„Gemeinsamer Prozess mit unserer Basis“

Das Interview: Steffen Jäger spricht vor der heutigen Regionalkonferenz in Leutenbach über mögliche Veränderungen im Fußball

Der Württembergische Fußballverband (WFV) arbeitet an der Überprüfung seiner Verbandsstrukturen. Dafür wurde eine Kommission gebildet, deren Vorsitzender Steffen Jäger ist. Der Vizepräsident des WFV sowie Ex-Bürgermeister von Oppenweiler und frühere Abteilungsleiter der SG Oppenweiler/Strümpfelbach spricht über die Inhalte und ersten Erfahrungen vor der heutigen Regionalkon- ferenz beim TSV Leutenbach.

Steffen Jäger ist nicht nur ein Theoretiker, sondern war und ist auch noch bei der SG Oppenweiler/Strümpfelbach und der Rems-Murr-Bürgermeisterauswahl selbst am Ball. Foto: A. Becher

Von Heiko Schmidt

Wie lautet das Ziel der geplanten Strukturreform des WFV?

Wir werden gemeinsam mit unserer Basis einen Prozess durchlaufen, um die Frage zu klären, wie und ob sich die Verbandsstruktur weiterentwickeln muss, um den Notwendigkeiten der Zukunft gerecht zu werden.

Welche Aufgaben haben Sie dabei?

Wir haben dabei den Auftrag vom Verbandstag im Mai des vergangenen Jahres bekommen, eine Kommission zu bilden und hauptsächlich den Spielbetrieb der Männer in den Blick zu nehmen. Ich darf neben Harald Müller, dem Leiter des Verbandsspielausschusses, den Vorsitz dieser Kommission innehaben. Damit haben wir ein Stück weit die Moderatoren- und Steuerungsrolle dabei.

Wie verliefen die Vorbereitungen auf die Regionalkonferenzen?

Wir haben in der ersten Sitzung verabredet, dass wir zweimal vier Regionalkonferenzen durchführen. In der ersten Phase wollen wir das Ohr aufmachen, um zu hören, welche Erwartungshaltung an den WFV seitens unserer Vereine besteht, wo werden Notwendigkeiten gesehen an den Verband in seiner Rolle als Dienstleister. Ziel ist, dass wir in Württemberg auch künftig Fußball spielen können, der auch einen sinnvollen Spielbetrieb hergibt.

Welche Hauptschwerpunkte sehen Sie bei der möglichen Umstrukturierung?

Wir haben uns vier Überschriften für diesen Prozess gegeben – Ergebnisoffenheit, Weitblick, Offenheit und Transparenz.

Wie interpretieren Sie den Punkt Ergebnisoffenheit?

Es ist nicht unser Auftrag, zu verändern um der Veränderung willen, sondern klar zu analysieren, welche Entwicklungen es gibt. Und dann wird die Frage gestellt, ob man angesichts dieser Entwicklungen tatsächlich in der Zukunft etwas verändern beziehungsweise weiterentwickeln muss.

Und was meinen Sie mit dem Weitblick?

Wir müssen ehrlich miteinander umgehen. Wir müssen die Frage stellen: Wenn der Schuh nicht heute drückt, könnte dies in drei Jahren oder später der Fall sein? So einen Prozess macht man nicht in jeder Legislaturperiode eines Verbandes, sondern einmal, um zu ergründen, ob etwas weiterentwickelt werden muss.

Wie interpretieren Sie den dritten Punkt Offenheit?

Wir wollen wirklich allen die Möglichkeit geben, sich an dieser Diskussion zu beteiligen. Es gibt kein Gremium, das hinter verschlossenen Türen etwas erarbeitet und am Schluss nur einen Punkt zur Abstimmung stellt. Es soll tatsächlich ein offener Prozess sein, in dem viele Aspekte eingebracht werden können.

Was verstehen Sie unter der Transparenz?

Das geschieht über die Beteiligungsplattform im Internet. Unter www.zukunftwfv.de stellen wir für alle einsehbar die relevanten Materialien wie Statistiken, Protokolle und Präsentationen, die im Kontext des Leitantrags gestellt werden, zur Verfügung.

Die ersten drei Regionalkonferenzen haben bereits stattgefunden. Hat sich dabei eine Tendenz herauskristallisiert?

Eine klare Tendenz ist in der Entwicklung zu erkennen. Im Jugend-Bereich und da im Besonderen in den älteren Altersklassen gab es in den vergangenen zehn Jahren eine erhebliche Rückwärtsentwicklung. Bei den A-Jugend-Mannschaften ging es von rund 750 auf 550 Teams. Bei der B-Jugend ist es in einer ähnlichen Dimension zu erkennen. Wir sehen auch, dass es bei der Anzahl der Mitglieder eine Rückwärtsentwicklung gibt. Dies trifft zudem auf die aktiven Männer-Teams zu. Das alles wirkt sich in wenigen Jahren noch weiter auf den Spielbetrieb aus. Das haben wir bei den Regionalkonferenzen in Esslingen, Neustetten und Stafflangen offen diskutiert.

Wie geht es nach dieser ersten Runde, die mit der Veranstaltung in Leutenbach abgeschlossen wird, weiter?

Dann gibt’s eine Arbeitsrunde der Kommission. Mit den ersten vier Regionalkonferenzen erreichen wir zwischen 350 und 400 Personen. Ein ordentliches Ergebnis, dass wir das so hinbekommen haben, aber wir wollen das ausweiten. Deshalb haben wir in der ersten Runde schon besprochen, dass wir eine Beteiligungsplattform etablieren werden.

Wie sieht diese Beteiligungsplattform aus?

Unter dem Titel Zukunft WFV kann man sich als Mitglied, Spieler oder Verantwortlicher eines württembergischen Fußballvereins im Internet unter www.zukunftwfv.de beteiligen. Dabei können eigene Überlegungen in die Diskussion gebracht werden oder eine Bewertung von Thesen stattfinden. Damit haben wir ein Meinungsbarometer und können eine Tendenz unserer Besucher ablesen.

Gibt es schon eine Resonanz darauf?

Es zeigt sich schon nach wenigen Tagen, dass wir zu manchen Punkten eine intensivere Rückmeldung bekommen. Es gibt aber auch Thesen, die einfach keine Relevanz haben. Das wird in der Würdigung der Kommissionsarbeit maßgeblich sein, Dinge herauszufiltern, die unsere Vereine bewegen. Natürlich sind auch alle Unterlagen und Präsentationen zu diesem Prozess auf der Internetseite einsehbar.

Wie ist das kommende zeitliche Vorgehen von Verbandsseite her geplant?

In der zweiten Runde der Regionalkonferenzen, die voraussichtlich nach der Sommerpause ab Herbst stattfinden wird, kann dann über verschiedene Handlungsalternativen informiert und diskutiert werden.

Wie stehen Sie persönlich zu solchen Veränderungen, wie diese beim WFV anstehen?

Zum einen wissen wir noch gar nicht, ob eine Veränderung ansteht, sondern wir prüfen, ob es gegebenenfalls eine Veränderung braucht. Und dann gilt immer der Grundsatz: Manche Veränderungen sind unumgänglich, aber Veränderungen sind eben auch kein Selbstzweck. So halte ich es in jeder Funktion, die ich in meinem Leben ausübe.

Sind Sie trotz Ihrer vielfältigen Aufgaben auch noch selbst aktiv im Fußball?

Ich bin viel zu wenig aktiv. Das merke ich dann, wenn mir zum Beispiel bei Spielen der Bürgermeisterauswahl nach wenigen Minuten schon die Luft fehlt. Da werde ich meinem eigenen Anspruch leider nicht gerecht. Das ist aber eine reine Frage des mir zur Verfügung stehenden Zeitbudgets. Auch viel zu wenig schaue ich mir die Fußballspiele meines Heimatvereins SG Oppenweiler/Strümpfelbach an.