu seiner privaten Trekking- und Vulkantour in Südperu. „Ich habe mein Herz an das Land, die Leute und die Landschaft verloren, nun wollte ich mal wieder auf die hohen Berge“, erklärte der Tierarzt, der bereits vor drei Jahren eine Bergtour in Ecuador unternahm. Die Abenteuer-Erlebnisreise von Ende April bis Anfang Mai organisierte der Deutsche Alpenverein. „Wir waren eine bunt gemischte Gruppe aus 14 Personen, von jungen Erwachsenen bis zu Senioren, die in wenigen Tagen gut zusammenwuchs“, erzählte Pfeiffer.

Unter Anleitung des peruanischen, perfekt Deutsch sprechenden Bergführers Aldo unternahm das Team zur Vorbereitung und Akklimatisierung zuerst einige Trekkingtouren im Colca-Canyon, der zweittiefsten Schlucht der Erde mit bis zu rund 4000 Metern Höhenunterschied zwischen Talsohle und Berggipfeln. Berghütten oder Zelte dienten zur Übernachtung, jeder bekam reichhaltige Verpflegung und Kokablätter, die als Tee oder zum Kauen dem Körper helfen sollten, sich an die dünne Höhenluft anzupassen.

„Wichtig ist auch, viel zu trinken und langsam zu gehen“, betonte Pfeiffer. Die Trekkingtouren mit etlichen steilen und gefährlichen Abschnitten führten oft über alte, meist schmale Inkapfade und Wege, die teils über Treppen verfügten. Pfeiffers Aufnahmen vermittelten imposante Eindrücke unterschiedlicher Gebirgslandschaften mit kargen Hochebenen und reicher Vegetation in tieferen Regionen sowie einer großen Vielfalt an Blütenpflanzen wie Kakteen und Orchideen. „Fast alle Terrassenfelder, die zum Teil schon vor der Inkazeit angelegt wurden, werden heute noch bewirtschaftet mit Quinoa, Mais, Gemüse und Früchten“, berichtete der Referent.

Ein besonderes Erlebnis war die Passage einer wackligen Brücke über einen großen Wasserfall nahe der Wasserscheide zwischen Pazifik und Atlantik und der Amazonasquelle. Auf einer Tour besichtigte das Team auch eine Ausgrabungsstätte mit Ruinen einer Hochkultur aus der Zeit vor den Inkas. Ein starker Kontrast zur kargen Hochgebirgslandschaft war die Stadt Sangalle, die wie eine tropische Oase wirkte. Zu einer Trekkingtour startete die Gruppe nachts mit Stirnlampen, auf der sie morgens majestätische Kondorvögel mit drei Metern Flügelspannweite beobachten konnten.

Höhepunkt der Reise war die Besteigung von zwei Vulkanen. Der Aufstieg auf den über 5800 Meter hohen, aktiven Vulkan Misti begann noch nachts bei Minustemperaturen. „Das war sehr anstrengend, weil wir wegen des weichen, lockeren Staubes, Sandes und Gerölls nur schwer vorankamen“, erläuterte Pfeiffer. Doch wunderschöne Impressionen der Morgendämmerung und des Sonnenaufgangs über dem atemberaubenden Bergpanorama belohnten die Kletterer für ihre Mühen. Nur kurz blieben sie auf dem felsigen, unwegsamen Gipfel und stiegen schnell wieder ab.

Eine echte Herausforderung war die Besteigung des über 6000 Meter hohen Vulkans Chachani. „Wir starteten nachts frierend bei minus 16 Grad, weil man in dieser Höhe nur langsam gehen kann. Doch als am Morgen der schneebedeckte Gipfel erreicht war, erlebten wir unvergessliche Momente und konnten das überwältigende Gipfelmeer überblicken“, erinnerte sich der Tierarzt, der den Rundumblick mit einem Drohnenvideo dokumentierte.

Bei dieser Tour kamen die Kletterer an ihre Leistungsgrenzen: „Wir waren körperlich fix und fertig“, einige hatten auch gesundheitliche Probleme, doch alle kehrten wieder gut zurück. Zum Abschluss der Reise machte die Gruppe einen Rundgang durch Perus Hauptstadt Lima. Sie besichtigte auch ein privates Museum, das Kunst aus Keramik und Edelmetallen von frühen Hochkulturen vor den Inkas ausstellt.