Gute Grundlage für Mieter und Vermieter

Gemeinderat nimmt ersten Mietspiegel 2019 der Stadt zur Kenntnis: Durchschnittliche Nettomiete beträgt 6,35 Euro pro Quadratmeter

Angesichts der aktuellen Wohnraumknappheit und der bisher unbefriedigenden Situation, dass es für die Walterichstadt keine eigenen Daten zur Mietpreisentwicklung gab, bietet der nun aufgestellte erste einfache Mietspiegel 2019 eine gute Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete.

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. In der jüngsten Gemeinderatssitzung informierte Bürgermeister Armin Mößner die Stadträte über das Ergebnis der dazu vorgenommenen Datenerhebung und Auswertung. Zur Erinnerung: Im November 2018 hatte das Stadtparlament entschieden, einen einfachen Mietspiegel für die Walterichstadt aufzustellen.

Die Datenerhebung erfolgte durch das beauftragte Institut für empirische Marktanalysen EMA in Sinzig. Dies geschah in Kooperation mit der Stadt Backnang und deren Umlandkommunen, auch waren dabei die Vereine Mieterbund sowie Haus und Grund Backnang und Umgebung eingebunden.

Dafür seien 170 Rückantwortbögen eingegangen, wovon 152 auswertbar waren, etwas mehr als die erforderliche Mindestzahl von 150. Deren Daten dienten als statistische Grundlage, aus der das Institut den ab 1. Mai gültigen Mietspiegel aufstellte als privatrechtliche Darstellung der ortsüblichen Vergleichsmiete. Er umfasst monatliche Basisnettomieten in Abhängigkeit von Wohnfläche und Gebäudealter sowie eine durchschnittliche Nettomiete in Höhe von 6,35 Euro pro Quadratmeter, unabhängig von allen Wohnwertmerkmalen.

Ein Online-Mietrechner soll auf

die Internetseite gestellt werden

Bei einer Arbeitssitzung der Beteiligten am 22. März erfolgte die Auswertung, berichtete Mößner. In der Stadt Backnang, die schon seit einigen Jahren einen eigenen Mietspiegel hat, seien die Mieten wie im bundesweiten Trend zum Teil stark gestiegen. Für Murrhardt seien die 6,35 Euro pro Quadratmeter der erste Durchschnittswert, doch werde dieser wohl ebenfalls steigen, ahnte der Bürgermeister voraus.

Der Mietspiegel bietet eine Übersicht über die gezahlten Mieten für nicht preisgebundenen Wohnraum, die in den vergangenen vier Jahren neu vereinbart oder geändert worden sind. „Wir hoffen, damit eine gute Grundlage für Vermieter und Mieter geschaffen zu haben“, betonte der Rathauschef. Auch kündigte er an, dass ein Online-Mietrechner auf der städtischen Internetseite www.murrhardt.de eingebunden werden soll.

Der Mietspiegel „soll ein Stück weit mehr Transparenz für Vermieter und Mieter“ in der Walterichstadt schaffen und dazu beitragen, Streitigkeiten zwischen Mietvertragsparteien zu vermeiden, sowie Kosten für die Beschaffung und Bewertung von Informationen über Vergleichsmieten zu verringern. Zudem lässt er weiterhin Anpassungen an die Marktlage sowie Zu- oder Abschläge im Einzelfall zu. „Letztlich bemisst sich die Miete immer als Ergebnis der einvernehmlichen Übereinkunft von Vermieter und Mieter am Wohnungsmarkt“, stellte Mößner klar. Die Aufstellung des Mietspiegels inklusive Online-Mietspiegel durch das Institut EMA kostete die Stadtverwaltung 12850 Euro. Die Mietpreisangaben beinhalten die monatlichen Nettomieten in Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, nicht enthalten sind ortsübliche Betriebskosten.

Einhellig begrüßten die Fraktionssprecher den Mietspiegel und nahmen ihn wohlwollend zur Kenntnis. „Es ist gut, dass wir nun eigene Zahlen vorliegen haben“, doch sei dies nur „eine Momentaufnahme“, da „der Wohnungsmarkt stark in Bewegung ist“, stellte Klaus Lang fest. Darum forderte er, dass der Mietspiegel alle zwei Jahre überarbeitet und aktualisiert werden müsse. „Der CDU-FWV-Fraktion ist es sehr wichtig, alles dafür zu tun, dass bezahlbarer Wohnraum entsteht, damit sich die aktuell schwierige Situation entspannt“, betonte deren Sprecher. „Da sind wir dran“, erwiderte Mößner und verwies auf verschiedene laufende Wohnbauprojekte. „Wir haben Glück gehabt, dass 152 Rückantwortbögen auswertbar waren“, fand Wolfgang Hess. Bis 2008/09 sei für Backnang und Murrhardt der Schorndorfer Mietspiegel mit Abschlägen gültig gewesen, bis Backnang einen eigenen Mietspiegel erstellte. Seitdem sei dieser mit zwölf Prozent Abschlag Maßstab für die Walterichstadt gewesen, erläuterte der Bürgermeister auf Nachfrage des UL-Fraktionsvorsitzenden, ob es gravierende Veränderungen zu vorher gegeben habe. Indes konnte er dazu keine direkten Vergleichszahlen nennen.

Die durchschnittliche Nettomiete von 6,35 Euro pro Quadratmeter „kommt ziemlich exakt hin“ an die tatsächlichen Mieten, auch sei der Mietspiegel „eine gute Sache und ein weiterer Punkt auf dem Weg zur familienbewussten Kommune Plus“, fand Norbert Hopp (SPD). „Wir sind froh, dass die Durchschnittsmiete unter zehn Euro liegt“, das sei „ein normales Maß“, und der Mietspiegel biete nun „Sicherheit und Transparenz“ für Mieter und Vermieter, unterstrich MD/AL-Fraktionsvorsitzender Gerd Linke.