Erweckung aus dem Dornröschenschlaf

Haus Hohenstein und die Stadt Murrhardt wollen die Franck’sche Parkanlage wiederbeleben

Schon länger hegen das Wohn- und Pflegezentrum Haus Hohenstein und die Stadt Murrhardt den Wunsch, die große Parkanlage, die sich rund um die Villa Franck und den Sitz des Heims erstreckt, aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Nun wollen die beiden Partner aktiv werden. Geplant ist ein Konzept für die Wiederbelebung des Areals, ein sogenanntes Parkpflegewerk, für das demnächst ein Förderantrag beim Landesamt für Denkmalpflege auf den Weg gebracht wird.

Von Christine Schick

MURRHARDT. Auf einem Rundgang mit Patrick Pauli von der Universität Freiburg, der gerade dabei ist, ein Gutachten über die Parkanlage zu erstellen, und Wolfgang Schmetzer vom Haus Hohenstein lässt sich erahnen, wie viel Potenzial in dem etwa sieben Hektar großen Gelände schlummert. Genauso wird deutlich, mit wie viel Arbeit solch ein Unterfangen verbunden ist. Auf dem Weg von der Villa Franck zur Elfenwiese mit einem Lust- oder Liebestempel führt ein schmaler Pfad zu einer künstlich angelegten Grotte. An diese schließt sich eine am Fels hochgezogene Mauer an. Sie ist Teil einer Scheinruine, wie sie zurzeit der Entstehung Mode war – Landschaftsgärten im englischen Stil. Die verschlungenen, teils zugewachsenen, teils auch aus Sicherheitsgründen gesperrten Wege verbinden weitere, zumindest partiell noch erhaltene Anlagen wie Knüppelbrücken, Parksee oder einen Tennisplatz mit einem baufälligen Gartenhäuschen, um nur einige zu nennen. Ursprünglich befanden sich auch zwei Reitplätze auf dem Areal. Pauli weist auf die lebendigen Zeugen des historischen Parks hin, der Anfang des 20. Jahrhunderts geschaffen wurde: Zwei eng nebeneinander gepflanzte Buchen, das kleine Immergrün, das pastellblau blüht, oder eine Trockenmauer mit Cannstatter Travertin.

Der Landschaftsarchitekt hat sich im Rahmen des Gutachtens zur Parkanlage intensiv mit der Geschichte von Gelände und Villa beschäftigt. Haus Hohenstein ist seit Längerem mit dem Denkmalamt in Kontakt, das ebenso ein Interesse an einer Bestandsaufnahme und Wiederbelebung der Anlage hat. Als ersten Schritt gab die Landesbehörde Pauli den Auftrag für das Gutachten, das Ende des Jahres abgeschlossen sein wird. Der nächste Schritt für Haus Hohenstein und die Stadt ist, Fördergelder zu beantragen. Mithilfe dieser soll ein Konzept erstellt werden, wie der Park für eine breite Öffentlichkeit wiederbelebt werden könnte. Auch diesen Part würde Patrick Pauli übernehmen.

Im Kreis von Vertretern des Hauses Hohenstein und der Stadtverwaltung macht er deutlich, dass zum einen wohlüberlegt werden muss, welche Schritte dabei für die Anlage zu gehen sind, die größtenteils unter Denkmalschutz steht. Genauso sind Synergien und gesellschaftliche Partner für das Projekt aufgrund der Größe nötig. Im Park und in einem möglichen Brückenschlag zur Öffentlichkeit liegt für Rainer Braulik, Erster Beigeordneter, eine besondere Chance: „Es war immer schon der Traum der Stadt, das Optimale aus diesem wunderschönen Areal herauszuholen, die vielen Edelsteine zu heben, die hier schlummern.“ Dabei hofft er, dass sich rund um das Projekt ein Netzwerk aus verschiedenen Partnern zur Pflege und Nutzung knüpfen lässt. Seine Stichworte: Bürgerschaftliches Engagement und Kulturveranstaltungen von Stadt, Haus Hohenstein sowie weiteren Partnern. Ebenso könnten für das Vorhaben Initiativen wie das Projekt U25 für junge Arbeitslose, Schulen oder Auszubildende in der Landschaftspflege eingebunden werden. Dabei geht es nicht um die Rekrutierung „billiger Arbeitskräfte“, sondern um besagten Brückenschlag zur Öffentlichkeit. Dahinter steht für Pauli die Überlegung, dass, wer einen Park pflegt, ihn auch künftig schätzt, nutzt und schützt. Thomas Kirst, Geschäftsführer des Hauses Hohenstein, betont: „Wir wollen kein museales Denkmal schaffen, sondern eines, in das Leben und Kultur einzieht.“ Die Verbindung ergibt sich genauso aus dem aktuellen großen Neubau- und Sanierungsprojekt des Zentrums. Bestandteil ist beispielsweise ein Steg des Hauses in den Park, der dann barrierefrei erreichbar sein wird.