Die Tiere und die Arbeit helfen

Martina Theurer will nach dem Tod ihres Mannes Gnadenhof und Heuhotel in Vorderwestermurr weiterführen

Martina Theurer geht offen mit dem Tod ihres Mannes und ihrer Trauer um. Wer fragt, dem erzählt sie, was sich in den letzten Wochen ereignet hat. Eine Krebserkrankung traf Andreas Tröger völlig unerwartet und riss ihn nach nur wenigen Wochen aus dem Leben. Die Situation auf dem Anwesen Martina Theurers, zu dem ein Heuhotel und Gnadenhof gehören, ist nicht einfach, aber die Tiere spenden ihr auch Trost.

„Die Tiere merken genau, wie es mir geht“, sagt Martina Theurer. Es tut ihr gut, für sie zu sorgen und mit ihnen umzugehen. Zu den ganz zugewandten und treuen gehört der Eber Pumba, der als Ferkel auf den Hof kam und mit den Vierbeinern dort aufgewachsen ist. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Seit vielen Jahren betreibt Martina Theurer in Vorderwestermurr ein Heuhotel, in den letzten Jahren hat sich ein weiteres Projekt entwickelt, das aus ihrem lang gehegten Wunsch heraus entstanden ist, nicht mehr gewollten oder nicht mehr gebrauchten Tieren zu helfen, ihnen eine (Überlebens-)Chance und eine Heimat zu bieten. Der Gnadenhof ist auch aufgrund vieler Anfragen von außerhalb mittlerweile auf 150 Tiere angewachsen (wir berichteten). Keine ganz leichte Aufgabe, schon allein vom Arbeitspensum. Zudem kam, dass die finanziellen Ressourcen Martina Theurers aufgebraucht waren.

Die Gründung eines Fördervereins hat dem Herzensprojekt, wie sie sagt, dann aber eine gewisse Unterstützung ermöglicht. Weiteres Ziel des Vereins ist es, auch ehrenamtliche Helfer für den Gnadenhof zu finden, um so für Entlastung zu sorgen. Durch den plötzlichen Tod ihres Mannes Andreas Tröger ist die Situation nicht gerade einfacher geworden.

Trotzdem sagt Martina Theurer: „Die Arbeit hat mir wahnsinnig geholfen. Ich konnte nicht einfach liegen bleiben. Die Tiere müssen ja versorgt werden.“ Für die 53-Jährige ist es der alltägliche, ganz selbstverständliche Umgang mit ihnen, der ihr Trost spendet: Beispielsweise wenn Pumba, ein Hausschwein, wie ein treuer Hund hinter ihr hergelaufen kommt, weil es mit den Vierbeinern des Hauses aufgewachsen ist, die Ziege Leo plötzlich dasteht und ihre Esel sich bei ihr einfinden. „Die Tiere merken genau, wie es mir geht“, sagt Martina Theurer. „Auch die, die sonst nicht so rücksichtsvoll sind, verhalten sich anders, respektvoller.“

Der Tod ihres Mannes reißt eine Lücke in ihr Leben, emotional und auch was den Alltag ihres gemeinsamen Projekts Gnadenhof anbelangt. Andreas Tröger hat sich als gelernter Landschaftsgärtner vor allem um die Außenanlagen des Anwesens gekümmert – Zäune aufbauen und reparieren, Wege oder Flächen in Schuss halten und gestalten.

Die 53-Jährige geht offensiv mit ihrer Trauer um. Vor Kurzem war ein Fernsehteam des Südwestrundfunks auf dem Gnadenhof und Martina Theurer hat über ihre Situation berichtet. Ein positiver Effekt war, dass sich aufgrund des kurzen Filmbeitrags Zuschauer gemeldet haben, die sich eine ehrenamtliche Mithilfe vorstellen können. „Es sind Leute aus einem Umkreis von bis zu 30 Kilometern.“ Noch ist nicht klar, wie groß und nachhaltig die Unterstützung sein kann, trotzdem macht die neue Entwicklung ihr auch etwas Mut.

Am Wochenende soll dann die Besenwirtschaft wieder geöffnet sein, Besucher haben an den beiden Tagen auch Gelegenheit, sich auf dem Gelände des Gnadenhofs, sprich bei den Tieren, umzusehen. Natürlich sei das einiges an Arbeit, aber Martina Theurer merkt an, dass auch Mitglieder des Fördervereins mithelfen, wenn es um Rundgänge oder Informationen zum Gnadenhof geht.

Und wenn es doch alles zu viel wird? Gibt es vielleicht einen Plan B, über den sie nachdenkt? „Nein, ich will auf jeden Fall weitermachen“, sagt Martina Theurer. „Das hab ich auch Andi versprochen, einfach unseren Traum weiterleben und dafür kämpfen.“ Die einzige Sorge, die sie hat, ist, dass auch sie einmal wegen gesundheitlichen Problemen ausfallen könnte beziehungsweise pausieren müsste. Das war vor rund zwei Jahren der Fall, damals konnte sie ihr Mann noch entsprechend unterstützen. Auch vor diesem Hintergrund wäre es wünschenswert, den einen oder anderen zusätzlichen Helfer zu gewinnen.

Dankbar ist die 53-Jährige auch für die Unterstützung ihrer Kinder. Ein länger geplanter, Mut machender Konzertbesuch vor Kurzem in Ludwigsburg gehörte genauso dazu wie ein gemeinsam verbrachter Ausflug, bevor es am Wochenende nun wieder losgeht.