Zukunftsszenarien für den ländlichen Raum

Agrarminister Alexander Bonde und Thekla Walker (Grüne) stellten ihre Überlegungen zu Strukturpolitik und Förderideen vor

Während Minister Alexander Bonde bei Zielen für den ländlichen Raum vor allem strukturpolitische Strategien ansprach, erinnerte Thekla Walker, Landesvorsitzende der Grünen, an grundsätzliche Positionen ihrer Partei: Der Kern grüner Ideen – Naturschutz und Wertschöpfung natürlicher Ressourcen – wurzele letztlich im ländlichen Raum.

Von Christine Schick

MURRHARDT. Zur Einstimmung aufs Thema aus Sicht des Gastgebers skizzierte Bürgermeister Armin Mößner in einem Grußwort die Situation Murrhardts und die spezifischen Probleme und Zukunftsfragen der Walterichstadt. Seine Stichworte waren unter anderem: die große Fläche und damit auch die zu erhaltende Infrastruktur der Kommune im Vergleich zu den Einwohnern, die Bitte, die Verkehrspolitik nicht zu vergessen (B-14-Ausbau/Autobahnzubringer Mundelsheim) sowie die Schulpolitik.

Alexander Bonde, Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz, stellte in seinem Statement vor allem eine Ist-Analyse und darauf aufbauende strategische Überlegungen in den Vordergrund. Die relativ gute Lage und Wirtschaftsstärke Baden-Württembergs sei auch dadurch geprägt, dass Stadt und Land nicht so weit auseinanderlägen beziehungsweise noch viel Wertschöpfung im ländlichen Raum geschehe. Gleichzeitig nahm Bonde künftige Entwicklungen auf dem Land in den Blick: Den demografischen Wandel, sprich eine älter werdende Bevölkerung, Fachkräftemangel und Landflucht. Um hier gegenzusteuern und die Attraktivität des ländlichen Raums zu erhalten, gebe es verschiedene Ansätze. Infrastrukturerhalt bedeute in Zukunft mehr interkommunale Zusammenarbeit, im Tourismus sieht Bonde einen wichtigen Wirtschaftsfaktor und brachte das sogenannte magische Dreieck Naturschutz, Landnutzung sowie Tourismus ins Gespräch. Als wichtige, aber nicht ganz einfach durchsetzbare Infrastruktur für den ländlichen Raum sei der Internet-Breitband-Zugang, bei dem es gelte, auch Initiativen auf kommunaler und Landkreisebene zu unterstützen. Bei den Haushaltsberatungen auf EU-Ebene und Entscheidungen über die Fördertöpfe (Landwirtschaft) würden ebenfalls wichtige Weichen gestellt. Alles in allem ginge es darum, eine kluge Strukturpolitik zu machen, die Stärken zu erhalten und – in Anspielung auf die Diskussion zu Nils Schmids Anmerkungen – eben nicht darum, Täler im Schwarzwald zuwachsen zu lassen. Allerdings bekannte sich Bonde auch klar zur Priorisierung in Bezug auf den Straßenausbau in der Verkehrspolitik.

Grünen-Landesvorsitzende Thekla Walker hob in ihrem Beitrag auch auf grundsätzliche Überlegungen ab. Nach dem jüngsten Wahlerfolg von Fritz Kuhn sei viel die Rede vom Erfolg der Grünen als Großstadtpartei, dabei seien die originären Themen doch letztendlich im ländlichen Raum angesiedelt beziehungsweise wurzelten dort: Naturschutz, Schonung und Erhalt von Ressourcen, ob in der Landwirtschafts- oder Energiepolitik. In Bezug auf die Bildungspolitik machte sich Walker für einen integrativen und inklusiven Ansatz stark und erteilte dem mehrgliedrigen Schulsystem eine Absage. Eine Gemeinschaftsschule sei letztendlich auch Voraussetzung, um gerade auf dem Land die Schulstandorte zu erhalten. Ebenso nötig seien neue Mobilitätskonzepte für Menschen, die zu alt oder noch zu jung sind, um sich hinters Steuer zu setzen. Walker bekannte sich klar für den ländlichen Raum, nicht umsonst sei immer die Rede vom „Ländle“, wobei sie Bürgermeister Mößners Einladung („Es gibt schöne Bauplätze in Murrhardt“) höflich ablehnte, also in Stuttgart wohnen bleiben wolle.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde, die Ute Klaperoth-Spohr und Bernd Messinger von den Kreis-Grünen moderierten, wurde eine breite Themenpalette aufgemacht. Dabei stellte Bonde die Energiewende als große Chance auch für den ländlichen Raum heraus, wobei er auf die Genehmigungsverfahren von Windkraftanlagen einging, die aber auf Bundesrecht fußten. Verdienstvoll sei es, nun die Karten mit den entsprechenden Daten beispielsweise zu Windhöffigkeit und Artenschutz öffentlich gemacht zu haben. Zielkonflikte gehörten dabei zum Alltagsgeschäft. Den zum Teil pessimistischen Szenarien aus dem Publikum begegnete Walker mit einem Bekenntnis zur Wertschätzung von ländlichen Produkten und der Forderung, dass Lebensmittel nicht nur in der Anerkennung, sondern auch im Preis steigen müssten.