Mütter schätzen das flexible Angebot

Kinderstube bietet Eltern Betreuungsmöglichkeit an zwei Vormittagen – Kinder sind mittlerweile jünger, was die Arbeit intensiviert

Ein kleiner Junge scheint sich nicht ganz sicher zu sein, ob er so richtig einverstanden damit ist, in der Murrhardter Kinderstube zu bleiben, aber nach einem kurzen Nickerchen ist die Welt wie ausgewechselt. Immer wieder kommen Mütter mit ihren Knirpsen an, und die Räume inklusive Spiellandschaft werden in Beschlag genommen.

Eddi hat sich in der Spiellandschaft zum Bullauge vorgearbeitet und entdeckt Melina (rechts), die ebenfalls gleich Kontakt aufnimmt.

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die neun Monate alte Melina ist schon einige Zeit da, sitzt nun bei Anja Reinhart, um ihre erste kleine Stärkung zu vertilgen – eine Minibanane. Die Erzieherin, die gerade als neue Mitarbeiterin zum Team gestoßen ist, schaut zur Mutter und lächelt. „Ziemlich geschickt“, sagt sie, weil Melina angesichts des handlichen Obsts gut abbeißen kann. Für Sabrina Rösch war klar, dass sie „mit ihrer kleinen Maus“ auch in die Kinderstube kommen würde: „Schon meine beiden Mädels, die heute 12 und 13 Jahre alt sind, waren damals noch im Elsas-Haus, und da haben wir einfach sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Zurzeit kommt sie gegen 8.30 Uhr, um Melina rund eine Stunde in die Obhut des Teams – Anita Hofmann, Claudia Gabler und Anja Reinhart – zu geben. Das Angebot der Kinderstube, die Betreuung an zwei Vormittagen von 8 bis 12 Uhr, lässt es zu, spontan zu entscheiden. „Ich kann dann mal durchschnaufen, vielleicht einen Kaffee trinken gehen“, sagt sie.

Auch Kathrin Bickelhaupt schätzt das flexible, offene Angebot der Kinderstube, deren Träger der Kinderschutzbund Murrhardt ist. Die Mutter wohnt in Oberrot, da sie aber in der Walterichstadt aufgewachsen ist, ist sie öfters hier. „Für Kleinkinder gibt es gar nicht so viele Möglichkeiten“, und so kommt sie mit ihrem zweijährigen Karl gern in die Kinderstube. Ihr Sohn hat dann Gelegenheit, mit Gleichaltrigen zu spielen, sie wiederum nutzt die Zeit meist, um einzukaufen. „Wir können kommen, wann wir wollen“, sagt sie, und dass sie weder beim Aufbruch noch beim Nachhausegehen drängeln muss. Ein echter Vorteil, denn die Mutter hat noch einen weiteren kleinen Mann zu versorgen – ihren wenige Monate alten Theo.

Ähnlich ist die Konstellation bei Tanja Dörrscheidt, die mit Emma (zwei Jahre) und Lea (drei Monate) vorbeischaut. Sie möchte Emma an eine Betreuung im Kindergarten gewöhnen. Da ist es hilfreich, dass auch in der Kinderstube eine Grundstruktur mit freiem Spiel, Basteln, Essen und gemeinsamem Singen dazugehört. „Wir kommen, wenn es passt, jetzt nach den Sommerferien sind wir wieder eingestiegen. Emma fühlt sich wohl hier.“ Während ihre ältere Tochter sich am Basteltisch bei Claudia Gabler ans erste Malprojekt des Tages macht, kann Lea in ihrem Liegestuhl ein bisschen dösen. „Ich finde es gut, dass es auch kleine Ruhezonen gibt“, stellt die Mutter fest.

Während sich Emma an ihr erstes Malprojekt macht, ruht sich ihr jüngeres Schwesterchen aus

„Du bist aber sehr fleißig, Sebastian“, sagt Claudia Gabler zu ihrem Schützling, der am Maltisch konzentriert mit Rasierpinsel und Farbtöpfchen arbeitet. Dort können die Kinder beispielsweise Igeln oder Bäumen aus Papier ein farbiges Kleid verpassen. Claudia Gabler ist genauso wie Anja Reinhart durch ihre eigenen Kinder in Kontakt mit der Kinderstube gekommen. Nun gehört sie seit rund vier Jahren zum Team. Die Arbeit hat sich insofern verändert, dass die zu betreuenden Kinder heute jünger sind, erzählt Claudia Gabler. Sibylle Strobel, Vorsitzende des Kinderschutzbunds Murrhardt, erläutert, dass die kleinen Gäste mittlerweile einfach früher, in der Regel mit zwei Jahren, in den Kindergarten kommen, und die Kinderstube deshalb meist nicht mehr bis zum dritten Lebensjahr besuchen, wie noch vor einigen Jahren. Das hat ganz konkrete Auswirkungen. „Ab einem gewissen Alter können die Kinder beispielsweise ein Puzzle alleine machen, aber wenn sie so jung sind, muss man sie einfach mehr anleiten“, sagt Claudia Gabler. Auch beim Basteln sind bestimmte Dinge, wie mit Scheren umgehen, um etwas auszuschneiden, noch nicht möglich. Und bei Einjährigen oder jüngeren Kindern bedeutet das für die Betreuerinnen, immer dabei zu sein.

Entlastend sei dann, wenn die Mütter anfangs und später wieder mit von der Partie sind. Wie lange die Kinder allein sein können, ist nach Beobachtung von Claudia Gabler ganz unterschiedlich. „Wenn ein Kind die Mama vermisst und weint, kann die Stimmung schon mal kippen“, und es heißt, das Stimmungsruder auch bei den anderen Kindern wieder herumzureißen. Dann ist es vermutlich ziemlich gut, eine so positive Grundhaltung wie Anita Hofmann mitzubringen, die schon seit 1996 in der Kinderstube arbeitet. Für sie sind Kinder ein „einzigartiges Wunderwerk, einfach liebenswert, mit all ihren Stärken und Schwächen“.

Sibylle Strobel ergänzt, dass die Knirpse ja in der Regel noch nicht sagen können, wenn etwas nicht stimmt oder sie etwas brauchen. „Die Mutter kann das dann noch am ehesten einordnen.“ Gleichzeitig geht es darum, Mütter beziehungsweise Eltern zu entlasten, damit sie beispielsweise einen Termin wahrnehmen können, sei es ein Arztbesuch oder Behördengang, und die Möglichkeit haben, sich mit den Mitarbeiterinnen und anderen Eltern auszutauschen. „Das ist wichtig, wenn man auf kein familiäres Netzwerk zurückgreifen kann, beispielsweise frisch hergezogen ist“, sagt die Vorsitzende des Kinderschutzbundes. Auch die Kinderstube selbst hat ihren Standort gewechselt, ist vergangenes Jahr vom Kindergarten Elsas-Haus ins oberste Stockwerk der Stadthalle, in die ehemalige, unbewohnte Hausmeisterwohnung, umgezogen, da die Stadt die früheren Räume für eine zusätzliche Kindergartengruppe benötigte. Ganz leicht sei der Abschied nicht gefallen, auch der schnell zu bewältigende Umzug sei nicht ohne gewesen, trotzdem sieht Sibylle Strobel in der jetzigen Heimat auch Vorteile wie zentrale Lage, Parkmöglichkeiten und dass die Stadthalle so gut wie jeder kennt.

Jetzt ist es gar nicht mehr so lange, bis der Kinderschutzbund und das Team eine Extra-Bastelsession einlegen werden. Ausnahmsweise für Erwachsene oder zumindest für die ganze Familie: Ende November heißt es, gemeinsam Adventskränze zu binden, die beim Weihnachtsmarkt des Hausfrauenbundes verkauft werden. Der Erlös ist ein wichtiges Zubrot für die Kinderstube, die neben diesem über Mitglieds- und Tagesbeiträge, Spenden und die Vereinsförderung der Stadt Murrhardt finanziert wird.