Überwältigende Hilfe für den Tafelladen

Am Samstag wurde das neue Domizil in der Werrenstraße eröffnet – Kostenrahmen wurde nicht gesprengt

Die Bemühungen um einen Tafelladen in Murrhardt reichen einige Jahre zurück und waren anfangs unter anderem am Standort gescheitert. Also begann Birgit Wolf, Leiterin der Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement, in der Volkshochschule mit einem Provisorium. Das hat nun ein Ende.

Ab heute werden die Regale gefüllt sein: Heidi Grau und Berthold Müller präsentierten am Samstag stolz die neuen Räume in der Werrenstraße und zeigten zudem, was der Tafelladen zu bieten hat. Foto: E. Layher

Von Yvonne Weirauch

MURRHARDT. Es wurde viel geschrubbt, gehämmert, gebohrt und eingeräumt – jetzt kann sich das Ergebnis sehen lassen: Nach langen und arbeitsreichen Wochen, die nur durch das große Engagement vieler Ehrenamtlicher und der kostenlosen Unterstützung Murrhardter Handwerker zu bewältigen war, hat nun die Murrhardter Tafel in den neuen Räumen in der Werrenstraße von heute an geöffnet. Am Samstag konnte man schon mal bei einem Tag der offenen Tür einen ersten Einblick gewinnen.

„Es war überwältigend, wie viele ihre Hilfe und Unterstützung angeboten hatten“, so Berthold Müller vom Verein Murrhardter Tafel. Man sieht ihm die Arbeit der letzten Wochen an. Zufrieden und auch ein klein wenig stolz zeigt er sich mit dem Ergebnis: Vor der Tür steht der Kühltransporter, der mit 10000 Euro von der Lidl-Stiftung gesponsert wurde. In großen Lettern ist „Murrhardter Tafel“ auf dem Fahrzeug zu lesen und ein Korb mit Obst und Gemüse ist ansprechend dargestellt – so ist die Tafel auch auf der Straße präsent.

Die Räume sowie der Hygienebereich sind freundlich und zweckmäßig eingerichtet. Platz im Gemüseaufbereitungsraum ist genug vorhanden. Ein neuer Kühlschrank steht in der Ecke, große Waschbecken sind angebracht und auch die vollen Kisten können abgestellt werden. Betritt man den Verkaufsraum, stehen am Eingang kleine Einkaufswägen einer kürzlich insolvent gegangenen Drogeriemarktkette bereit.

Eine kleine Verkaufstheke, Bänke, auf denen die Boxen abgestellt werden, Rollwagen und Regale, die mit verschiedenen Lebensmitteln aufgefüllt werden, sind im Raum platziert. Auch eine Brottheke gibt es. „Der Tafelladen ist an die Regio Tafel Rems-Murr angegliedert. Dort wird koordiniert, welcher Tafelladen wie viele und welche Lebensmittel bekommt“, so Heidi Grau vom Team der Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement. Etwa 30 Ehrenamtliche sind derzeit im Einsatz. Gerne sind mehr willkommen. Ebenso hofft der Verein auf Zuwachs bei den Mitgliedern, derzeit sind es da rund 70.

Mit den Kosten sei man im Rahmen geblieben, so Müller. 5000 Euro hatte man angenommen, bei 3000 Euro sei es geblieben. „Dies war aber nur möglich, weil so viele Handwerker kostenlos gearbeitet haben, und es großzügige Spender gab“, betonte Müller. Und auch dem Vermieter gebühre Lob: „Er hat selbst viel Zeit und Arbeit investiert und uns bis ins kleinste Detail unterstützt.“

Bürgermeister Armin Mößner fand die passenden Worte: „Getreu dem Motto: Was lange währt, wird endlich gut, ist es nun soweit.“ Der Bedarf für Menschen mit geringem Einkommen im Tafelladen einzukaufen, sei in Murrhardt vorhanden. Der Gemeinderat hatte der Summe von insgesamt 3000 Euro Starthilfe zugestimmt, die eigentlich auf zweimal (1500 Euro) überwiesen werden sollte. Da aber für die Einrichtung des Tafelladens das Geld sofort benötigt wurde, wurde die volle Summe überwiesen. Nachträglich überreichte Armin Mößner als symbolisches Zeichen noch den Scheck.

Stadträtin Gudrun Gruber (SPD) hatte ihr ganz persönliches Geschenk für den Tafelladen im Gepäck: „Auf der einen Seite ist es toll, dass Murrhardt nun solch einen Tafelladen hat. Auf der anderen Seite ist es traurig, dass Murrhardt einen Tafelladen überhaupt braucht.“

Es gebe Fälle, da haben Familien mit drei oder vier Kinder nicht mal solch ein Auskommen, dass es für einen Einkauf im Tafelladen reicht. Unvorstellbar. Aber diese Fälle sind nicht selten. Gruber hatte deshalb selbst geschriebene 5-Euro-Gutscheine in der Hand, die sie Berthold Müller übergab. Er wüsste, welche Kunden dies nötig hätten, wenn der letzte Cent mal im Geldbeutel fehle.

Ab heute gibt es im neuen Domizil montags und donnerstags in der Zeit zwischen 14 und 15.30 Uhr Waren zu kaufen.