Mangel auf höchst kreative Weise behoben

Neue Sitzgelegenheiten laden auf Initiative des Heimat- und Kulturvereins rund um Rietenau zum „Gugga, laufa, hogga“ ein

Naturparktag in Rietenau: Zum Theaterspaziergang trafen sich rund 60 Interessierte und gingen zu den neuen Sitzgelegenheiten im Dorf.Foto: A. Becher

Von Ute Gruber

ASPACH. Eins muss man den Rietenauern lassen: Ideen haben sie. Davon kann sich jetzt jeder überzeugen, der einen Spaziergang rund um Rietenau unternimmt. In und um die Ortschaft laden fast 20 neue Sitzgelegenheiten – das Wort Bänke wäre hier zu schlicht – ein, zum „Gugga, laufa, hogga“, wie Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner in seiner Eröffnungsrede ankündigte. Damit wurde ein seit Längerem vor allem von älteren Mitbürgern reklamierter Mangel im beliebten Naherholungsgebiet auf höchst kreative Weise behoben. Auf Initiative des Heimat- und Kulturvereins kamen die Entwürfe von Rietenauer Bürgern, gesponsert wurde von ortsansässigen Firmen. „Mir nemmet au no ebbes!“, meinte da zur allgemeinen Erheiterung Jakob alias Rolf Butsch im Hinblick darauf, dass eine Bank noch einen Sponsor sucht.

Im Rahmen des Naturparktages führten Lea und Rolf Butsch eine große Gruppe von Wanderwilligen zu einigen Exemplaren dieser materialisierten Kreativität. Die Kreationen wurden von Mitgliedern der Theatergruppe originell vorgestellt: So schmiegt sich noch im Ort eine Bank aus afrikanischem Tadelakt in eleganter Windung an eine alte Linde. Eine ebenso elegante Dame thront darauf und rezitiert Rainer Maria Rilke. Auf der Hollywoodschaukel gleich beim Spielplatz trug der Herr Direktor die Ballade vom Büblein vor, das sich stets wünscht, „dass nur was käme und mich mitnähme“. Um dann mit dem Ergebnis auch nicht zufrieden zu sein. Zwischen rosa Seerosen und in Stein gemeißelten Dinosauriern steht ein Schiff aus Eiche am romantischen Fischweiher. Die Mannschaft mit Schifferklavier, Tabakspfeife und Fernrohr lädt zum Mitsingen und Schunkeln ein. Die Bank ist aus einem einzigen Rietenauer Stamm gefertigt. „Aber der Zimmerma isch aus Allmersbach!“, lässt Jakob wissen.

Da ein Schwabe gern auf seinem Geld sitzt, hatte die Bank eine Bank mit Münzenmuster gespendet. Jakob konnte dazu eine nette Geschichte zum Thema Geld oder Schönheit aus Thaddäus Trolls Werk erzählen. Einige der schlichteren Bänke dienen in Anlehnung an den Dichter der Erhaltung der schwäbischen Sprache, sie haben schwäbische Schimpfworte eingraviert: Wädderhex, Bähmulle, Endeglemmer...

Zwischen Baumwiesen, grasenden Rindern und Weinbergen ging es in der Mittagshitze bergauf durch die Felder. Glücklich, wer vorsorglich Sonnenhut und Wasserflasche eingepackt hatte. Hoch über dem Tal mit herrlichem Blick auf die wellige Landschaft steht eine wellige Liege, Vorstand Dieter Weller gewidmet. Auf der Wellerbank haucht ein treuloser Ehemann seinen letzten Atem aus. Eine originelle Fensterbank wurde von einer Fensterbaufirma gespendet. Fast am Ende der anderthalbstündigen Runde wartete im kühlen Schatten eines Kirschbaumes eine Erfrischung aus den Rietenauer Mineralquellen. Dazu gab es in einer überdimensionalen Obstkiste eine Demonstration zu Thaddäus Trolls Liebesleben.

Die letzte Schwabenbank wirft Fragen auf: „Und was ist jetzt eigentlich ein Lumbamenschle – „Ha, wie sagt mer des jetzt? Ä Schelle hald!“