Auf Lechner folgt Sbonias

Backnangs Fußball-Oberligist drückt aufs Tempo und verpflichtet Coach mit Drittliga-Erfahrung

Das ging schnell. Bereits gestern Abend präsentierte Fußball-Oberligist TSG Backnang einen neuen Trainer. Der ist in der Region nicht völlig unbekannt. Mit Evangelos Sbonias soll der frühere Co-Trainer des Drittligisten SG Sonnenhof mit dem Drittletzten das schaffen, was seinem Vorgänger Andreas Lechner nicht mehr zugetraut wurde: Der Klassenverbleib.

Gibt ab sofort beim Oberliga-Kellerkind den Takt vor: Evangelos Sbonias, zuvor als Co-Trainer von Oliver Zapel bei zwei Drittligisten tätig. Foto: Imago

Von Uwe Flegel

Auf dem Platz schlug die Etzwiesenelf zuletzt ein eher gemächliches Tempo an. Abseits des Spielfelds bewiesen die Roten nun, dass sie anders können. Gerade mal zwei Tage nach der Trennung von Andreas Lechner hat das Oberliga-Kellerkind schon einen Nachfolger. „Ich habe Sonntagnacht mit Evangelos Sbonias telefoniert, dann haben wir uns am Montagabend und am Dienstagmorgen getroffen und alles klargemacht“, erklärt Vorstandsmitglied Marc Erdmann den raschen Vollzug. Der wurde allerdings auch begünstigt, weil der Name Sbonias schon vor der Saison bei der TSG fiel. Damals hatte sich der Klub aber bereits für Andreas Lechner entschieden.

Als Lechner nach dem 0:2 im Kellerduell bei Friedrichstal gehen musste, erinnerte sich Erdmann sofort daran, dass ihm Evangelos Sbonias im Sommer von mehreren Seiten empfohlen worden war. Zudem hatte der 36-jährige A-Lizenz-Inhaber den Backnangern in seinen sechs Jahren als Landesliga-Trainer mit dem FV Löchgau oft genug Probleme bereitet. Und der feierte mit dem FVL den Aufstieg in die Verbandsliga, ehe er sich verabschiedete und eine Saison lang als Co-Trainer von Oliver Zapel beim Drittligisten aus Aspach arbeitete. Als Zapel ging, sagte auch Sbonias Servus, obwohl ihn der Verein aus dem Fautenhau gerne als Co-Trainer gehalten hätte. Unter Zapel war Sbonias danach zweiter Mann bei der Bundesliga-Reserve von Werder Bremen. Mit seinem Chef musste er dort im Februar gehen, war seitdem ohne Verein und freut sich, dass die neun Monate ohne Tätigkeit im Fußball nun vorbei sind: „Es hat in mir gekribbelt und gebrannt.“

Gestern Abend stand er in den Etzwiesen endlich wieder als Trainer auf dem Platz. Mit dabei das Wissen, dass er beim Drittletzten angesichts von acht Zählern Rückstand auf Nichtabstiegsplatz 14 (SV Linx, 16 Punkte) ein schweres Amt übernommen hat: „Das wird ein Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag. Alles andere wäre Augenwischerei.“ Wo der neue Mann auf der Kommandobrücke der TSG nach acht sieglosen Spielen in Folge ansetzt? „Nach einer solchen Abwärtsspirale geht es zunächst nur darum, den Kopf der Spieler freizubekommen und den Spaß am Fußball zurückzubringen.“

Wer Sbonias kennt, der weiß, dass der Bietigheimer kein Mann für ein Himmelfahrtskommando und bestens informiert ist, was ihn im Murrtal erwartet. Das unterstrich er in den Gesprächen: „Er war sehr gut vorbereitet. Sowohl was uns anbelangt als auch den kommenden Gegner Freiberg“, erzählt Erdmann. Ein Beweis dafür, dass bei der TSG seit dem Aus für Lechner nicht nur Vorstandsmitglieder wenig geschlafen haben. Sbonias erzählt: „Es gehört zu meinem Selbstverständnis, dass ich eine sehr kurze Nacht hatte, da ich mich nach dem Anruf am Sonntag intensiv mit der TSG beschäftigt habe.“

Wie erwähnt: Der 36-Jährige hat sich unter anderem in Aspach einen Namen als akribischer Arbeiter und Trainer gemacht. Das bedeutet fürs Heimspiel am Samstag gegen den Tabellendritten Freiberg? „Ich habe eine Idee, wie wir die Partie angehen, aber ich muss im Training erst mal schauen.“ Unterstützt wird Sbonias dabei vom bisherigen Assistenzteam um Isaak Avramidis und Darko Milosevic, der die Übungseinheiten am Montag geleitet hatte und nun wieder ins zweite Glied rückt. Neu dazu kommt Salvatore Rivarolo, der Sbonias schon in Löchgau assistierte.