Parkdecklösung ruft Kritiker im Kreistag auf den Plan

Pläne für Landratsamt-Modernisierung stoßen auf Widerspruch – Bausubstanz in nicht so schlechtem Zustand, wie vermutet

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Die Pläne für die Modernisierung des Landratsamts in Waiblingen halten den Kreistag und seine Gremien weiter in Atem. Umstritten ist nicht nur, wie viele Parkplätze gebaut werden sollen, sondern auch, ob tatsächlich über der künftigen Tiefgarage ein zusätzlicher Verwaltungsbau errichtet werden soll.

Dabei ist das erste Projekt im Rahmen der Gesamtimmobilienkonzeption für Waiblingen unstrittig: der Verwaltungsneubau an der Rötestraße. Die Baupläne dafür stehen, das Baugesuch wurde eingereicht. Nach der Fertigstellung im Jahr 2021 soll dort das Gesundheitsamt einziehen, ferner ist angedacht, Teile des Ordnungsdezernats dort unterzubringen. Details sollen noch geregelt werden.

Anders sieht es mit dem Vorgehen am Alten Postplatz aus, wo sich der Hauptsitz der Landkreisverwaltung befindet. Dort geht es beispielsweise um die Frage, ob die neue Tiefgarage, die anstelle des bestehenden, aber sanierungsbedürftigen Parkhauses entstehen soll, mit drei Parkebenen versehen werden soll.

So stehen die Grünen dem dritten Untergeschoss kritisch gegenüber, sie wollen eher sicherstellen, dass nicht nur an Autos gedacht wird, sondern auch an Abstellplätze für Fahrräder und Ladestationen für Pedelecs. Einwände in puncto Parkmöglichkeiten meldete im Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss jetzt auch Matthias Klopfer (SPD) an. In der Tiefgarage solle man die Parkplätze für die Verwaltung knapp halten, sagte er. Denn das Landratsamt sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Da sei ein üppiger Parkhausbau „die falsche Herangehensweise“, eine Kritik, der sich Christel Brodersen (Grüne) anschloss: „Mehr Parken ist überflüssig.“

Landrat Richard Sigel konterte: Es sei keineswegs das Ziel, möglichst viele Parkplätze zu bauen. Im Gegenteil, man werde künftig sogar weniger haben als jetzt, nämlich etwa 240 statt 253 auf bisher schon drei Ebenen. Wie Pressesprecherin Martina Keck erläutert, rührt die geringere Zahl daher, dass die künftigen Stellplätze breiter und auch teilweise barrierefrei angelegt werden und sich die Zufahrt verändert. Und, so Sigel weiter: „Auch Fahrräder brauchen Fläche.“ Im Übrigen wolle der Landkreis innovative Mobilität sehr wohl vorantreiben.

Die Zahl der Parkplätze geht trotz dritter Ebene leicht zurück

„Wenn wir nicht jetzt nach unten gehen, werden wir’s nie mehr können“, signalisierte Gerhard Ketterer (CDU) Unterstützung für die dritte Parkebene, die in den ersten planerischen Überlegungen so nicht enthalten war. Der Landkreis, gab er zu bedenken, müsse attraktiv für Mitarbeiter sein – dazu gehörten die entsprechenden Räume.

Jürgen Hestler (SPD) erneuerte derweil seine Kritik an der Gesamtimmobilienkonzeption, in die rund 100 Millionen Euro fließen sollen. Konkret bezog er sich auf die sogenannte Parkdecklösung, nach der über der künftigen Tiefgarage ein mehrgeschossiger Verwaltungsbau errichtet werden soll. Er berief sich auf eine gutachterliche Aussage, wonach städtebauliche Aspekte nicht für diese Lösung sprächen, sondern vielmehr politische Gründe vorlägen – was Hestlers Zweifel neuerlich nährte.

In der Tat sei man, erwiderte der Landrat, „relativ spät auf diese Lösung gekommen“. Ursprünglich habe man überlegt, alles plattzumachen und komplett neu zu bauen. Es habe sich aber gezeigt, dass die Bausubstanz der Pagode nicht gar so schlecht ist, wie zunächst angenommen. Man habe nun eine gute und wirtschaftliche Lösung gefunden, sie sei seit 2016 entwickelt worden. Die Grünen wiederum fordern, den Neubau über der Tiefgarage nach Passivhausstandard zu errichten. Dem hält die Verwaltung entgegen, dass im Architektenwettbewerb Nachhaltigkeit eingefordert werde – und das beziehe sich nicht nur auf den Klimaschutz, sondern auch auf ein ressourcenschonendes Bauen. Kreisbau-Chef Dirk Braune unterstrich ebenso, dass sich Passivhausstandard überlebt habe: „Wir wollen den Weg der CO2-Neutralität verfolgen.“

Weiter ging es um die Rahmenbedingungen für den Architektenwettbewerb. Der Kreistag stimmte den Regelungen bei einer Gegenstimme und vier Enthaltungen zu. Im Preisgericht sind demnach auch die Fraktionen des Kreistags vertreten. Da sich bei der Kommunalwahl im Mai die Zusammensetzung des Kreistags ändern kann, ist vorgesehen, dass auch je ein Vertreter künftiger Fraktionen und Gruppen an den Sitzungen des Preisgerichts teilnehmen kann, allerdings ohne Stimmrecht. Im Übrigen erhält der Kreis für die digitale Bauplanung bei der Gesamtimmobilienkonzeption am Alten Postplatz im Wettbewerb „Städte, Gemeinden, Landkreise 4.0 – Future Communities“ eine Förderung über 23800 Euro.