Die innere Uhr des Lebens

Heilpraktikerin Sabine Zimmermann spricht über Rhythmen der Natur

Was hat es mit dem menschlichen Biorhythmus auf sich? Was bedeutet er und wie funktioniert er eigentlich? Darüber referierte Heilpraktikerin Sabine Zimmermann auf Einladung des Krankenpflegevereins im kleinen Saal der Festhalle.

Das Wissen über den Biorhythmus ist schon seit Jahrtausenden bekannt. Drei Biorhythmen gibt es demnach: Den körperlichen, den seelischen und den geistigen. Erschöpfung bringt den Biorhythmus ins Wanken. Fotos: J. Fiedler/Kaesler Media-stock.adobe

Von Petra Neumann

MURRHARDT. Die Natur als lebendiges Ganzes ist unterschiedlichen Rhythmen unterworfen, wie zum Beispiel die Gezeiten, die Jahreszeiten oder der Wechsel von Tag und Nacht. Der Mensch als Teil dieser Natur verleugnet jedoch in der momentan beschleunigten Zeit diese Naturgesetze. Heilpraktikerin Sabine Zimmermann sprach über diese getakteten universellen Gesetzmäßigkeiten, die sich auch im menschlichen Biorhythmus zeigen. „Die Rhythmen der Natur“ nannte sie ihren Vortrag.

Bereits im 19. Jahrhundert fing man laut Zimmermann an, sich Gedanken darüber zu machen. Unter anderem bemerkte der Mediziner Dr. Wilhelm Fließ (1848 bis 1928), dass sich schwere Geburten oder gesteigerte Krankheitsphasen in einem bestimmten Rhythmus bemerkbar machten; er fand heraus, dass die Natur und somit der Mensch Zyklen von 23 und 28 Tagen unterliegen. Einige Zeit sei er mit Sigmund Freud (1856 bis 1939) befreundet gewesen, der seine Theorie bestätigen konnte. Zimmermann: „Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass es drei Biorhythmen gibt, und zwar den körperlichen Biorhythmus von 23 Tagen, den seelischen Rhythmus von 28 Tagen und den geistigen Rhythmus von 33 Tagen.“ Der Verlauf werde in Sinuskurven aufgezeichnet. Erreichen sie die untere Amplitude, fühle man sich nicht sonderlich wohl, doch seien die Kreuzungspunkte auf der gedachten Nulllinie viel problematischer, man nenne sie auch die kritischen Tage. „Weltweite Untersuchungen ergaben, dass 90 Prozent aller Unfälle, schlecht verlaufender oder gar tödlicher Operationen auf diese Phase fallen“, betonte Sabine Zimmermann und zeigte anhand eigener Recherchen, dass diese Erkenntnis zutrifft.

Auch habe man erkannt, dass die Organe zu festen Zeiten intensiver arbeiten würden. „Wer also zwischen 1 und 3 Uhr morgens aufwacht, weil da seine Leber auf Hochtouren läuft, sollte dementsprechende Tees zur Entlastung trinken.“ Doch wen kümmern die natürlichen Vorgänge heute? Mittlerweile werden die Menschen durch den Arbeitsdruck sowie das Überangebot an Unterhaltungsmöglichkeiten gleichsam ferngesteuert. „Man müsse schnell die Welt retten und 148 Mails checken“, wie es der Songwriter Tim Bendzko formulierte und habe keine Zeit zur Einkehr in die Stille. „Fast scheint es so, als hätten die Menschen Angst, sich selbst zu begegnen“, stellte die Referentin fest. Eigentlich ein Widersinn, denn in einem Zeitalter, das das Individuum propagiere, sollte es doch vorhanden sein. Gleichzeitig tue die Gesellschaft mit ihren schrillen Versprechungen und ungeschriebenen Normen alles, um die individuelle Persönlichkeit zu manipulieren. „Wer nicht mitzieht, wird ausgegrenzt.“ Aus diesem Grund zitierte Sabine Zimmermann die Sozialwissenschaftlerin und Professorin Nadine Schöneck: „Wir leben in einer Gesellschaft mit einem Überschuss an Möglichkeiten. Dadurch entsteht auch eine permanente Angst, irgendetwas zu verpassen.“ Paradoxerweise verpasse man sich selbst. Das Gleiche passiere mit der Zeit, die dem Menschen zur Verfügung steht. Einst als Zeitersparnis gefeiert, mutierte der Computer zum größten Zeitfresser überhaupt, vor allem, weil seine Informationsquelle, das Internet, selbst zeit- und formlos sei und keine Rahmenbegrenzung besitze. Der Wirtschaftspädagoge Professor Karlheinz Geißler formulierte dieses Phänomen so: „ In einer Welt, die sich entschieden hat, Zeit in Geld zu verrechnen, sind Probleme mit der Zeit an der Tagesordnung.“ Daraus zog die Heilpraktikerin dieses Resümee: „Man hat das Gefühl für das Normale verloren. Jeder meint, alles und damit auch der andere müsse rund um die Uhr verfügbar sein. Jeder Wunsch soll augenblicklich erfüllt werden, doch dabei kommt die Vorfreude zu kurz, es entsteht lediglich die Gier nach mehr.“ Die Stimme im Körper, die zum Ausgleich mahne, werde konsequenterweise ignoriert. Doch gegen die Rhythmen der Natur sei der Mensch machtlos, er betrüge sich letztlich um seine persönliche Entwicklung und Gesundheit.