Sie haben den Dreh raus

Fornsbacher Firma Holp ist Spezialist für Baggertuning – Unternehmen wird mit Technologieführerprogramm des Landes gefördert

Die Ursprünge, um nicht zu sagen Wurzeln der Firma Holp liegen im Wegebau. Diese Dienstleistung benötigt Bagger als klassische Helfer und so entstand die Spezialisierung, die das Unternehmen heute zum Fachmann für Baggerwerkzeuge und für eine sensible, entscheidende Stelle macht – die Erweiterung des Gelenks, das Baggerarm und Werkzeug wie Greifer, Fräse oder Schaufel verbindet.

Bei einem Gang durch die Werkstatt zeigt Geschäftsführer Günter Holp, wie ihr Spezialprodukt entsteht und was die Überlegungen bei Konstruktion und Entwicklung waren. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. „Wir selbst sprechen von Baggertuning“, sagt Geschäftsführer Günter Holp mit einem Lächeln. Auf Messen hat er immer wieder festgestellt, dass besagter Drehantrieb zwischen Baggerarm und -werkzeug gar nicht so leicht zu erklären ist. Das Maskottchen der Firma versucht, Abhilfe zu schaffen: Ein Bagger zeigt als Greifer eine flott rotierende Hand und das in der Firmenfarbe Aubergine gehaltene, erweiterte Gelenk. Es ist keine originäre Erfindung, stellt aber eine eigene Entwicklung und Anpassung für den deutschen Markt dar. „Wir sind die kleinste Firma der Welt, die so etwas herstellt“, sagt Günter Holp. Die Konkurrenz sei 10- bis 20-mal so groß, und, um auf dem Markt bestehen zu können, müsse man nun auch weiterwachsen.

Darin unterstützt das Land das Unternehmen. Holp ist neben sieben weiteren Firmen im Förderprogramm „Spitze auf dem Land! Technologieführer für Baden-Württemberg“, das aktuell drei Millionen Euro für innovative Unternehmen im ländlichen Raum bereithält.

Bei einem Gang durch die Werkstatt zeigt der Chef, wie das Kernprodukt – der Rototop – aufgebaut ist. Der besondere Kniff ist der Umgang mit den dort wirkenden Kräften, die beim Baggern logischerweise keine kleine Hausnummer sind. „Sie werden nicht über das Gehäuse, sondern über die Schraubverbindungen geleitet“, erklärt der Geschäftsführer. Würde das Gehäuse dieser ständigen Belastung ausgesetzt und kaputt gehen, wäre eine Reparatur unwirtschaftlich, so sei es aber möglich, dies mit dem Austausch einiger Schrauben zu beheben. Das wiederum garantiert ein langlebiges Produkt, so Günter Holp. Die Entwicklung hat ihre Zeit gedauert, dabei wollte sich die Firma die dafür notwendige Zeit lassen. „In zehn Jahren haben wir jetzt sieben Getriebegrößen entwickelt“, sagt Holp, der sein Vorgehen als konservativ beschreibt. „Wir haben auch viele Testreihen gemacht.“

Selbst Anwender – von den 22 Mitarbeitern sind noch drei im Wegebau tätig –, legt die Firma Wert auf eine robuste Bauweise und Qualität im Sinne von Verlässlichkeit. Die Entwicklung dieses Produkts wurde letztlich angestoßen, weil die Firma mit einem Hersteller in Schweden in Bezug auf die gewünschte Anpassung an den deutschen Markt keine Einigung erzielte und Günter Holp die Sache selbst in die Hand nehmen wollte. „Die Produktentwicklungsgeschichte unterscheidet sich in den Ländern einfach auch“, erklärt er. Mittlerweile ist die Holp GmbH mit ihrem Rototop sehr gut aufgestellt.

Der 53-Jährige lässt aber auch durchblicken, dass der Weg dahin steinig und mutig war. Bei seiner ersten Patentierung – dem Variolöffel (Baggerwerkzeug) – war ihm das Risiko noch nicht wirklich bewusst. „Nur etwa vier Prozent sind mit ihrem Patent wirtschaftlich erfolgreich, rund die Hälfte verliert Haus und Hof“, sagt er. Auch für ihn habe es schwierige Phasen gegeben. Doch heute ist die Firma beim achten Patent angelangt.

Dabei war der berufliche Weg dorthin noch nicht mal vorgezeichnet. Holp ist gelernter Maurer, hat später zum Elektrotechniker umgeschult und Röntgentechniker draufgesattelt. Aber als er im Betrieb seines Vaters einsprang, was nur zur Aushilfe geplant war, ist er (hängen-)geblieben und seit 1996 Geschäftsführer.

Wenn er vor der technischen Lösung eines Problems oder einer Hürde steht, heißt es für ihn, die Nuss zu knacken, erklärt er, auch durch Ausprobieren. „Versuch macht klug“ hieße es nicht zu Unrecht. Nicht in den ausgetretenen Pfaden zu denken, ist auf dem Gebiet von innovativen Entwicklungen nicht von Nachteil. Neugier, Experimentierfreudigkeit und Offenheit hat bei ihm auch privat eine wichtige Rolle gespielt – Günter Holp war früher immer viel mit dem Rucksack auf Reisen, vor allem in Südamerika und Australien.

Neugier, Offenheit und Experimentierfreudigkeit

Das nun anstehende Projekt ist die Erweiterung des Betriebes, da das Unternehmen kontinuierlich wächst (rund 25 Prozent im Jahr) und es Ziel ist, die Produktion des Kernprodukts (Drehantrieb) von 500 auf 2500 Einheiten pro Jahr zu erhöhen. Zum einen, um auf dem Weltmarkt zu bestehen, zum anderen, um im Betrieb auch künftig zeitgemäß und räumlich unbeengt arbeiten zu können. Geplant ist der Bau einer großen Halle am Ende der Straße, in der der Firmensitz liegt. Das bedeutet eine Investition von 2,5 bis 3 Millionen Euro, wobei bis zu 20 Prozent der Kosten durch besagtes Technologieführerprogramm gefördert werden können. Er freut sich, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat ihn in dem Vorhaben unterstützen.

Das alles ist kein Selbstzweck, sondern dahinter steht der Wunsch, für das Team und sich selbst das zu erhalten, was den Job attraktiv macht – eine interessante Tätigkeit. „Das heißt aber auch, dass man viel schaffa muss“, sagt Günter Holp. Wenn zwischendurch wieder eine Idee auftaucht, wandert die erst mal in einen ganz bestimmten Ordner, damit er das schwäbische Tüfteln nicht aus dem Blick verliert, denn es kostet Zeit.

Die Firma arbeitet seit mehreren Jahren mit dem Kölner Labor für Baumaschinen (KLB) der Technischen Hochschule Köln zusammen – aktuell an einem Projekt rund um eine Siebeinrichtung für den Erdbau und Baggereinsatz. Auch eine Kooperation mit dem Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT, (Technische Universität des Landes Baden-Württemberg und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft) steht auf dem Plan. „Zu all dem braucht es ein gutes Team“, sagt der Chef und ist überzeugt, „bei uns macht es Spaß, zu arbeiten“. Die Zutaten erinnern dabei auch an Punkte, die für kreative Prozesse eine Rolle spielen: Offenheit auch anderen Disziplinen gegenüber, Humor und ein Stück Selbstironie sowie kleine Freiräume und Begegnungsmöglichkeiten wie ein gemeinsamer Mittags- und Vespertisch.

Letztlich schlägt sich das auch im Image nieder. Holp hat nicht zuletzt durch eine unkonventionelle Gestaltung von Stellenausschreibungen (auf Schwäbisch) von sich reden gemacht und hält auch mal ein ungewöhnliches T-Shirt bereit – ob für Mitarbeiter, Baggerfahrer oder Besucher –, das die humorvolle Haltung in Mundart transportiert. Auf einem Shirt steht beispielsweise in großen Lettern „Arbeitswütiger Schofseggel“.

  Weitere Infos: www.holp.eu.