Waldsee als gemeinsamer Erlebnisort

Minister Bonde machte auf Bahntour in Murrhardt und beim Fornsbacher Freizeitgebiet Station – Thema: Vielfalt Ländlicher Raum

Kurz nach 8 Uhr, ein paar Schüler sind mit großen Ranzen auf dem Weg zum Unterricht, ein Taxifahrer am Bahnhof grüßt freundlich. Dann füllt sich Bahnsteig 2. Bürgermeister Mößner sowie Mitarbeiter des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz stehen bereit, um Minister Bonde zu empfangen, der auf seiner Tour Station in Murrhardt macht.

Uwe Matti skizziert übers Mikro das Projekt barrierefreier Waldsee: Minister Alexander Bonde, der ihm gegenüber steht, lauscht. Landrat Johannes Fuchs, zwischen den beiden, sowie Simon Maier (vorne) und Felix Gleich, rechts hinter ihm, vom Kreisjugendring unterstützen ihn bei der Vorstellung. Gemeinsam geht es später eine Runde um den See. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die roten Wagen der Murrbahn rollen ein, und Alexander Bonde steigt aus, mit ihm keine kleine Gefolgschaft – Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Vereinen und Verbänden sowie Mitarbeiter des Ministeriums. Auf seiner Tour, die unter dem Motto „Die Vielfalt des Ländlichen Raums erleben“ steht, stattet er Murrhardt und dem Fornsbacher Waldsee einen Besuch ab. Weitere Stationen sind Gaildorf, Ilshofen, Kirchberg an der Jagst und Crailsheim, bis es am Abend zurückgeht. Es ist ein straffes Programm, das der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz an diesem Tag absolvieren wird. Er besichtigt zahlreiche Projekte vor Ort und möchte sich ein Bild davon machen, wie Förderprogramme im Sinne einer Strukturentwicklung Früchte tragen und die Bereiche Naturpark, Schwäbisch-Fränkischer Wald, Tourismus, Landwirtschaft, Naturschutz sowie Landschaftspflege zusammenwirken.

Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner nimmt Bonde und seine Begleiter auf einen kurzen Spaziergang in die Innenstadt mit. Auf dem Weg erläutert er über Funkmikro und tragbaren Lautsprecher wichtige aktuelle städtische Vorhaben: den Bau des Murrarkaden Aktiv-Centers, den Hochwasserschutz und den geplanten Umbau des Areals um die Alte Sonne-Post zu einem Komplex für seniorenbetreutes Wohnen. Dann geht es im Bus zum Fornsbacher Waldsee. Dieses Zeitfenster hat Welzheims Bürgermeister Thomas Bernlöhr zugesprochen bekommen, der nun als Vorsitzender des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald über den aktuellen Erweiterungsprozess und Nachhaltigkeitscheck berichtet. Die Anmerkung, dass sich Städte wie Gaildorf mittlerweile um eine Mitgliedschaft im Naturpark bemüht haben, bei der sie zu Gründungszeiten noch Bedenken wegen möglicher Entwicklungseinschränkungen hatten, wird Bonde später erfreut aufgreifen. Am Waldsee angekommen, geben Landrat Johannes Fuchs, Bürgermeister Mößner, Wirtschaftsförderer und Kulturamtsleiter Uwe Matti sowie Felix Gleich und Simon Maier vom Kreisjugendring einen Einblick in das Projekt barrierefreier Waldsee.

Die Fornsbacher, die ihren Waldsee 1929 selbst anlegten, hatten schon damals den Tourismus im Blick. Seither ist das Freizeitgebiet ein attraktiver Ausflugspunkt, das mit dem Projekt barrierefreier Waldsee weiterentwickelt wurde. Mittlerweile ist der See auch um einen hochwassergeschützten Damm reicher, für den die Stadt ebenfalls Fördergelder erhielt.

Uwe Matti stellt heraus, dass das Projekt ein integratives sei, bei dem der See zum gemeinsamen Erlebnis- und Begegnungsort wird. Seine Beispiele: Das Boot mit Handantrieb für Menschen im Rollstuhl, das genauso gerne von Kindern und Senioren genutzt werde oder ein Blindenleitsystem (schmale Holzleisten am Wegesrand um den See), an das sich auch Nichtbehinderte herantasten können, um sich in den Alltag von Sehbehinderten einzufühlen. Entlang dem Weg finden sich Holzskulpturen von Tieren aus der Region, die tastend erkundet werden können, ebenso wie ein Infotainment, das über touristische Angebote für Behinderte und Nichtbehinderte Auskunft gibt. Landrat Fuchs schlägt den Bogen zur Förderkulisse der Limes-Leaderregion, über weitere Projekte hin zum Direktvermarktungskonzept „Limes plus“ mit regionalen Produkten, von denen für die Gäste am Fuße des Sees Probiererle bereitstehen.

Bevor auch Alexander Bonde zugreift, richtet er sich an Gäste und Begleiter. Das Projekt barrierefreier Waldsee sei für ihn ein Beispiel für das gute Zusammenspiel von Förderung durch die Stadt Murrhardt, den Naturpark, das Leader-Programm mit EU-Mitteln und dem Tourismusinfrastrukturprogramm des Landes. Ein Projekt, bei dessen Umsetzung außerdem die Menschen bei der Gestaltung eingebunden gewesen seien. Ebenso betonte er die Chancen, die der Naturpark biete: Einen kulturnahen Tourismus, bei dem neue Kooperationen entstehen. Somit sei er letztlich auch Instrument für die Regionalentwicklung. Alexander Bonde lässt keinen Zweifel daran, dass der Tourismus für das Land eine wichtige Branche sei, mit rund 280000 Arbeitsplätzen – mehr als im Fahrzeugbau. Die Infrastrukturprogramme des Landes dienten eben auch der Förderung solcher Projekte. Dass sich dabei immer mehr für eine Unterstützung beispielsweise durch Leader engagierten, und ein reger Wettbewerb herrsche, sieht Bonde als positiven Anreiz: Nährboden für Fantasie und Innovation.