Mäusedorn gegen Venenschwäche

Ausstellung im Oberroter Adelssitz befasst sich mit Klostermedizin – Pflanzenbilder des Benediktiners Vitus Auslasser sind zu sehen

Von Petra Neumann

OBERROT. Nicht nur für Heilkräuterkundige ist die derzeitige Ausstellung im Äskulap-Info-Zentrum in Oberrot sehenswert, sondern auch für Blumen- und Bilderfans. Bis zum 16. September werden dort – einen Katzensprung von Murrhardt entfernt – die Arbeiten des Benediktinermönchs Vitus Auslasser gezeigt, der 1479 ein Kräuterbuch mit 198 Darstellungen und Beschreibungen verfasste.

Natürlich hing Vitus Auslasser der damals noch aktuellen antiken hippokratischen Viersäftelehre, auch Humoralpathologie genannt, an, sodass in den Erläuterungen zu manchen Kräutern bei der Wirkung heiß und feucht zu lesen ist. Diese Lehre ging davon aus, dass der Mensch von vier Säften gesteuert wird: Blut (trocken und feucht, Sanguiniker), gelbe Galle (trocken und warm, Choleriker), Schleim (feucht und kalt, Phlegmatiker) und schwarze Galle (trocken und kalt, Melancholiker).

Wenn bei der Schwertlilie steht: erwärmende, trockene Eigenschaften, so soll sie das übermäßige schwarzgallige Element ausgleichen; der Melancholiker wird vom Planeten Saturn regiert, der steht wiederum für die Milz, folglich war die Schwertlilie bei Milz, Leber und Harnzwang einzusetzen. Dass der Enzian gut für die Verdauung ist, ist wohl allgemein bekannt. Schließlich gibt es ihn auch in der Form von Schnaps.

Manche Pflanzen deuten laut der Signaturenlehre ihre Wirkung auch durch ihr Aussehen an. Ein Beispiel ist die Walnuss, die von der äußerlichen Struktur Ähnlichkeit mit dem menschlichen Hirn besitzt und Fette enthält, die nährend sind. Das Schöllkraut wiederum sondert einen gelblichen Saft ab, weswegen es bei Leber- und Gallenkrankheiten eingesetzt wurde und tatsächlich, die giftigen Alkaloide werden noch heute in der Naturmedizin in angemessenen Dosen verwendet.

Doch nicht alle Einsatzgebiete haben sich nach dem momentanen wissenschaftlichen Stand bewährt. Die Seerose wurde früher als Sirup gegen Fieber eingesetzt, das ist heutzutage nicht mehr der Fall. Auch das Lungenkraut enthält keine spezifischen Wirkkräfte gegen Lungenkrankheiten. Eine Abteilung der Ausstellung widmet sich jenen Pflanzen, die im Haushalt Verwendung fanden. Dass Zinnkraut – nomen est omen – wurde zum Putzen von Zinn verwendet. Abgesehen davon stärkt es das Bindegewebe und hat noch andere Heilwirkungen. Der Mäusedorn wurde gegen unliebsame Mitesser eingesetzt und ist ein Mittel gegen Venenschwäche. Die Nelkenwurz wiederum war ein Heilmittel und wurde auch gegen bösen Hexenzauber verwendet, weil sie gut riecht.

Darüber hinaus gibt es ja auch Pflanzen, denen eine magische Wirkung zugeschrieben wurde. Das Bilsenkraut durfte in keiner Hexensalbe fehlen. Es gehört wie die Tollkirsche zu den Nachtschattengewächsen. Den schönen lateinischen Namen Atropa Belladonna trägt die Pflanze deswegen, weil durch das Atropin die Pupillen groß werden.

Die erstaunlich akkuraten Zeichnungen von Vitus Auslasser sind einerseits optisch sehr schön anzusehen, andererseits zeigen sie dem Pflanzenkundigen, wie sehr sich doch durch Kultivierungen die Heilkräuter verändert haben. So zum Beispiel die Ringelblume, die im 15.Jahrhundert noch einfache, relativ kleine Blütenstände hatte. Diese Heilpflanze fördert die Wundheilung.

Hinter dem Äskulap-Info-Zentrum, ein privates Museum in dem um 1550 erbauten Adelssitz, hat dessen Leiterin, Maria Fassbender, einen sehr schönen Kräutergarten angelegt, sodass sich die Besucher mit dem Aussehen und den intensiven Düften der Pflanzen in natura befassen können – äußerst passend zur aktuellen Ausstellung.

Am heutigen Donnerstag, 9. August, findet um 19 Uhr ein Vortrag von Dr. Johannes G. Mayer statt. Er spricht über die Darstellung von Heilpflanzen von der Antike bis zur frühen Neuzeit. Die Schau im Äskulap-Info-Zentrum, Rottalstraße 62, in Oberrot hat sonntags von 13 bis 17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (07171/62207) geöffnet.