„Nachsorge ist so wichtig wie Vorsorge“

Chefarzt Christophe André Müller informiert in Vortrag über Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs

Der medizinische Fortschritt, neue Technologien und interdisziplinäre Fachärzte-Kooperation in spezialisierten Zentren ermöglichen es, Krebserkrankungen innerer Organe so zu behandeln, dass betroffene Patienten heute eine deutlich längere Überlebensprognose bei guter Lebensqualität haben.

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Dies machte Privatdozent Christophe André Müller im Vortrag „Krebs im Bauchraum – was tun?“ deutlich, den die Volkshochschule in Kooperation mit der Schumm Service GmbH veranstaltete. Ursachen und Risikofaktoren, Diagnoseverfahren und Therapiemöglichkeiten sowie Vor- und Nachsorgemaßnahmen bei Darm-, Bauchspeicheldrüsen- und Magen-Speiseröhrenkrebs erläuterte der Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie der kleinen Zuhörergruppe im Schumm-Forum.

„Bei Darmkrebs ist meist der Endbereich des Dickdarms betroffen“, präzisierte der Leiter des Viszeralonkologischen Zentrums am Rems-Murr-Klinikum Winnenden. Tumore der Bauchspeicheldrüse, die „im Zentrum des Körpers sitzt und etwa so groß wie eine Tafel Schokolade ist“, entdecke man oft erst in fortgeschrittenem Stadium. Magentumore „befinden sich meist im Übergangsbereich zwischen der Speiseröhre und dem Organ selbst“. Sie entwickelten sich durch aufsteigende Magensäure, die Sodbrennen und saures Aufstoßen auslöse.

Diese Krebsarten treten häufiger bei Männern und über 60-Jährigen auf. Als Risikofaktoren nannte Müller Rauchen und Alkohol, fett- und zuckerreiche Ernährung mit Aufnahme krebserregender Stoffe, Übergewicht und Bewegungsmangel. Zudem chronische Entzündungen, entzündliche Darmerkrankungen sowie erbliche Faktoren, wenn Eltern oder Großeltern früh an solchen Krebsarten starben. Allgemeine, über längere Zeit auftretende Symptome dafür seien unter anderem ungewollter Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Spezifische Symptome für Darmkrebs seien Blut im Stuhl, Blähungen, Durchfall, aber auch Verstopfung. Treten gelbe Haut und Augen, Juckreiz und Rückenschmerzen auf, deute dies auf Bauchspeicheldrüsenkrebs hin. Anzeichen für Magen- und Speiseröhrenkrebs seien Schluckstörungen, Aufstoßen, Völlegefühl, Brustschmerzen und Erbrechen.

Ob eine Krebserkrankung vorliege, müsse der Arzt durch allgemeine Diagnostik abklären. Dazu dienten verschiedene Verfahren: Computer- oder Magnetresonanztomografie im Bereich von Bauch, Becken und Brust, Ultraschall, Röntgenbild sowie Tumormarker. Nächster Schritt seien spezielle Diagnoseverfahren, wie Darmspiegelung für den Dickdarm, die Magenspiegelung für den Magen, die Endo-Sonografie für die Bauchspeicheldrüse und die Endoskopie mit einer Videokapsel für den Dünndarm, wobei die Kapsel geschluckt wird, sich auf dem Weg durch den Darm dreht und dabei Bilder aufnimmt.

Mit Bildbeispielen verdeutlichte der Referent, wie man Tumore im Bauchraum erkennt: „Das abgestorbene Gewebe sieht weißlich aus, ist hart und hat eine glatte, spiegelnde Oberfläche.“ Die Behandlung umfasse „ein stadiengerechtes Verfahren nach einem Therapiekonzept mit strengen Richtlinien, das verschiedene Spezialisten wie Onkologen, Gastro-Enterologen und Chirurgen in interdisziplinärer Zusammenarbeit erstellen und dem Patienten empfehlen“, betonte Christophe Müller. „Bei solchen Operationen, die bis zu acht Stunden dauern können, müssen die Tumore mitsamt der Lymphknoten perfekt entfernt werden, ohne die umliegenden Organe und Blutgefäße zu verletzen.“ Dies stelle für den Chirurgen eine große Herausforderung dar, sei sehr kompliziert und setze viel Erfahrung und genaue Kenntnisse voraus, unterstrich der Experte. Dadurch soll verhindert werden, dass sich Metastasen, sprich Tochtergeschwüre, bilden und im gesamten Körper ausbreiten. „Darum müssen oft längere Stücke des Dickdarms entfernt werden“, und anschließend seien neue Verbindungen herzustellen und anzuschließen. Dafür verwende man, wenn möglich, Teile des Magens oder Darms oder künstliche Hilfsmittel. Solche Operationen fortgeschrittener Tumore, kombiniert mit einer Chemotherapie, könnten die Überlebenszeit über zwei Jahre verlängern.

Gegen das Sodbrennen werde mit einer neuen Operationsmethode ein Magnetband um den Schließmuskel am Übergang der Speiseröhre in den Magen gelegt, um das Aufsteigen der Magensäure zu verhindern. Eindringlich wies der Referent darauf hin, wie wichtig konsequente Vorsorge ist: „Die Darmspiegelung, die ab 50 empfohlen wird, ist am besten geeignet, um frühzeitig Polypen als Vorstufen von Tumoren zu entdecken und zu entfernen.“

Dasselbe gelte für die Magenspiegelung, die oft kombiniert werde mit einer Messung des Magensäuregehalts. „Mein Credo ist eine ausgewogene Kost, bei der man alle Lebensmittel in Maßen isst“, beantwortete Christophe Müller eine Nachfrage zur gesunden Ernährung. „Die Nachsorge ist genau so wichtig wie die Vorsorge“, betonte er, was ein Darmkrebspatient unter den Zuhörern bestätigte, der sich von mehreren Operationen gut erholt hat.