Klassik-Kleinode zwei- und vierhändig gespielt

Mit stimmungsvoller Advents-Klavier-Matinee verabschiedet sich Heidrun Brauer in der Walterichstadt vom Konzertpodium

Heidrun Brauer mit ihrem Klavierlehrer Miklós Vajna. Foto: E. Klaper

MURRHARDT (eke). Mit einem attraktiven Klaviermusikprogramm, das festliche, winterlich-weihnachtliche Kompositionen aus Barock, Klassik und Romantik umfasst, begeistert Heidrun Brauer bei ihrem letzten Konzertauftritt zum krönenden Abschluss ihres 80. Geburtstags nochmals eine große Zuhörerschar.

Mit ihrem Beispiel habe sie fünf Personen dazu motivieren können, wieder ernsthaft selbst zu musizieren, erzählt Brauer. In reizvollem Wechsel spielt die musikalisch auch weiterhin aktive Murrhardterin solistisch und gemeinsam mit ihrem Klavierlehrer, dem Backnanger Pianisten Miklós Vajna, an einem und zwei Klavieren im Heinrich-von-Zügel-Saal. Dabei zieht sie nochmals alle Register ihres Klavierspielkönnens, und das Publikum hört, wie viel Freude ihr das Musizieren bereitet. Feinsinnig gestaltet sie melodisch reiche skandinavische Melodiebögen und erwartungsfrohe Feststimmung in zwei weihnachtlichen Charakterstücken des Dänen Nils Wilhelm Gade, einem Freund von Felix Mendelssohn.

Besinnlich erklingen die „Weihnachtsglocken“, dagegen illustriert „Weihnachtsbaum“ ein familiäres Tanzvergnügen. Mit Bravour meistert Brauer die graziösen, teils schwierig zu spielenden zwölf Variationen von Wolfgang Amadeus Mozart über das französische Kinderlied „Ah, vous dirais-je, Maman“. Dessen Melodie wird in Deutschland etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts zum Text „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ von Hoffmann von Fallersleben gesungen. Klangschön bringt sie auch die „Troikafahrt“ aus Peter Iljitsch Tschaikowskis „Jahreszeiten“ zum Ausdruck, die für den Monat November steht und eine idyllische Schlittenfahrt durch den Winterwald beschreibt. Den Rahmen des Programms bilden zwei Bearbeitungen berühmter Werke für zwei Klaviere. Antonio Vivaldis „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ besteht aus drei atmosphärisch-klangmalerischen Sätzen.

Der erste schildert in düster-unheimlichen Figurationen einen eiskalten Wintersturm, der zweite gemütlich warmes Kaminfeuer mit harmonischer Melodik, während der dritte in dramatischen Klangstrukturen erzählt, wie ein Eisläufer einbricht und scharfe Winde alles verwehen. Besondere Hörgenüsse sind ausgewählte Melodien aus Tschaikowskis Suite „Der Nussknacker“. Darin träumt ein Kind, wie die Spielsachen lebendig werden, die unterm Christbaum lagen. In harmonischem Zusammenwirken bringen die beiden Interpreten den großen Klangfacettenreichtum der tänzerischen Tonschöpfungen zum Ausdruck. „Es war mein besonderer Wunsch, vierhändig zu spielen, wie früher mit meiner Schwester“, bekannte Heidrun Brauer. Eines der ersten Werke, die sie mit Miklós Vajna vierhändig präsentierte, waren Moritz Moszkowskis „Spanische Tänze“. Als Erinnerung tragen beide nochmals drei dieser anmutig beschwingten Stücke mit temperamentvoller südländischer Melodik vor: Da hört das Publikum, wie viel Spaß beiden das vierhändige Spiel macht. Mit jubelndem Beifall dankt es Heidrun Brauer für ihr bewundernswertes musikalisches Engagement, Miklós Vajnas fachkundig-tatkräftige Unterstützung und das wunderschöne vorweihnachtliche Hörerlebnis, das bekannte Weihnachtslieder zum Mitsingen abrunden.