Schwäbisch pur im Schwäbischen Wald

Zweites Bardentreffen im Eschelhof – 14 Vertreter der Dialektszene kämpfen gegen das Vergessen der heimischen Sprache an
In seinem Element: Hugo Breitschmid brachte im Eschelhof mit ganzem Körpereinsatz schwäbische Gedichte und Sprüche zu Gehör. Sehr zur Freude der Besucher.Foto: A. Wahl

Von Mathias Klink

SULZBACH AN DER MURR. Nach etwa fünf Jahren fand nun bereits zum zweiten Male am Wochenende das Mundartdichter- und Bardentreffen im Eschelhof statt. Und 14 Vertreter aus der Riege der Künstler, die schwäbischen, hohenlohischen oder badischen Dialekt zum Inhalt ihres Programms gemacht haben, gaben sich in der Scheuer des Wanderheims die Klinke in die Hand. Als Veranstalter zeichnete der Schwäbische Albverein verantwortlich; die Schirmherrschaft hatte Deutschlands bekannteste Märchenerzählerin Sigrid Früh übernommen. Das ganztägige Treffen war dabei in drei Blöcke mit jeweils fünf verschiedenen Künstlern unterteilt. Und schon in der um 11 Uhr beginnenden Matinee kamen über die Mittagszeit so bereits hochrangige Vertreter der Dialektszene zum Einsatz. Nach Hugo Breitschmid und seinen schwäbischen Gedichten und Sprüchen kämpfte anschließend Pius Jauch in seinem Programm erfolgreich gegen das Vergessen der heimischen Sprache an. Und neben Werner Puschner, welcher humorvoll-hintergründige Geschichten in badischer Mundart zu Gehör brachte, wusste Hanno Kluge allerhand Ergötzliches und Bedenkliches wiederum auf Schwäbisch zu berichten. Engagiert wurden die Künstler dabei von Helmut Pfitzer, dem Mundartbeauftragten des Schwäbischen Albvereins. Darüber hinaus selbst als Liedermacher und Kabarettist tätig, bildet er die Hälfte des Duos Aurezwicker, welches ebenfalls in zwei Auftritten die Besucher erfreute. Über das Thema „Kultur im Dorf“ war Pfitzer seinen Worten zufolge einst auf die Idee gekommen, mundartgeprägte Kleinkunstbühnen aufzuziehen. Und über 30 seien es inzwischen, die sich von Hohenlohe bis nach Sigmaringen über das Ländle verteilen. Eine gute Zusammenarbeit mit Sigrid Früh bestand seiner Betonung nach zudem von Anfang an. Mit ihren unvergleichlichen Vorträgen ist die studierte Germanistin und Volkskundlerin längst zu Deutschlands bekanntester Märchenerzählerin avanciert. Zudem war die Nachfahrin Justinus Kerners ab 1997 viele Jahre Vorsitzende des Vereins Schwäbische Mund.art, der mit einer langen Liste von namhaften Künstlern, welche sich dem Dialekt verschrieben haben, aufwarten kann. Ihr Amt hat die jetzige Ehrenvorsitzende inzwischen an Peter Holota abgegeben, der zugleich als Vorsitzender des Eschelhofvereins verantwortlich zeichnet. Mit diesem zweiten Mundartdichter- und Bardentreffen möchte man außerdem zur Attraktivität des Eschelhofs beitragen, so Holota, nach dessen Worten das traumhaft-idyllisch inmitten des Schwäbischen Waldes gelegene Wanderheim außer im August und Dezember an allen Wochenenden geöffnet hat und bewirtschaftet wird. Mit dem Besuch der Veranstaltung zeigten sich sowohl er als auch Früh, wenngleich morgens etwas schleppend angelaufen, im Übrigen sehr zufrieden. Denn gerade am Nachmittag saßen die Zuhörer in der immer wieder nachgestuhlten Scheuer bei schwül-warmen Temperaturen dicht an dicht. Sie konnten sich so an Johann Hahn und seinem rabenschwarzen Bass erfreuen, bekamen von Karl Mündlein Lyrisches in Hohenloher Mundart vorgetragen oder konnten bei Hans Fleischle unter dem Motto „Loorbeerkranz und Lockewickel“ zu Schwäbischem schmunzeln.

Mundart, Kabarett und Chanson brachte wie bereits in einer im Februar im Sulzbacher Schlössle stattfindenden Veranstaltung Dieter Huthmacher bravourös unter einen Hut; wohingegen sich Walter Krämer „uff guat Schwäbisch gsait“ auf den Spuren von Sebastian Blau und anderen Mundartdichtern befand. Das „Muggaseggele“ erklärten Reinhold Hittinger und Helmut Pfizer als Aurezwicker auch im letzten Block zur kleinsten präzisen schwäbischen Maßeinheit, wonach Bernd Merkle unter „au no dees“ furztrocken mit meist maulfaulen Geschichten die Lachmuskeln strapazierte. Nach Sigrid Frühs Schlaubergern und Schelmengeschichten und der Liedpoetin Claudia Pohel, welche lyrisch und humorvoll mit Gitarre und Harfe – „no oimal kloi sei“ – Gedanken nachschweifte, beendete schließlich Dieter Adrion alias Johann Michael Enderle mit Studien zur schwäbischen Befindlichkeit den Tag.