Bürgerbus für Murrhardt angedacht

Er soll Menschen helfen, die öffentliche Verkehrsmittel schwer oder gar nicht nutzen können – Informationstreffen am 22. März

Die Idee des Bürgerbusses nimmt seit einiger Zeit im ganzen Land Fahrt auf – in Baden-Württemberg sind es mittlerweile 84 Städte und Gemeinden, die solch ein Angebot, teils als Bürgerrufauto, eingerichtet haben. Auch Murrhardt möchte einen Bürgerbus auf die Beine stellen. Orientieren will man sich dabei ein Stück weit an Alfdorf/Welzheim. Initiatoren und Begleiter des Bürgerbusses dort berichten bei einem Informationstreffen.

Von Christine Schick

MURRHARDT. Auch in anderen Kreiskommunen wie beispielsweise Weissach im Tal ist der Bürgerbus zurzeit Thema. Bürgermeister Armin Mößner berichtet, dass in Murrhardt verschiedene Bürgerinnen und Bürger solch ein Projekt gerade im und für den ländlichen Raum angeregt hätten.

Ganz konkrete Anfragen gab es zwar nur vereinzelt, insofern könne man nicht genau abschätzen, wer solch ein Angebot in Anspruch nehmen würde. Mößner geht aber davon aus, dass es vor allem für ältere Menschen wertvoll sein könnte, die bei der Bewältigung des Alltags auf sich alleine gestellt sind, weil die Angehörigen tagsüber arbeiten, und durch ihre Einschränkung in puncto Mobilität nur bedingt am städtischen Leben teilnehmen können.

Birgit Wolf von der Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement weiß beispielsweise von einer älteren Dame, die nicht mehr gut zu Fuß ist und sich beim Verstauen der Einkäufe in einem Linienbus schwertut. Für sie stellt auch die Fahrt zum Arzt eine gewisse Hürde dar, weshalb sie einen Bürgerbus außerordentlich begrüßen würde.

Damit sind auch das Klientel und der Zweck der Fahrten schon skizziert: Personen, die den öffentlichen Nahverkehr nur mit erheblichem Aufwand oder gar nicht nutzen können, über kein Fahrzeug verfügen oder wegen eines momentanen Handicaps wie einer Verletzung nicht fahren können. Sie könnten mithilfe eines Bürgerbusses Arzttermine wahrnehmen (nicht, wenn der Transport über die Krankenkasse möglich ist), an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen, Freunde oder Verwandte besuchen und wichtige Einkäufe erledigen.

Der Stadt schwebt generell ein bürgerschaftlich getragenes Modell vor. Erste Gespräche haben bereits mit Ehrenamtlichen des Bürgerbusprojekts in Alfdorf/Welzheim stattgefunden, die auch bei einem Informationsnachmittag in Murrhardt zu Gast sind. „Der Bürgerbus wird bedarfsgerecht starten. Am Anfang werden es, wie die Erfahrung anderer Orte zeigt, eher weniger Fahrten sein“, sagt Bürgermeister Mößner. Er schätzt, dass es zu Beginn vielleicht ein oder zwei Einsätze pro Woche sind. Ganz ähnlich sei es in Alfdorf/Welzheim gelaufen, heute fahre der Bürgerbus beinahe täglich.

Ganz bewusst will man sich vom Gebiet her nicht einschränken. Der Bus soll also grundsätzlich auch in die Stadtbezirke Fornsbach und Kirchenkirnberg sowie kleinere Teilorte fahren.

Um die konkreten Anfragen entgegennehmen, Touren zusammenstellen und das Fahrerteam koordinieren zu können, braucht es beim Start die Unterstützung einer bestehenden Institution. Anfangs wird das die Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement übernehmen, so Mößner. Klar ist, dass das Projekt letztlich mit ehrenamtlichen Fahrern steht und fällt. Um sie zu gewinnen und über das Vorhaben zu informieren, ist besagtes Treffen am Freitag, 22. März, geplant (siehe Kasten).

Es stellt sich auch die Frage, ob es mit Blick auf andere ehrenamtliche Projekte wie den Tafelladen, der zurzeit auch Fahrer sucht (Bericht folgt), genug Freiwillige gibt oder dadurch auch eine gewisse Konkurrenzsituation geschaffen wird. Birgit Wolf versteht die Bedenken, glaubt aber grundsätzlich schon, dass noch Möglichkeiten bestehen, Engagierte zu finden. „Die ehrenamtlichen Projekte und die damit verbundenen Tätigkeiten unterscheiden sich auch voneinander, und ein Engagement sollte sich ja auch danach ausrichten können, was die Menschen gerne ehrenamtlich machen möchten“, sagt sie. Grundsätzlich findet sie den Vorstoß gut. Auch bei der Tafel hätte es anfangs Stimmen gegeben, dass man sie doch eigentlich gar nicht brauche, nun sei sie eine feste Institution in der Stadt. Ein weiterer Aspekt, den sie anspricht: Möglicherweise gibt es auch Menschen, denen ein Bürgerbus helfen könnte, das Angebot der Tafel überhaupt in Anspruch zu nehmen, weil sie Probleme haben, dorthin zu kommen. Nun sei grundsätzlich zu eruieren, ob man Fahrer findet und wie es mit einem Fahrzeug sowie längerfristig mit einer möglichen Einbettung beispielsweise durch eine Vereinsgründung aussehe.

Zur Frage, wer einen Bus stellen könnte, lässt Armin Mößner wissen: „In Alfdorf/Welzheim konnte ein gebrauchtes Fahrzeug der mobilen Dienste des DRK-Kreisverbandes erworben werden. Dies ist laut Kreisverband grundsätzlich auch für Murrhardt denkbar“, wobei der Halter dann das DRK bliebe. Noch offen ist die Versicherungsfrage für Fahrer und Mitfahrer. „Je nach Modell gibt es da eine Lösung“, sagt Mößner.