Finanzen stabil, Mitgliederzahlen rückläufig

Herbstsynode des evangelischen Kirchenbezirks Backnang tagte – Andrea Schreiber aus Murrhardt als neue Kirchenbezirksrechnerin gewählt

Von Hans-Christoph Werner

BACKNANG. Sie war noch nicht gewählt und doch waltete sie schon ihres Amtes: Die neue Kirchenbezirksrechnerin Andrea Schreiber (40). Traditionell ist dieses Amt mit dem der Kirchenpflege für die Gesamtkirchengemeinde Backnang verbunden. Und in dieses Amt war sie bereits vor Wochen gewählt worden. Wie bei einer Herbstsynode üblich, ging es bei den Beratungen viel um Finanzfragen. Der Rechnungsabschluss 2017 war zu beschließen wie der Haushaltsplan für das kommende Jahr. Schreiber zeigte sich gut eingearbeitet. Mit überwältigender Mehrheit wurde sie gewählt und im Gottesdienst im Anschluss an die Synodalsitzung in ihr Amt eingesetzt.

Die neue Kirchenpflegerin ist die Nachfolgerin von Waldemar Schulz. Dieser wurde nach nur drei Jahren in Backnang nach Ravensburg berufen. Dekan Wilfried Braun dankte ihm herzlich für seinen Dienst und überreichte ihm, anspielend auf sein Hobby, einen Fußball samt Bundesliga-Bildband.

Überhaupt ging es bei der Herbstsynode und im anschließenden Gottesdienst um neues Personal: Drei Ausbildungsvikare sind seit 1. Oktober im Kirchenbezirk und üben sich in den ersten Schritten kirchlicher Praxis. Benedikt Jetter, Christian Schmidt und Jonathan Wahl stellten sich vor. Sie werden in den Kirchengemeinden Großaspach, Fornsbach und Kirchenkirnberg sowie Großerlach/Grab tätig sein. Und last but not least wurden vier Prädikanten, sogenannte Laienprediger, erneut für sechs Jahre mit dem Verkündigungsamt betraut: Karl-Heinz Buth, Walter Fehr, Roger Schreiter und Rolf Klein. Nach entsprechender Ausbildung sind Prädikanten dazu befugt, mit den Gemeinden Gottesdienste zu feiern.

Wider Erwarten gab es bei einer weiteren Entscheidung der Herbstsynode keine kontroversen Diskussionen. Die allen Synodalmitgliedern zugesandten Sitzungsunterlagen zeigten die Angelegenheit „Akzente-Gemeinde Sulzbach“ an. Die in den 90er-Jahren durch ein neues Gottesdienstmodell entstandene Gemeindegruppe hatte sich in Sulzbach zu einer eigenen Größe entwickelt. Fortan sorgte das Mit- oder Nebeneinander zur Kirchengemeinde für reichlich Gesprächsstoff. Nach mehreren Anläufen, die rechtliche und die faktische Situation wieder in Einklang zu bringen, sei diese Chance laut Dekan Wilfried Braun nun zum Greifen nahe, nachdem inzwischen von der Landeskirche die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen worden seien, neben den traditionellen parochialen Gemeinden auch personale Gemeinden zu ermöglichen, in denen die Mitgliedschaft nicht vom Wohnsitz abhängig ist, sondern durch persönliche Anmeldung erworben werden kann. Die „Akzente-Gemeinde Sulzbach“ unter ihrem Leiter Dr. Willi Beck wird vom 1. Januar 2019 an Personal-Gemeinde und wird dem Kirchenbezirk unterstehen. Die Lösung der heiklen Angelegenheit in dieser Form war vom Oberkirchenrat gutgeheißen worden. Auch die Beratungen des der Synode vorgeschalteten Gremiums (Kirchenbezirksausschusses) hatten offenbar dafür gesorgt, dass die strittigen Punkte aus dem Weg geräumt werden konnten. Und im Übrigen ist das Experiment Personal-Gemeinde zunächst auf fünf Jahre begrenzt. Diese werden zeigen, ob die Lösung tragfähig ist.

Bedingt durch die gute Wirtschaftslage sprudeln die Kirchensteuereinnahmen. Ein in mageren Jahren festgelegter Kürzungsbetrag wurde abermals ausgesetzt. Die gute finanzielle Ausstattung des Kirchenbezirks führte allerdings, mit Ausnahme des Jugend- und Ausbildungsbereichs, nicht zu größeren Ausgabensteigerungen. Bei Kirchen bleibt man schwäbisch vorsichtig. Ganz entgegen der Finanzkraft nimmt die Zahl der Gemeindeglieder kontinuierlich ab. Jedes Jahr, so verdeutlichte Verwaltungsstellenleiter Fritz Ruff, geht dem Kirchenbezirk eine Mitgliederzahl in der Größenordnung der Kirchengemeinde Rietenau verloren. Längst ist man im Kirchenbezirk dabei, Gemeindestrukturen, beispielsweise durch deutlichere Profilierung und verstärkte Zusammenarbeit bis hin zu Fusionen, an die sich verändernde Situation anzupassen. Dass die Synode als halbjährliches Treffen der Delegierten aus allen Bezirksgemeinden aber nicht nur organisatorischen Weichenstellungen und dem gegenseitigen Austausch, sondern auch der Stärkung der gemeinsamen Hoffnung dient, wurde im Abschlussgottesdienst deutlich. Pfarrer Jörg Hapke von der gastgebenden Gemeinde Waldrems-Heiningen-Maubach stellte seinen Predigtimpuls unter das Bibelwort aus Psalm 31: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“