Kinder bekommen ein „Lebenshaus“

Baustelleneröffnung im Murrhardter Klosterhof: Lang ersehntes Neubauprojekt für Kindergarten startet nun endlich

Schaufelchen, Eimerchen, Pinsel, Spachtel, Meterstab – mit Helm auf dem Kopf und Baustellenweste waren die Kinder bestens ausgerüstet, um Bürgermeister Armin Mößner beim Spatenstich zu unterstützen. Jetzt ist es endlich so weit: Das Neubauprojekt Kindergarten Klosterhof kann verwirklicht werden – und zwar nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten.

Ein großer Auftritt für die Kinder: Zuerst wurde ein Lied gesungen, anschließend gemeinsam mit dem Bürgermeister gebaggert und geschaufelt. Fotos: J. Fiedler

Von Yvonne Weirauch

MURRHARDT. „Mal ehrlich, hätten Sie noch daran geglaubt, dass wir hier mal so stehen, um diese Baustelle zu eröffnen?“, scherzhaft stellte der geschäftsführende Pfarrer in Murrhardt, Hans Joachim Stein, diese Frage in die versammelte Runde auf dem Schotterboden am Klosterhof. Nicht ohne Grund, denn das Neubauprojekt Kindergarten Klosterhof hatte sich aus verschiedenen Gründen immer wieder verzögert, unter anderem musste die evangelische Kirchengemeinde Murrhardt wegen des schwierigen Bauuntergrunds neu planen (wir berichteten). Nun gibt es aber kein Halten mehr: Der erste Baggerbiss zum Abriss wurde gestern mit Kirchengemeinde und Stadtverwaltung gebührend begangen.

Nachdem die Kinder ein Lied vorgesungen hatten, ging Stein weiter auf das neue Gebäude ein, für das der Weg nun sprichwörtlich freigeschaufelt werde: „Die Kinder stehen im Mittelpunkt. Ihr bekommt ein Haus, in dem ihr lachen und weinen, rennen, spielen und toben könnt, aber euch auch ausruhen könnt. Ihr bekommt ein Lebenshaus“, so Hans Joachim Stein an die Kinder und die Erzieherinnen gewandt. Dem geschäftsführenden Pfarrer merkte man an, dass auch er seine Freude über den Neubau nicht verbergen kann.

Bürgermeister Armin Mößner gab in seinen Grußworten zu: „Es hat wahrlich lange gedauert, sage und schreibe fünfeinhalb Jahre.“ 2013 saßen die Gemeinderäte und das Kirchengremium beisammen, diskutierten die Wünsche und die Pläne. „Manchmal war es ein frühlingshafter Spaziergang, dann ein Gewaltmarsch, zwischendrin ein Planungsmarathon, bei dem uns auch mal die Kondition ausging, und dann war’s auch mal ein Horrorlauf“, beschrieb Mößner die Verhandlungs- und Diskussionszeit über die Jahre hinweg. „Aber eines muss man uns allen zugutehalten: Wir haben gekämpft und das Ziel erreicht.“

Das Haus – das Gebäude stammt aus dem Jahr 1958 und ist der älteste Kindergarten in Murrhardt gewesen – ist sichtlich in die Jahre gekommen. Mößner: „Der Putz bröckelt, der Keller ist feucht, die sanitären Anlagen lassen zu wünschen übrig, die Fenster gehen nach und nach kaputt.“ Vor all diesen baulichen Hintergründen wurde auch beschlossen, das Dachgeschoss auszubauen, weil das ursprünglich konzipierte Untergeschoss nicht mehr vorgesehen ist. Die Pläne wurden vom Landratsamt geprüft und genehmigt, sodass nun die „Baumaßnahmen schnellstmöglich vollzogen werden können“. Zunächst einmal steht der Abriss des alten Kindergartengebäudes an. Alles wurde eingerichtet, ein Bauzaun aufgestellt und ein paar Parkplätze werden über den Zeitraum der Baumaßnahmen gesperrt. Der Abbruch allein wird etwa 14 Tage in Anspruch nehmen. Danach wird das Gelände aufgefüllt und muss anschließend etwa zwei Monate ruhen, damit sich das Material setzen kann. Der Neubau des Kindergartens sieht nun zwei Ebenen sowie einen Aufzug vor. Im Erdgeschoss sind drei der vier Kindergartengruppen (Mädchen und Jungen des evangelischen Kindergartens Klosterhof und Oetingerhaus) untergebracht, hinzu kommen neben den Sanitärräumen unter anderem ein Besprechungsraum für die Erzieherinnen, ein Büro für die Leitung, eine Küche, ein Speiseraum sowie eine Elternecke.

Schlafräume und Mehrzweckraum sind vorgesehen

Das Dachgeschoss wird die Heimat für die vierte Kindergartengruppe, des Weiteren sind dort Schlafräume für kleinere und Ganztagskinder und unter anderem ein Mehrzweckraum für Bewegung oder Vorführungen vorgesehen sowie ebenfalls Sanitärräume.

Neben einem zweiten Rettungsweg für das Dachgeschoss musste bei den Plänen zudem berücksichtigt werden, dass der Neubau an der westlichen Seite an einen Bereich angrenzt, der als HQ-100-Areal (100-jährliches Hochwasser) ausgewiesen ist. Zum Ausgleich wird auf dem Grundstück eine Mulde geschaffen, um den Eingriff auszugleichen und Retensionsraum zu schaffen. Die finanzielle Planung sieht eine Investitionssumme von rund 2,24 Millionen Euro für den Neubau vor.

Bevor sich der Bürgermeister gemeinsam mit Hans Joachim Stein dem ersten Baggerbiss widmete, schloss er mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe: „Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn!“ Damit war’s gesagt und der Bagger setzte sich in Bewegung – zuerst kreiste die Schaufel allerdings ungewollt durch die Luft, denn Armin Mößner hatte aus Versehen den falschen Hebel betätigt. Diese Aktion sorgte bei allen Dabeistehenden für Erheiterung. Dann ergriffen auch einige Gemeinderäte Schaufel und Spaten und erklärten gemeinsam mit dem Bürgermeister die Baustelle für eröffnet.