Kulturleben in der Stadt mitgestaltet

Die Gruppe Theatelier fabula et cetera feiert ihr 25-jähriges Bestehen – Rückblick auf die Anfänge

Auf ein Vierteljahrhundert Theatergeschichte kann das Theatelier fabula et cetera nun zurückschauen. Aus diesem Anlass wurde im Wilhelm-Seibold-Saal im Grabenschulhaus ein kleiner Rückblick gehalten. Passend zu diesem Jubiläum wurde auch eine Broschüre verteilt, die auf die Ursprünge des Murrhardter Laientheaters verweist.

Das Theatelier fabula et cetera hier bei einer Aufführung im Jahr 2009: Die Talfahrt von Arthur Miller. Die Szene zeigt Lyman Felt (Detlef Neumann) mit seinen beiden Frauen. Archivfoto: J. Fiedler

Von Petra Neumann

MURRHARDT. Eine Diaschau gerät zur optischen Verjüngungskur und gleicht einem nostalgischen Blick in Zeiten der griechischen Götter und eines verkrachten Gottes, der auf eine Theatererde blickt, auf der gemordet, gelogen, gehasst und geliebt wird, sich kurzum in Laptopformat die comédie humaine abspielt, natürlich ins rechte Licht gesetzt von der Technik des Theaters.

Schnell füllte sich der Saal und Detlef Neumann, der Leiter des Zimmertheaters, freute sich, dass besonders die Schauspieler der ersten Stunde mit ihrer Anwesenheit glänzten. „Wenn man auf 25 Jahre zurückblickt, ist das schon eine stolze Zahl mit Höhen und Dellen statt Tiefen. So wie wir vom Murrhardter Publikum angenommen wurden, kann man sagen, dass wir in dieser Zeit das kulturelle Leben hier im Städtle mitgestaltet haben“, begrüßte ein sichtlich stolzer Detlef Neumann seine Gäste.

Natürlich wurden unzählige Erinnerungen wach. In „Lysistrata“ gab es gleich die erste größere Panne: Ein Zuschauer zog versehentlich das Tonkabel raus, sodass die Aufzeichnung zum Stummfilm verkümmerte. Allerdings wurde eine heiße Bettszene live von den damaligen Schauspielern Sven Kollak und Gisela Angelbauer zusammen mit Detlef Neumann synchronisiert, sehr zum Amüsement des Publikums, das schallend lachte. Ganz zu Anfang trat man noch in der Stadthalle und Festhalle auf. Damals habe man sich noch tolle Kostüme und Perücken vom Staatstheater für das Stück „Die Unbeständigkeit des Herzens“ ausgeliehen, erinnert sich Sven Kollak. Ausschnitte der Aufführung von Rokokoirrungen und Verwirrungen bezeugten sowohl das exzellente Bühnenbild wie auch das hohe Niveau der Darstellung. Für Ingeborg Beigelbeck war die Rolle des Prinzen der Einstieg ins Theater und gleich die schwierigste Herausforderung, da sie einen Mann darstellen musste.

Knut Landsgesell, der treuen Fangemeinde sowohl als Gott wie auch als Judas bekannt, hatte eine Laudatio in Gedichtform für denjenigen vorbereitet, „der mit Engagement und Herzeblut das Theater führt“, in der er betont, dass das „Adrenalin im (Blut-)Spiegel der Mimen Glanz und Gütesiegel“ sei. Alle Schauspieler, die an den zwei Gesprächsrunden teilnahmen, betonten, wie nervös sie bei den ersten Aufführungen waren. Sven Kollak erzählte, dass die Rüschen an seinen Culotten die ganze Zeit einen Zittertanz geraschelt hätten und der Degen, den er auf einem Kissen zu tragen hatte, extra angenäht werden musste, um nicht auf den Boden zu fallen: „Aber dann hat es mich gepackt, als ich gemerkt hatte, dass ich eine Rolle spiele und mein Ich gänzlich egal ist.“ Nicht jeder kam total freiwillig zum Ensemble, wie Oliver Wahl, den ein Kollege mal zum Schnuppern der Theaterluft animiert hatte. Detlef Neumann hatte ihn gesehen und um ihn geworben. Der Jungmime bekam gleich eine kleine, aber schwierige Rolle, nämlich die eines Russen, der in der Sauna betrunken wird. „Das war eine richtige Herausforderung an mich“, bekannte das einstige Mitglied. Andere wie Jana Bernet und Franziska Hering sehen die Schauspielkunst auch ein wenig als Lebenskunst an.

Elke Döderlein bekannte, dass sie mit dem Text zu kämpfen hat, denn er will nicht nur gesprochen, sondern auch gelebt werden. Zum Schluss erzählte Detlef Neumann, wie er zur Seele des Theateliers wurde. „Ich wollte immer schon schauspielern, aber als es endlich mit den Probeterminen klappte, war kein Leiter da. Als der Wunsch nach einer Aufführung immer größer wurde, schlüpfte ich wie von selbst in diese Rolle. Allerdings hätte ich ohne meine Mitstreiter gar nicht so gekonnt agieren können“, lautete sein Dank an das Team. Auf jeden Fall freue er sich auf die Weiterarbeit.