Spaß, Sport und neue Erfahrungen

Initiative „Vielfalt tut gut“ organisiert Vielfalt-Games bei der Stadthalle – 60 Besucher erleben einen vergnüglichen Tag

Austoben und Spaß haben beim Bubble Soccer oder neue Erfahrungen sammeln beim Rollstuhl-Parcours – an diesen und vielen weiteren Stationen machten sich rund 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene einen vergnüglichen Tag auf dem Sportplatz bei der Murrhardter Stadthalle. Das Aktionsbündnis „Vielfalt tut gut“ hatte dazu eingeladen.

Fußballspiel unter ganz speziellen Bedingungen: Beim Bubble Soccer sind Kopf und Oberkörper der Akteure von luftgefüllten Plastikkammern umgeben. Fotos: J. Fiedler

Von Annette Hohnerlein

MURRHARDT. Von weitem sieht es aus, als ob riesige Seifenblasen über den Sportplatz bei der Murrhardter Stadthalle hüpfen. Bei genauerem Hinschauen stellt man fest: In jeder der sechs riesigen transparenten Kugeln steckt ein Kind. Kopf und Oberkörper sind von luftgefüllten Plastikkammern umgeben, nur die Beine ragen heraus.

Bubble Soccer heißt das witzige Spiel, bei dem Fußball unter ganz speziellen Bedingungen gespielt wird. Die Jungen und Mädchen finden schnell heraus, dass man durch die Kugeln geschützt ist und sich fallen lassen oder auch andere anrempeln und umstoßen kann, ohne dass sich jemand wehtut. Ein Mädchen ruft um Hilfe: Sie liegt in ihrer Kugel kopfüber auf dem Rasen, ihre Beine zappeln himmelwärts. Ein Mitspieler versetzt ihrer Kugel einen kräftigen Stoß, und schon kommt sie wieder auf die Füße.

Ein anderes Ballspiel, ebenfalls mit hohem Spaßfaktor: Kopfball. Dabei stecken vier Spieler ihre Köpfe von unten durch eine Platte und müssen versuchen, einen Tischtennisball in ein Tor zu pusten. Team Josh-Frosch tritt gegen Team Klein-mittel-groß an. „Pusten, pusten, pusten“, feuert Leonie Treml vom Organisationsteam die vier Spieler an.

Zehn Teams und mehrere Einzelspieler, insgesamt rund 60 Teilnehmer, tummeln sich bei strahlend schönem Wetter auf dem Rasen vor der Stadthalle. Zwischendurch ertönt immer wieder ein lauter Knall von der Luftballonstation. Die Aufgabe dort: Zwei Spieler müssen zwischen ihren Körpern einen Luftballon zum Platzen bringen. Das geht nur mit engem Körperkontakt. Die Geschwister Maria und Benedikt stellen sich der Aufgabe mit viel Gelächter.

Ein paar Meter weiter ertönen laute Hau-Ruck-Rufe. Schüler der AG Medienwerkstatt am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium messen ihre Kräfte beim Tauziehen mit den Jungs vom Team AK (Afghanistan-Kurdistan). Ruhiger geht es an der Station von Elke Tigli zu. Hier können die Teilnehmer beim Quiz für Jung und Alt ihr Wissen über Murrhardt oder Harry Potter unter Beweis stellen.

„Vielfalt tut gut“ ist (noch) kein Verein, sondern ein Aktionsbündnis, das sich im Oberen Murr- und Rottal für Vielfalt, Demokratie und ein friedliches Zusammenleben einsetzt. Die Initiatoren sind Jan Sittart und Christian Staita. „Wir haben festgestellt, dass rechtsextreme Umtriebe in und um Murrhardt zunehmen“, berichtet Staita, den alle nur Jannik nennen. Die beiden wollten etwas dagegen unternehmen und wandten sich an Sonja Großhans von der Fachstelle Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention beim Kreisjugendamt. In Zusammenarbeit mit Beate Baur vom Kreisjugendring entstand die Initiative „Vielfalt tut gut“, die die Gemeinden Murrhardt, Sulzbach an der Murr, Spiegelberg, Großerlach, Fichtenberg und Oberrot umfasst. Seit 2017 hat das junge zehnköpfige Kernteam eine ganze Reihe von Aktionen auf die Beine gestellt: Sportveranstaltungen: ein Konzert, ein Kreativ-Wettbewerb, eine Lesung, Filme und Workshops an Schulen.

Da gesellschaftliche Vielfalt auch Menschen mit Behinderung einschließt, sind bei den Vielfalt-Games Stationen aufgebaut, bei denen die Teilnehmer für die Situation von Menschen mit Behinderung sensibilisiert werden. So müssen die Teams einen Parcours mit einem Rollstuhl meistern – gar nicht so einfach, das sperrige Gefährt im Slalom zwischen den rot-weißen Hütchen hindurch zu manövrieren. „Ich hab’s in 40 Sekunden geschafft“, verkündet Azad vom Team FC Auenwald. Oder Dosenwerfen – ein Kinderspiel, wenn man normal sehen kann. Wenn man aber eine Brille aufhat, die das räumliche Sehen ausschaltet oder die das Sichtfeld extrem verengt, dann wird das einfache Spiel zur Herausforderung. Diese Erfahrung machen die elfjährige Jule, ihre kleine Schwester Lia und ihr Vater Daniel.

Mit verbundenen Augen über Bänke, Rampen und Kästen

Wie es sich anfühlt, wenn man gar nichts sieht, erfährt die siebenjährige Surina beim Blindenparcours in der Stadthalle. Sie bekommt die Augen verbunden und muss mit einem Stock ertasten, ob vor ihr ein Hindernis auftaucht und wie dieses beschaffen ist. Nachdem sie, assistiert von einem Mitglied des Organisationsteams, ganz vorsichtig über Bänke, Rampen und Kästen gelaufen ist, nimmt sie die Augenbinde ab und stellt fest: „Das war richtig unheimlich.“

Am Ende des Wettbewerbs bekamen alle Teilnehmer eine Urkunde von Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner überreicht und waren eingeladen, den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen. Das Organisationsteam um Christian Staita und Kevin Perri zeigte sich am Abend rundum zufrieden mit dem Verlauf des Tages.