Neue Taubenschar bereitet Kummer

In Unterweissach hat sich neuerdings eine Schar von an die 100 Tauben niedergelassen. Die Vögel halten sich vorwiegend im Bereich des Rombold-Areals auf und fallen dort den Anwohnern bereits gehörig zur Last. Die Gemeinde reagiert, indem sie einen Fangschlag errichtet hat. Mit Futter sollen die Tiere angelockt, dann eingefangen und in einen Taubenschlag gebracht werden.

Im Taubenschlag finden die Vögel Buchten vor, in denen sie es sich bequem machen können.

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Wo die Tauben hergekommen sind, die in Unterweissach eingeflogen sind, weiß man nicht mit Gewissheit. Es wird vermutet, dass andernorts gezielt Falken eingesetzt wurden, um die Vögel zu vertreiben. Sandra Krauß, im Weissacher Rathaus zuständig für Umwelt und Naturschutz, berichtet über Hinweise, wonach dies in Backnang der Fall gewesen sein soll. Trifft diese Annahme zu, dann ist genau das geschehen, wovor Taubenzüchter ebenso wie Tier- und Naturschützer immer warnen: Die ungelittene Population wird zwar vom seitherigen Aufenthaltsort verjagt, sie findet sich aber naturgemäß an einem anderen Ort wieder ein. Das Problem ist also nicht gelöst, sondern nur verlagert. Anderen zugeschoben.

Deshalb lehnt Krauß eine solche Vorgehensweise rundweg ab. Es wäre absolut unfair, sagt sie, die Tiere einfach nur in Nachbarkommunen zu vertreiben. Stattdessen setzt sie weiterhin auf eine Methode, die schon vor Jahren in Esslingen am Neckar erprobt wurde und seitdem in vielen anderen Städten – auch seitens der Stadt Backnang – praktiziert wird: Für die Vögel werden kommunale Taubenschläge eingerichtet, die kontinuierlich überwacht werden und die Möglichkeit bieten, die örtliche Population unter Kontrolle zu halten.

Das hat laut Krauß in den letzten zwei Jahren in Unterweissach funktioniert. „Wir hatten es im Griff“, sagt sie. Waren zuvor rund ums Rathaus und im Bereich der Grundschule 100 und mehr Tauben gezählt worden, so ist der ortsansässige Bestand zuletzt auf 30 bis 40 Tiere zusammengeschmolzen – ganz allein durch „Geburtenkontrolle“: Den Tauben, die im Schlag nisten und legen, werden künstliche Eier – Attrappen aus Gips oder Plastik – untergeschoben, die das eigene Gelege ersetzen. Mangels Nachwuchses gehen die Bestände allmählich zurück.

So eine Vorgehensweise erfordert jedoch Geduld und Mühe. Denn die seit Oktober neu zugeflogenen Tauben, die sich jetzt vor allem im Bereich des Rombold-Areals aufhalten, müssen erst von dort weggelockt werden. Nur nach und nach folgen sie dem Futterangebot, das am Fangschlag beim Rathaus auf sie wartet. Und nur nach und nach können sie von dort zum Taubenschlag unterm Dach der Grundschule gebracht werden.

Dort herrscht reges Taubenleben. Die derzeit rund 35 Vögel sind alle beringt, um den Bestand kontrollieren zu können. Gelegentlich kommen neue Tiere hinzu, dann schreiten die Taubenexperten, mit denen Krauß zusammenarbeitet, zur Tat: Herbert Pludra und Wilhelm Wolf fangen diese Vögel ein und legen ihnen die Weissach-Ringe an. Die beiden sind im Übrigen mittlerweile nicht nur im Täle im Einsatz, sondern auch an anderen Orten, so in Winzerhausen und Murrhardt.

In ihrem Heim haben es die Tauben gut. Krauß sorgt mit Unterstützung von Hausmeister Volker Rössler dafür, dass die Tiere regelmäßig Futter und Wasser bekommen und dass der Schlag mit den 48 Buchten bei Bedarf gereinigt und bisweilen auch desinfiziert wird. Zudem holen die Experten kranke Vögel heraus und bringen sie zum Tierarzt.

Damit die Tauben ihr Heim annehmen und dortbleiben, müssen sie zunächst einmal Gelegenheit bekommen, Nachwuchs aufzuziehen. Ist das geglückt, halten die Tiere gern an der bewährten Brutstätte fest. Das gilt erst recht für die Jungvögel, die ja gar nichts anderes kennen. Sind die Tauben an ihre neue Heimstatt gewöhnt, werden sie immer wieder aus freien Stücken zurückkehren, sagen die Fachleute. Dann können auch die Maßnahmen zur Geburtenkontrolle anlaufen. Man muss den Tieren aber zugestehen, dass sie weiterhin das eine oder andere Junge aufziehen können, sonst schöpfen sie Verdacht und hauen ab. Der Vorteil dieses Vorgehens: Die Taubenpopulation im Ort kann auf Dauer gesenkt werden. Und die unfeinen Hinterlassenschaften, über die sich Hauseigentümer ärgern, bleiben größtenteils im Schlag.

Fallen, Gift oder Abschießen kommen nicht infrage

Andere Methoden, die Taubenbestände zu dezimieren, kommen für Krauß nicht infrage: Teils sind sie sowieso verboten, teils sind sie nicht nachhaltig. Das Letztere gilt in ihren Augen nicht nur für das Vergrämen mithilfe von Falken, sondern auch für das Einfangen und Aussetzen an einem anderen Ort, wie es mitunter von Schädlingsbekämpfern angeboten wird. Solche Tiere können rasch wieder in Siedlungen auftauchen. Zum Teil wurde laut Krauß auch beobachtet, dass ganze Verbände ursprünglich verjagter Tauben an den alten Ort zurückkehren.

Generell nicht erlaubt ist – was auch mitunter gefordert wird – der Einsatz von Fallen und Gift. Das Gleiche gilt für das Abschießen: Innerhalb von Ortschaften darf sowieso nicht geschossen werden, außerdem handelt es sich bei Tauben gar nicht um jagdbares Wild. Auch das Ausbringen von Hormonpräparaten wird nicht mehr als taugliches Mittel gehandelt, weil es nicht den erhofften Erfolg gebracht hat.

Haus- und Grundeigentümer, die sich der Tauben erwehren wollen, sollten, so Krauß, den Vögeln den Aufenthalt ungemütlich machen: Fotovoltaikanlagen, Nischen und Vorsprünge, die bevorzugt aufgesucht werden, können mit Netzen, Bürsten oder sogenannten Taubenspikes versehen und gesichert werden. Vor allem aber, so der Appell, sollten die Tauben nicht gefüttert werden. Denn Futter finden die Tiere in ihrem Schlag.